Rund um die Jahrtausendwende galt der Steinkauz im Dreiländereck zwischen Deutschland, Frankreich und der Schweiz schon fast als ausgestorben. Um ihn doch noch zu retten, taten sich im Jahr 2000 die Vogelschutzorganisationen BirdLife Schweiz, LPO Alsace und der NABU Südbaden zusammen. Seitdem arbeiten sie gemeinsam daran, die Lebensräume der kleinen Eule wiederherzustellen - offenbar mit Erfolg.
Ein kleiner Steinkauz schiebt sich durch die Öffnung seiner Niströhre. Wie ein Fotomodell präsentiert er sich auf dem Ast vor seinem kleinen Häuschen. Fast könnte man meinen, die kleine Eule weiß, dass die Kamera von BirdLife Schweiz sie gerade filmt.
1.000 neue Niströhren: Hausbau in Serie für den Steinkauz
Dass sie und ihre Artgenossen sich im Dreiländereck inzwischen wieder so wohl fühlen, hat viel mit der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit der drei Vogelschutzorganisationen zu tun.
In der Natur spielt die Grenze keine Rolle.
Mehr als 1.000 mardersichere Niströhren haben sie in der Grenzregion installiert. Außerdem haben sie rund 5.000 Hochstamm-Obstbäume gepflanzt, mehr als drei Kilometer Hecken sowie 200 Hektar Extensivflächen angelegt. Das sind Flächen, die kaum gedüngt oder mit Pestiziden behandelt werden.
250 Steinkauz-Brutpaare zurück im Dreiländereck
Unterstützt wurden die Organisationen dabei von Behörden, lokalen Vereinen, Landwirtinnen und Landwirten sowie zahlreichen Ehrenamtlichen. So ist eine offene und strukturierte Landschaft entstanden - der typische Lebensraum des Steinkauzes.
Und der Aufwand hat sich gelohnt: 220 bis 250 Brutpaare leben heute wieder in der Grenzregion. Nach mehr als 40 Jahren Abwesenheit brütete der Steinkauz 2023 sogar erstmals wieder in der Nordwestschweiz. Mittlerweile gibt es dort mehrere Brutpaare.
Hunderte Menschen haben sich für Steinkauz eingesetzt
"Es ist das Projekt von 100 bis 200 Menschen auf allen drei Seiten der Grenze oder gemeinsam in diesem Dreiland, die das miteinander auf die Beine gestellt haben", sagt Lukas Merkelbach von BirdLife Schweiz stolz. Ohne die Hilfe jedes Einzelnen wäre das nicht gegangen, meint der Naturschützer.
Es ist wirklich ein Gemeinschaftswerk.
Walder-Bachmann-Preis: 100.000 Franken für den Steinkauz-Schutz
Für diese grenzüberschreitende Zusammenarbeit hat die Walder-Bachmann Stiftung (WBS) BirdLife Schweiz, die LPO Alsace und den NABU Südbaden ausgezeichnet. Bei einem grenzüberschreitenden Projekt wie diesem seien administrative und verwaltungstechnische Herausforderungen immens, betont Pio Baltisberger von der Walder-Bachmann Stiftung.
Artenschutzprojekt für gefährdete Tiere Vom Zoo in die Freiheit: Wie ein Projekt den Steinkauz retten will
Für sechs Steinkäuze geht es raus in die freie Natur: Tierschützer haben sie ausgewildert. Die gefährdete Eulenart soll wieder dauerhaft im Rhein-Neckar-Kreis angesiedelt werden.
"In einem Land darf man das, im anderen das und in der Natur spielt ja die Grenze keine Rolle", so Baltisberger. Die Zusammenarbeit so großer Gruppen und über einen Zeitraum von 25 Jahren hinweg, habe die Stiftung dazu bewogen, den Walder-Preis an das grenzüberschreitende Steinkauz-Projekt zu geben. Zum 25-Jahre-Jubiläum des Preises ist das Preisgeld einmalig auf 100.000 Franken verdoppelt worden.