Zerwürfnis zwischen Trump und Selenskyj

Ukrainer in BW nach Eklat im Weißen Haus: Jetzt müssen Europäer zusammenstehen

Der beispiellose Eklat beim Treffen von Ukraines Präsident Selenskyj mit US-Präsident Trump in Washington hat auch Ukrainer in BW schockiert. "Selenskyj wurde angegriffen wie ein Täter."

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Von Autor/in Matthias Breitinger

Nach dem völlig aus dem Ruder gelaufenen Treffen des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj mit US-Präsident Donald Trump und dessen Vize JD Vance in Washington zeigen sich auch Ukrainer in Baden-Württemberg geschockt. "Trump hat sich selbst übertroffen", sagte Oksana Vyhovska, Vorsitzende der Deutsch-Ukrainischen Gesellschaft Freiburg, dem SWR. "Das war unverschämt. Selenskyj ist gekommen, um Sicherheitsgarantien zu bekommen, und er war auch bereit, ein Rohstoffabkommen zu unterzeichnen, und stattdessen wurde er angegriffen wie ein Täter. Das war eine heftige Täter-Opfer-Umkehr", sagte Vyhovska dem SWR.

Ähnlich äußerte sich auch Roksolana Zhubil vom Verein Ukrainisches Atelier für Kultur und Sport (UAKS) in Stuttgart. Im Gespräch mit dem SWR nannte sie das Treffen in Washington ein "Desaster". Selenskyj sei alleine gewesen ohne Unterstützung und habe sich vor den Amerikanern verteidigen müssen, sagte Zhubil. "Und dann wurde er angegriffen. So wie wir von Putin, von der russischen Nation angegriffen wurden."

Trump und Vance attackierten Selenskyj

Am Freitag hatten Trump und Vance den ukrainischen Präsidenten vor laufenden Kameras in ungewöhnlich scharfer Form angegriffen, ihm fehlende Dankbarkeit für die US-Militärhilfe vorgeworfen und ihn mit Vorwürfen überzogen. Es sei respektlos von Selenskyj, auf Sicherheitszusagen der USA zu drängen. Er riskiere einen Dritten Weltkrieg, sagte Trump und drohte mit einem Ende der US-Unterstützung. Das Treffen wurde abgebrochen, Selenskyj verließ das Weiße Haus im Streit. Die eigentlich geplante Unterzeichnung eines Rohstoffabkommens zwischen den USA und der Ukraine platzte.

Ukrainer in BW besorgt, wer ihr Land künftig unterstützt

Oksana Vyhoska von der Deutsch-Ukrainischen Gesellschaft Freiburg zeigte sich besorgt, dass die USA jetzt bereit seien, "die Ukraine abzugeben". Für ein halbes Jahr gebe es noch militärische Unterstützung durch die Amerikaner, noch von Joe Biden zusagt - was danach ohne Militärhilfe der USA passiere, sei schwer zu sagen.

Auch in Stuttgart ist die größte Sorge, wer die Ukraine nun weiter militärisch unterstützt: "Wir brauchen schwere Waffen, die wir jetzt nicht in der Masse produzieren können", sagte Roksolana Zhubil. Sie bedankte sich im Gespräch mit dem SWR dafür, dass die Ukraine nach dem Treffen zwischen Selenskyj und Trump mit Worten aus Europa unterstützt wurde. Sie hoffe, dass nun auch Taten folgen: "Wir wissen, dass wir nicht allein sind. Wir wissen, dass es genügend Politiker gibt, die die Lage verstehen - bloß können sie sich nicht einigen."

Wir wissen, dass wir nicht allein sind.

Appell für ein Zusammenstehen Europas

Sie und die ukrainische Community in Stuttgart hoffen, dass sich mit der neuen Bundesregierung etwas tut. Nun, da Trump sein wahres Gesicht gezeigt habe, wünsche man sich, dass sich die Europäer einigen und zusammenhalten, so Roksolana Zhubil.

Oksana Vyhovska berichtete, dass 57 ukrainische und deutsch-ukrainische Organisationen bereits einen Appell unterzeichnet hätten, "in dem wir aufrufen, dass Europa jetzt zusammenstehen soll für die Ukraine und Friedenssicherheit in der Ukraine und in Europa". Europa stehe jetzt allein da und es gehe nicht nur um die Existenz und Frieden in der Ukraine, sondern um Frieden in ganz Europa und der Welt.

Organisationen appellieren an künftige Bundesregierung

Deutsch-ukrainische und deutsche Organisationen, die sich in der "Allianz Ukrainischer Organisationen" zusammengeschlossen haben, appellieren unterdessen an politische Entscheidungsträger und die künftige Bundesregierung. Die US-Regierung unter Donald Trump habe unmissverständlich klargemacht, dass Europa seine Sicherheit selbst gewährleisten müsse. Es brauche jetzt eine klare, entschlossene und kohärente europäische Verteidigungs- und Sicherheitsstrategie, eine unmissverständliche europäische Haltung zum Krieg Russlands gegen die Ukraine und die aktive Unterstützung des Beitritts der Ukraine zur NATO. Die "Unterstützung der Ukraine in ihrem Existenzkampf ist ein sicherheitspolitisches Gebot für ganz Europa", heißt es in einer Mitteilung.

Aus der deutschen wie europäischen Politik erhielt der ukrainische Präsident nach dem Eklat im Weißen Haus breite Unterstützung. Trump wie Selenskyj beharrten derweil auf ihren Positionen. Selenskyj pocht weiter auf Sicherheitsgarantien für ein mögliches Friedensabkommen mit Russland. Trump lehnt diese ab.