Mehr als 1.000 junge Königinnen und Könige sind am Dienstag aus ganz Deutschland nach Freiburg gereist. Die Stadt im Breisgau ist zum ersten Mal Auftaktort der bundesweiten Sternsingeraktion der katholischen Kirche. Die Sternsingerinnen und Sternsinger sammeln in diesem Jahr für die vielen Millionen Kinder, die weltweit unter menschenunwürdigen Bedingungen arbeiten müssen.
SWR-Reporter Jan Lehmann live vom Platz der Alten Synagoge:
Kinder und Jugendliche sind aus ganz Deutschland angereist
Zahlreiche goldene Kronen und prachtvolle Gewänder waren am Dienstagvormittag auf dem Platz der Alten Synagoge zu sehen. Darunter auch Matthea Müller, 14 Jahre und Lea Ziegler, 15 Jahre alt. Sie sind als Sternsingerinnen aus Osterburken (Neckar-Odenwald-Kreis) angereist.
In ihrem Ort sind die beiden jedes Jahr für die Planung und Umsetzung des Dreikönigssingen zuständig. Und das erfordert viel Vorbereitung. "Wir gucken schon das ganze Jahr über, wer alles mitmachen möchte und welche Lieder wir singen werden", erzählt die 15-jährige Lea.
Die letzten Vorbereitungen für den Auftakt in Freiburg liefen noch am Montagabend, erzählen die zwei. "Gestern haben wir noch die Kronen zusammengesteckt und neue Mäntel genäht", erklärt Lea. Mit der selbstgebastelten Krone, dem genähten Mantel und dem Weihrauch-Fässchen ging es dann am Dienstagmorgen Richtung Breisgau. Für Lea Ziegler ist die Eröffnung der Sammelaktion in Freiburg etwas ganz Besonderes.
Ich finde es schön, Teil von etwas so Großem zu sein.
Lea und Matthea freuen sich, dass sie dabei sind. "Es ist schon was anderes, weil wir nicht aus so einer großen Stadt kommen", sagt die 15-jährige Lea Ziegler. Sie freue sich auch darauf, mit Sternsingerinnen und Sternsingern aus anderen Orten in Kontakt zu kommen. Auch die 14-jährige Matthea Müller freut sich, wie jedes Jahr, auf das Sternsingen: "Mir macht es Freude, anderen Menschen zu helfen, das Geld zu sammeln und anderen Menschen damit eine Freude zu bereiten."
Anders als Matthea und Lea ist Christian zum ersten Mal als Sternsinger unterwegs. Der Zehnjährige ist aus Grenzach (Kreis Lörrach) angereist. Für den Aktionstag hat er extra seinen Stern neu lackiert. Den trägt er nun stolz auf seinem Stab durch die Menge. Er freut sich vor allem auf das Freiburger Münster und den Gottesdienst. Auch Madleine und Laura sind das erste Mal Sternsingerinnen. Sie sind aus Wald am Bodensee angereist. "Mit so vielen Leuten hier zusammen zu sein macht einen stolz, Sternsinger zu sein", erzählen die zwei.
Gesammelten Spenden fließen in Hilfsprojekte für Kinder weltweit
Dennis Streiter ist seit acht Jahren immer wieder einer der drei Könige beim Sternsingen. Doch die diesjährige Aktion ist für ihn etwas ganz Besonderes. Seine Jugendgruppe hat sich als Vorbereitung einen Film angeschaut, der die Lebensbedingungen von Kindern in Bangladesch zeigt.
"Das ist einfach erschreckend. Wir haben die Möglichkeit, ohne darüber nachzudenken, in die Schule zu gehen und am anderen Ende der Welt würden sich die Kinder freuen, wenn sie zur Schule gehen könnten, anstatt arbeiten zu müssen", erzählt der Sternsinger. "Und dafür möchten wir dieses Jahr sammeln, dass Kinderarbeit in Bangladesch eingeschränkt oder vielleicht auch ganz erstickt wird", sagt Dennis.
Unter dem Motto "Schule statt Fabrik" nimmt die Sternsingeraktion dieses Mal besonders das Thema Kinderarbeit in den Blick. Ein Teil der Spenden, die die Dreikönigssinger in den kommenden Wochen an den Haustüren sammeln, soll helfen, Kinder in aller Welt aus ausbeuterischen und gesundheitsschädlichen Arbeitsverhältnissen zu befreien.
Die Aktion Dreikönigssingen 2026 soll den Sternsingerinnen und Sternsingern das Thema Kinderarbeit näherbringen und zeigen, wie wichtig die Kinderrechte auf Schutz und Bildung sind. Die Spenden, die sie sammeln, fließen in Hilfsprojekte für Kinder weltweit - unter anderem auch in solche, die Kinderarbeit bekämpfen, etwa in Bangladesch.
73 Gruppen aus den Erzbistümern Freiburg, Rottenburg-Stuttgart, Trier und Münster sind am Dienstagvormittag auf dem Platz der Alten Synagoge zusammen gekommen. Danach gab es rund ums Freiburger Münster zahlreiche Mitmachaktionen der Jugendverbände. Abschluss und Höhepunkt war dann ein Gottesdienst mit Erzbischof Stephan Burger am Nachmittag im Münster.
Noch immer Kinderarbeit auf der Welt
Eigentlich sollte Kinderarbeit im Jahr 2025 der Vergangenheit angehören. Das war das erklärte Ziel der Vereinten Nationen. Doch das wurde weit verfehlt. Trotz eines Rückgangs sind laut dem Kinderhilfswerk UNICEF weltweit immer noch fast 138 Millionen Kinder und Jugendliche von Kinderarbeit betroffen. Rund 54 Millionen von ihnen sind durch ihre Arbeit sogar gesundheitlich gefährdet. Ihre Schulbildung und persönliche Entwicklung bleiben auf der Strecke.
Die bundesweite Aktion Dreikönigssingen wird getragen durch das Kindermissionswerk Die Sternsinger und den Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). Rund 300.000 Sternsinger werden im Januar wieder den Segen "C+M+B" (Christus mansionem benedicat) in Häuser und Wohnungen bringen. Die Spendensumme, die sie sammeln, ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen - mit Ausnahme der Coronazeit. Bei der Aktion Anfang 2025 kamen rund 48 Millionen Euro zusammen.