Kreative Skulpturen und Szenen aus Stroh: Das gibt's beim Strohskulpturen-Wettbewerb in Höchenschwand (Landkreis Waldshut) zu sehen.
Es ist Erntezeit. Traktoren fahren über die Felder und pressen Stroh zu Ballen. Im 2.700 Einwohner-Dorf Höchenschwand im Südschwarzwald wird aber nicht alles einfach nur zusammengepresst. Dort entstehen in aufwendiger Handarbeit alle zwei Jahre riesige Kunstwerke aus Stroh: Figuren, Gebäude, Maschinen und sogar ganze Szenen aus Kinderbüchern und Filmen.
Handwerkliches Können und Liebe zum Detail
Stimmengewirr, Lachen und der Klang von Druckluft-Tackern erklingt aus mehreren Scheunen und Garagen. Die Landfrauen treffen sich bereits seit Mai zwei Mal die Woche in der Scheune des Villingerhofs in Höchenschwand. Sie sind fast fertig: Es ist nicht nur eine Skulptur, sondern eine ganze Scheune voller Figuren, Gegenständen und Pflanzen.
Die Landfrauen haben das Dschungelbuch als Thema. Mogli bekommt noch eine Augenbraue aus Bast angenäht. Die sorgt dafür, dass sein Blick schelmisch wird. Die Landfrauen sind bekannt für Ihre Liebe zum Detail und zur Bowle. Die gibt es bei den Landfrauen traditionell. Nach der Arbeit sitzen Alt und Jung, Einheimische und Zugezogene zusammen. Es gibt Kuchen, Kaffee und ein Gläschen Bowle.
Ich mache das unheimlich gerne, dieses Arbeiten mit dem Stroh. Wir machen alles aus Naturmaterialien.
Stabiler Unterbau und lustige Ideen
Viel gelacht wird auch wenige Scheunen weiter bei der Guggenmusik. Die will mit dem Musical Eisprinzessin punkten. Der Turm des Schlosses wird sieben Meter hoch. Er wird über Wochen bei Wind und Wetter im Freien stehen. Zum Glück haben sie Lukas Metzger von der Feuerwehr abwerben können. Er ist Fachmann und für den Unterbau zuständig. Auch die Figuren sind schon zu erkennen. Der Eisprinzessin Elsa fehlt noch der Kopf. Aber das Kleid sitzt schon.
Stroh-Schneemann Olaf war zuerst fertig. Doch die größte Herausforderung ist Rentier Sven. Sein Vorderkörper ist schon fertig, aber das Hinterteil hat noch nicht die richtige Form. Daniel Karthan stopft noch etwas Stroh in den Popo, damit der auch als ein solcher zu erkennen ist. Erst danach macht er sich an die Feinheiten. Rentier Sven soll sich später auch bewegen. Vielleicht können sie den Landfrauen damit in diesem Jahr den Wanderpokal abjagen?
Bei uns gibt es auch Ton und Licht. Man will sich ja immer auch noch steigern.
Zusammenhalt im Verein und Gewinn fürs Dorf
Auch bei der Landjugend herrscht gute Stimmung. Das runde Dutzend junger Frauen und Männer ist zuversichtlich, dass bis 07. September alles fertig wird. Sie bauen das Videospiel Mario Kart nach. Der riesige Go Kart aus Stroh braucht nur noch Scheinwerfer. Bei der Comicfigur Yoshi ist die große Kugelnase aus Stroh schon erkennbar. Jetzt stehen sie auf Leitern und tackern ihrem Yoshi in drei Metern Höhe von den Kopf und die Augen an.
Die Landjugend baut erstmals eine Skulptur alleine, erzählt Moritz Tritschler. Sie wollen zeigen, dass die Landjugend ein Verein ist, der nicht nur abends rumhockt und trinkt. Das Strohskulpturenbauen haben die meisten von ihnen in den Genen, denn den Wettbewerb gibt es seit 2001. Auch Moritz war schon als Kind dabei. Mit seinem Vater, der beim Musikverein mithilft. Jetzt ist er mit dem Team der Landjugend am Start.
Wir wollen was tun für die Gemeinde. Das ist gute Publicity für den Ort und den Tourismus.
Eine Touristenattraktion im Südschwarzwald
Alle zwei Jahre liefern sich die Vereine von Höchenwand einen Wettbewerb um die schönste Strohskulptur. Der Strohskulpturen-Wettbewerb lockt nach Angaben der Touristinformation des Ortes etwa 40.000 Besuchern an. Sie dürfen am Ende abstimmen, welcher Verein den Wanderpokal bekommt. Aber wichtiger als der Sieg: Das gemeinsame Werkeln bringt sie zusammen und macht Spass. Sie machen es für ihren Verein und für ihr Dorf.
Freier Eintritt und buntes Rahmenprogramm
Am 07. September 2025 werden die Skulpturen auf der großen Wiese an der B500 beim Bauernmarkt in Höchschwand aufgestellt. Sie werden bis zum 05. Oktober dort stehen und können kostenlos angeschaut werden. An den Wochenenden sorgen die Vereine für Bewirtung und ein Unterhaltungsprogramm. Wer in diesem Jahr die Gunst des Publikums bekommen hat, wird dann am 27. September bei einem Fest bekanntgegeben.