Der Bolzplatz auf dem Gelände einer Grundschule mitten im Ort war in Lahr-Sulz (Ortenaukreis) zum Zankapfel geworden. Anwohnerinnen und Anwohner hatten sich über Lärmbelästigung, Bälle auf ihren Grundstücken und Sachbeschädigung außerhalb der Schulzeiten beschwert und vor dem Freiburger Verwaltungsgericht gegen die Stadt Lahr geklagt. Bei einer Sitzung des Gerichts am Donnerstag vor Ort wurde nun ein Kompromiss gefunden.
Anwohner klagen über Lärm und Bälle im Garten
Sechs Anwohnerinnen und Anwohner des Kleinspielfelds hatten vor dem Freiburger Verwaltungsgericht gegen die Stadt geklagt. "Bälle fliegen auf unsere Grundstücke, Kinder und Jugendliche klettern über unsere Zäune, es ist laut und wir werden beleidigt", so die Anwohner. Allein vergangenes Jahr sollen auf das Grundstück eines Klägerpaars 136 Bälle geflogen sein. Um die Bälle zurückzuholen, würden die Kinder und Jugendlichen über den Gartenzaun der Anwohner klettern oder klingeln. "Für uns ist das eine große Belastung", so das Paar.
Bei den Bällen bleibe es aber nicht: Bis in die späten Abendstunden würden Jugendliche und Heranwachsende auf dem Bolzplatz laut Musik hören und Party machen, so die Anwohner.
Grade im Sommer haben wir keine Ruhe.
Anwohner forderten kürzere Öffnungszeiten
Es würden Regeln fehlen und Vorrichtungen, dass die Bälle nicht mehr auf die Grundstücke der Anwohnerinnen und Anwohner fliegen. In ihrer Klage forderten die Anreiner, dass der Bolzplatz außerhalb der Schul- und Betreuungszeiten geschlossen bleibt: also werktags ab 16:30 Uhr, am Wochenende und an Feiertagen komplett. Außerdem forderten sie von der Stadt Vorkehrungen, die den Lärm und die Bälle im Garten verhindern.
Der Streit zwischen den Anwohnerinnen und Anwohnern und der Stadt schwelt schon seit zehn Jahren, seitdem der Bolzplatz 2015 errichtet wurde. Gespräche zwischen beiden Parteien hatten kein Ergebnis gebracht. Auch ein Mediations-Angebot habe die Stadt Lahr abgelehnt, so Rechtsanwalt Thomas Tock.
Die Forderung der Anwohner, den Bolzplatz schon ab 16:30 Uhr zu schließen, findet der Erste Bürgermeister der Stadt Lahr, Guido Schöneboom, weltfremd.
Ich bin froh, dass Kinder hier spielen können.
Die Belastung durch Bälle auf den Grundstücken sieht aber auch Schöneboom und sagt: "Da müssen wir eine Lösung finden."
Klage wegen Lärm Streit um Lärm auf Lahrer Bolzplatz: Nachbarn wollen kürzere Öffnungszeiten
Anwohnerinnen und Anwohner einer Schule in Lahr klagen wegen Lärms auf dem Schulhof. Laut ihrem Anwalt gab es außerhalb der Schulzeit Sachbeschädigungen und Beleidigungen.
Verwaltungsgericht Freiburg löst den Rechtsstreit mit einem Vergleich
Das Verwaltungsgericht Freiburg sollte den Konflikt jetzt klären. Vor Ort machten sich die Richterinnen und Richter selbst ein Bild vom Bolzplatz, dem Schulgelände und den Häusern ringsherum. Bei der Verhandlung im Gebäude der Sulzer Ortsverwaltung am Donnerstag waren die Fronten zuerst verhärtet, die Stimmung zeitweise gereizt.
Dann aber ein Kompromiss, beide Seiten stimmten einem Vergleich zu: Demnach wird die Stadt Lahr an den Toren des Schulgeländes programmierbare Schlösser installieren. Der Bolzplatz auf dem Gelände der Grundschule soll dann nur noch montags bis samstags zwischen 7 und 20 Uhr geöffnet sein. Außerdem soll ein sechs Meter hohes Fangnetz hinter dem Tor angebracht werden, das in Richtung Wohngebiet zeigt. Die Kosten des Verfahrens tragen die Klägerinnen und Kläger. Die Stadt muss für die Schlösser und das Fangnetz aufkommen. Ein versöhnliches Ende also, das das Problem langfristig lösen soll.