Sie sitzen überall: auf Hausdächern, auf der Kirche, auf Baukränen. Bis zu 50 Störche haben sich in den vergangenen Tagen immer wieder in Riegel (Kreis Emmendingen) versammelt. Ein Naturschauspiel, das Einheimische und sogar Touristen in das Städtchen am Kaiserstuhl lockt.
Es klappert und flattert wieder über Riegel
Riegel im Storchenfieber: Wenn die Sonne untergeht, kommen Vögel angeflattert, die zu den größten Europas gehören. Erst einer, dann ein zweiter, ein dritter - und plötzlich schwebt eine ganze Schar über dem Kaiserstuhl. Dutzende Störche kreisen am Himmel, ehe sie auf dem Kirchendach, Hausdächern oder gar einem Baukran landen. Ein Anblick, der überrascht, denn das Klappern war eigentlich schon verstummt: Die heimischen Störche sind längst aufgebrochen. Rund 50 Jungstörche und ihre Eltern haben bereits die Reise in den Süden angetreten - Anfang August flogen die Jungen, ganz allein, los; wenig später folgten die Altstörche.
Die meisten Brutstörche von hier aus dem Breisgau sind schon unterwegs, durch die Sender wissen wir genau, wo sie sind.
Riegel - ein storchenfreundlicher Zwischenstopp
Die Störche, die da angeflogen kommen, sind oft schon eine ganze Weile unterwegs. Sie kommen aus dem Norden und machen auf ihrer Reise in wärmere Gefilde einen Zwischenstopp in Riegel am Kaiserstuhl. Aber warum genau hier?
Die sehen, dass hier ein kleines Storchenzentrum ist.
Schon aus der Ferne würden die majestätischen Vögel Kotspuren auf den Dächern und zahlreiche Nester auf der Kirche erkennen und merken: "Das ist eine storchenfreundliche Kirche!", erzählt Bickel. Denn: Das Kirchendach in Riegel biete nicht nur besten Komfort, sondern auch die perfekte Infrastruktur: Gleich zwölf Nester gibt es auf dem Dach.
Doch nicht nur die Kirche dient als Rastplatz: Auch Wohnhäuser und sogar ein Baukran bieten den Störchen auf ihrer Reise gen Süden einen sicheren Übernachtungsort.
Besuch der Störche nur von kurzer Dauer
Die Störche aus dem Norden bleiben nur eine Nacht in Riegel. Am nächsten Morgen geht es für sie dann weiter auf ihrer Reise in Richtung Süden. Für viele von ihnen geht es nach Spanien, Südfrankreich oder sogar nach Marokko. Dort überwintern sie.
Störche kommen früher aus Winterquartieren zurück
Im Frühjahr kommen die Störche dann zurück - und immer früher, wie Storch-Experte Bickel beobachtet. Die Winter sind nicht mehr so streng, sodass die meisten Störche aus dem Breisgau bereits im Februar aus ihren Winterquartieren zurückkehren.
Storchpopulation im Breisgau hat stark zugenommen
Gustav Bickel und sein Team vom Weissstorch Breisgau-Verein betreuen die Störche im Breisgau. Das machen sie ehrenamtlich und mit viel Herzblut.
Ich bin von klein auf dazugekommen, schon als Schulbub. Ich freue mich einfach immer wieder Störche zu sehen. Das sind einfach imposante Tiere.
In den letzten 30 Jahren habe sich die Population vermehrt - von 30 auf mittlerweile 270 Paare. "Die fühlen sich hier wohl, wegen des guten Nahrungsangebots und weil wir uns so gut um sie kümmern", so Bickel. Die Pflege der Tiere sei zwar aufwendig, doch der Verein sorgt dafür, dass stets genügend Nahrung vorhanden ist. Füttern sollte man die Störche jedoch nicht, denn die Population gilt heute als gesichert.