Grenzüberschreitender Artenschutz

Wie ein Naturschutzprojekt den Steinkauz im Dreiländereck gerettet hat

Im Dreiländereck war er fast ausgestorben, heute brüten dort wieder hunderte Steinkauz-Paare. Ein grenzüberschreitendes Naturschutzprojekt machte die Erfolgsgeschichte möglich.

Teilen

Stand

Von Autor/in Christof Gerlitz

Rund um die Jahrtausendwende galt der Steinkauz im Dreiländereck zwischen Deutschland, Frankreich und der Schweiz schon fast als ausgestorben. Um ihn doch noch zu retten, taten sich im Jahr 2000 die Vogelschutzorganisationen BirdLife Schweiz, LPO Alsace und der NABU Südbaden zusammen. Seitdem arbeiten sie gemeinsam daran, die Lebensräume der kleinen Eule wiederherzustellen - offenbar mit Erfolg.

Ein kleiner Steinkauz schiebt sich durch die Öffnung seiner Niströhre. Wie ein Fotomodell präsentiert er sich auf dem Ast vor seinem kleinen Häuschen. Fast könnte man meinen, die kleine Eule weiß, dass die Kamera von BirdLife Schweiz sie gerade filmt.

1.000 neue Niströhren: Hausbau in Serie für den Steinkauz

Dass sie und ihre Artgenossen sich im Dreiländereck inzwischen wieder so wohl fühlen, hat viel mit der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit der drei Vogelschutzorganisationen zu tun.

In der Natur spielt die Grenze keine Rolle.

Mehr als 1.000 mardersichere Niströhren haben sie in der Grenzregion installiert. Außerdem haben sie rund 5.000 Hochstamm-Obstbäume gepflanzt, mehr als drei Kilometer Hecken sowie 200 Hektar Extensivflächen angelegt. Das sind Flächen, die kaum gedüngt oder mit Pestiziden behandelt werden.

Eine Niströhre.
Rund 1.000 dieser Niströhren haben die Vogelschützerinnen und Vogelschützer im Dreiländereck installiert. Vor Mardern sind die Steinkauze darin sicher.

250 Steinkauz-Brutpaare zurück im Dreiländereck

Unterstützt wurden die Organisationen dabei von Behörden, lokalen Vereinen, Landwirtinnen und Landwirten sowie zahlreichen Ehrenamtlichen. So ist eine offene und strukturierte Landschaft entstanden - der typische Lebensraum des Steinkauzes.

Bäume und Wiesen aus der Vogelperspektive
Hier fühlt er sich wohl. Offene Wiesen mit Hochstamm-Obstbäumen sind der typische Lebensraum des Steinkauzes.

Und der Aufwand hat sich gelohnt: 220 bis 250 Brutpaare leben heute wieder in der Grenzregion. Nach mehr als 40 Jahren Abwesenheit brütete der Steinkauz 2023 sogar erstmals wieder in der Nordwestschweiz. Mittlerweile gibt es dort mehrere Brutpaare.

Hunderte Menschen haben sich für Steinkauz eingesetzt

"Es ist das Projekt von 100 bis 200 Menschen auf allen drei Seiten der Grenze oder gemeinsam in diesem Dreiland, die das miteinander auf die Beine gestellt haben", sagt Lukas Merkelbach von BirdLife Schweiz stolz. Ohne die Hilfe jedes Einzelnen wäre das nicht gegangen, meint der Naturschützer.

Es ist wirklich ein Gemeinschaftswerk.

Lukas Merkelbach von BirdLife Schweiz freut sich über den Erfolg des Projekts
Sichtlich zufrieden mit der Arbeit aller Beteiligten: Lukas Merkelbach von BirdLife Schweiz.

Walder-Bachmann-Preis: 100.000 Franken für den Steinkauz-Schutz

Für diese grenzüberschreitende Zusammenarbeit hat die Walder-Bachmann Stiftung (WBS) BirdLife Schweiz, die LPO Alsace und den NABU Südbaden ausgezeichnet. Bei einem grenzüberschreitenden Projekt wie diesem seien administrative und verwaltungstechnische Herausforderungen immens, betont Pio Baltisberger von der Walder-Bachmann Stiftung.

Rhein-Neckar-Kreis

Artenschutzprojekt für gefährdete Tiere Vom Zoo in die Freiheit: Wie ein Projekt den Steinkauz retten will

Für sechs Steinkäuze geht es raus in die freie Natur: Tierschützer haben sie ausgewildert. Die gefährdete Eulenart soll wieder dauerhaft im Rhein-Neckar-Kreis angesiedelt werden.

"In einem Land darf man das, im anderen das und in der Natur spielt ja die Grenze keine Rolle", so Baltisberger. Die Zusammenarbeit so großer Gruppen und über einen Zeitraum von 25 Jahren hinweg, habe die Stiftung dazu bewogen, den Walder-Preis an das grenzüberschreitende Steinkauz-Projekt zu geben. Zum 25-Jahre-Jubiläum des Preises ist das Preisgeld einmalig auf 100.000 Franken verdoppelt worden.

Neustadt (Wied)

Schul-AG für Deutschen Tierschutzpreis nominiert Wie eine Schule aus dem Westerwald den Regenwald rettet

Ein eigener Regenwald in Costa Rica und mehr als 71.500 neue Bäume in Indonesien: Warum der große Erfolg einer kleinen Schul-AG am Wiedtal-Gymnasium inspiriert. Ein Interview.

Mosel

Inventur im Kirchendach Tiere in Not: Wie Umweltschützer nach seltenen Fledermäusen suchen

Auf der Suche nach Fledermäusen klettern Naturschützer derzeit durch düstere Kirchendächer. Oft stellen sie fest, dass Kolonien verschwinden. An der Mosel gibt es noch Hoffnung.

SWR Aktuell Rheinland-Pfalz SWR RLP

Rheinland-Pfalz

Vogelschutz KI-gestützte Militärtechnik macht Windräder sicherer für Vögel

Rüstungssoftware hilft beim Vogelschutz: Mit KI und Kameras werden gefährdete Arten früh erkannt - und die Windkraftanlagen nur für wenige Minuten gezielt gedrosselt.

Impuls SWR Kultur

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Christof Gerlitz
Onlinefassung
Lukas Herzog
Lukas Herzog