Mit 59 Jahren, also kurz vor der Rente, ist Eckart Hangg aus Willstätt (Ortenaukreis) nochmal Azubi. Er wird Lokführer bei der Südwestdeutschen Landesverkehrs-GmbH (SWEG) in Offenburg. Es ist ein Job mit viel Verantwortung - für Menschen und Material. Hohe Konzentration, arbeitet im Schichtdienst. Warum tut er sich das an? Ganz einfach: Für den 59-Jährigen geht damit ein Traum in Erfüllung.
Lokführer-Azubi freut sich über hochmoderne Zugtechnik
"Jetzt bin ich angekommen." So beschreibt Eckart Hangg das Gefühl, als er zum ersten Mal den Fahrhebel des "Mireo Plus B" betätigen durfte und spürte, wie sich der riesige Zug scheinbar federleicht bewegte.
Der Mireo Plus B ist ein moderner Batteriehybridzug - also ein Zug, der Strom aus zwei Energiequellen bezieht. Der Strom fließt sowohl aus der Oberleitung, als auch aus eingebauten Batterien. Züge dieses Modells sind erst seit dem Frühjahr im Ortenaukreis unterwegs, und Hangg darf mit ihnen auf der Renchtalstrecke fahren.
Bahnübergänge, Signale, Höchstgeschwindigkeit - im Führerstand der Lok muss der angehende Triebfahrzeugführer auf vieles gleichzeitig achten. Bisher hat er dabei immer einen erfahrenen Kollegen an seiner Seite. Im Ernstfall greifen der Ausbilder oder die Sicherheitstechnik ein.
"Falls man die Geschwindigkeit überschreitet und bestimmte Signale nicht bestätigt, dann würde der Zug automatisch eine Schnellbremsung einleiten", erklärt Gaetano Profeta, Ausbildungsleiter bei der SWEG in Offenburg.
Lebenserfahrung ist ein Plus
Die Sicherheitssysteme entlasten. Trotzdem muss Eckart Hangg für den beruflichen Neustart sehr viel lernen. Für jeden Handgriff gibt es eigene Regeln. Die zu pauken, fällt ihm mit fast 60 nicht leicht. "Das ist wie eine neue Sprache lernen", meint Hangg. Da spüre er schon Einschränkungen.
Bei der SWEG sieht man im fortgeschrittenen Alter des Azubis hingegen keinen besonderen Nachteil, wie Ausbilder Gaetano Profeta sagt: "Die Jungen haben vielleicht ein bisschen Vorteile beim Lernen, weil sie vielleicht noch im Lernprozess drin sind. Ältere Menschen bringen dafür mehr Lebenserfahrung mit. Vielleicht auch mehr Ruhe rein."
Eckart Hangg ist längst nicht der Einzige, der bei der SWEG einen späten Neustart wagt. Etwa 20 Personen schließen allein bei der SWEG in Baden jedes Jahr die Quereinsteiger-Ausbildung zum Triebfahrzeugführer ab. Anders als die regulären Azubis dürfen sie anschließend nur Personen- und keine Güterzüge fahren. Trotzdem sind sie für das Unternehmen in Zeiten des Fachkräftemangels enorm wertvoll.
Nach Lokführer-Lehre: Ab September allein im Führerstand
Eckart Hangg hat sich um die neue Stelle nicht einmal bewerben müssen. Da ist er allerdings eine Ausnahme. Er war Referent eines grünen Landtagsabgeordneten für Bahnfragen, lernte so den Geschäftsführer der SWEG persönlich kennen und erzählte von seinem Traum des Lokführers. Wenige Wochen später hatte er den Job.
Hanggs Ausbildung läuft noch bis September. Dann darf er allein fahren, muss alle Regeln im Kopf haben, und alle Handgriffe im Führerstand müssen sitzen. Wie lange er den Job am Ende machen wird? Das entscheide der Bahn-Betriebsarzt, sagt Hangg. Er selbst will Zug fahren, solange er gesund ist.