Eine Kirche an der Mosel am frühen Abend. Martine Trauffler und Anna Wurm suchen das Gebäude mit Ferngläsern ab. Die Tierschützerinnen vom NABU halten Ausschau nach Fledermäusen. Doch noch können die Naturschützerinnen vom NABU kein Tier entdecken.
Vielleicht schlafen sie noch im Dachstuhl der alten Kirche. So wie im vergangenen Jahr als Martine Trauffler zum ersten Mal hier war. Damals hat sie fünf Tiere entdeckt. "Auch ein graues Langohr, das sich sehr gut versteckt hatte, war dabei", erzählt die Luxemburgerin. Es ist eine besonders seltene Art. Sie ist so klein wie eine Streichholzschachtel, hat aber überdimensional große Ohren wie Mickey Mouse.
Graue Langohren sind vom Aussterben bedroht
Die Umweltschützerinnen hoffen, dass sie auch an diesem Tag welche ausfindig machen können. Es wären gute Nachrichten. Denn immer öfter finden sie die Quartiere der Grauen Langohren verlassen vor.
Wie alle heimischen Fledermäuse steht das Langohr auf der Liste der bedrohten Arten. Denn weil auf den Feldern und Wiesen immer weniger Insekten herumschwirren, haben die Tiere Probleme, Nahrung zu finden. Beim Grauen Langohr kommt aber noch etwas anderes hinzu: Zwischen Mai und Juni brauchen die Weibchen alte Gebäude wie Kirchen als Zufluchtsort, um Nachwuchs auf die Welt zu bringen.
Fledermäuse brauchen Kirchen als Quartiere
Schon kleinste Bauarbeiten können aber ein solches Quartier zerstören: Ein neues Dachfenster zum Beispiel, das zu viel Licht für die nachtaktiven Tiere hereinlässt oder eine zugemauerte Öffnung, die den Fledermäusen den Ausweg versperrt.
Auch ein Gitter, wie es Martine Trauffler an einer der Nischen der Dorfkirche entdeckt, kann zur Herausforderung werden: "Die Fledermäuse kommen da zwar durch, aber sie müssen andocken und krabbeln. Sie können nicht einfach durchfliegen. Das ist suboptimal."
Bestandsaufnahme in Rheinland-Pfalz
In ganz Rheinland-Pfalz sind derzeit Ehrenamtliche des NABU unterwegs, um zu erfassen, wie viele Langohren es überhaupt noch gibt. Sie machen sozusagen eine Inventur. Martine Trauffler und Anna Wurm müssen an diesem Tag mehrere enge Treppen steigen und durch eine Luke in den Dachstuhl der Kirche krabbeln.
Gutes Zeichen: Kot von Fledermäusen
Oben angekommen, macht die Naturschützerin Anna Wurm eine erste Entdeckung, die ihr Mut macht: Fledermauskot. Mit Gummihandschuhen zerreibt sie ein Bröckchen. Er zerfällt sofort und schimmert wie Metall.
"Das Schimmern kommt von den Chitin-Panzern der vielen Insekten, die die Fledermäuse fressen", erklärt Wurm. Außerdem sieht der Kot frisch aus. "Das ist ein Indiz dafür, dass hier noch Tiere leben", sagt Wurm.
Suche mit Rotlichtlampen: Tiere verstecken sich
Die beiden Frauen klettern über Holzbalken und schleichen vorsichtig weiter, um die Tiere nicht zu stören. Wenn sie sich unterhalten, flüstern sie - denn das graue Langohr ist lärmempfindlich. Kein Wunder, bei den Riesenlauschern.
Ihre Ohren klappen die Fledermäuse allerdings ein, wenn sie schlafen. Und das macht es noch schwieriger, sie zu entdecken, sagt Trauffler während sie mit Rotlicht in alle Ecken und Nischen leuchtet: "Man muss viel Zeit investieren, wenn man sie finden will. Sie können sich überall verstecken."
Trauffler hat aber schon eine Vermutung, wo sie sich verbergen. Vergangenes Jahr hatte sie die fünf Tiere in der hintersten Ecke des Dachstuhls entdeckt. Dort, wo es kein Fenster gibt und wo es richtig dunkel ist. Denn die Fledermäuse lieben die Dunkelheit.
Größere Kolonie womöglich verschwunden
Bevor sich die Naturschützerinnen aber in die Finsternis vorwagen, untersuchen sie noch mehr Kot. Im hinteren Bereich der Kirche ist der ganze Boden voll davon. Allerdings ist er bedeckt mit einer Staubschicht. Es sind die Überreste einer einst großen, nun verschwundenen Kolonie.
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"Das waren wahrscheinlich mal richtig viele Tiere", sagt Anna Wurm: "Leider erleben wir das öfter, dass wir dann kommen und die Quartiere wie ausgestorben sind." Im vergangenen Jahr hatten Ehrenamtliche des NABU in Rheinland-Pfalz rund 50 ehemalige Quartiere untersucht und nur noch in 30 davon überhaupt Fledermäuse gefunden.
Wochenstube gefunden: Nachwuchs möglich
Plötzlich flüstert Martine Trauffler: "Anna, komm mal, hier sind welche." Im Rotlicht hat sie zwei Weibchen der Langohren entdeckt, die dicht beieinander hocken. Als ihre Kollegin sich nähert, fliegen sie zwar davon, die beiden Frauen sind dennoch begeistert: "Das ist grandios. Das heißt, dass es hier Nachwuchs geben wird", sagt Trauffler.
Im vergangenen Jahr hatte sie in der Kirche nur einzelne Tiere beobachtet. Es könnten auch Männchen gewesen sein. Diesmal ist sie sich ganz sicher, dass es eine sogenannte Wochenstube ist.
So nennen es Fachleute, wenn sich die Weibchen zwischen Mai und Juni zusammenschließen, um dort Junge zu bekommen. Manchmal finden sich so viele Fledermäuse zusammen, dass sie eine Traube bilden, die von der Decke hängt.
Suche geht in anderen Kirchen weiter
Die Frauen suchen noch eine Weile weiter, entdecken aber keine weiteren Artgenossen - was nicht unbedingt heißt, dass sich zwischen den Balken nicht noch mehr verstecken.
Am Ende füllen die Naturschützerinnen ihren Bogen aus und tragen ihre Beobachtung ein. Ihre Entdeckung ist ein kleines Lebenszeichen, mit vielleicht großer Bedeutung: denn die gefährdete Art der grauen Langohren könnte den Nachwuchs dringend gebrauchen.