Über ihr Schicksal ist wenig bekannt. Dabei gibt es viel zu erzählen. Historikerinnen unter anderem aus Freiburg und Stuttgart haben die Situation lesbischer Frauen im Nationalsozialismus rekonstruiert. Es sind Geschichten von Schikane, Druck und Verfolgung, aber auch von Anpassung und Resilienz. Am Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, dem 27. Januar, wird im Rahmen einer Gedenkfeier im Historischen Kaufhaus in Freiburg an die Frauen erinnert.
Forschung in Briefen und Akten aus Psychiatrien
Damit richtet sich das Schweinwerferlicht auf ein Themenfeld, das in der Forschung bislang keine große Rolle gespielt hat. Sylvia Paletschek, Geschichtsprofessorin an der Uni Freiburg, und ihre Mitarbeiterin Muriel Lorenz befassen sich seit 2021 mit den Lebenswelten lesbischer Frauen in der NS-Zeit und nach 1945. Sie lasen unzählige Briefe und suchten Spuren in offiziellen Dokumenten. Claudia Weinschenk, freie Historikerin aus Stuttgart, recherchierte jahrelang in Akten aus baden-württembergischen Psychiatrien der NS-Zeit.
Entdeckt haben sie ganz unterschiedliche Biografien frauenliebender Frauen, in denen sich doch viele Motive wiederholen. Da war die Drohkulisse durch Paragraf 175 des Reichsstrafgesetzbuchs. Das Gesetz regelte die Verfolgung homosexueller Männer und kriminalisierte lesbische Frauen zwar nicht direkt. Dafür maßen die Nazis der weiblichen Sexualität auch zu wenig Bedeutung bei. Allerdings gab es eine fortwährende Diskussion um die Ausweitung des Paragrafen auf Frauen, wie Paletschek und Lorenz in einem Aufsatz ausführen. Die Folge: stetige Sorge und Verunsicherung auch bei Frauen.
Wer als Frau abwich, wurde abgestempelt und verfolgt
Außerdem fanden die Nazis auch noch andere Wege, lesbische Frauen zu verfolgen und unter Druck zu setzen. Es gab zum Beispiel Straftatbestände wie "Kuppelei", "Unzucht" oder die "Störung des gesunden Volksempfindens". Gesetze machten es lesbischen Frauen unmöglich, sich zu treffen und zu vernetzen. Propagiert wurde die Ehe zwischen Mann und Frau, und die Frau hatte Kinder zu gebären. Für andere Lebensentwürfe sei kein Platz gewesen, so die Historikerinnen. Wer abwich, wurde womöglich als krank erklärt und weggesperrt, in Gefängnissen oder Kliniken.
Die Forscherinnen sind dankbar, dass diese Geschichten allmählich verstärkt in den Fokus rücken. Wie am Dienstag bei der Gedenkveranstaltung im Historischen Kaufhaus in Freiburg. Das sei ein "Akt der Würdigung, des Hinsehens und des Erinnerns - ein Schritt hin zu einer Erinnerungskultur, die lesbische Diskriminierung und Verfolgung sichtbar macht", sagen sie.
Die Veranstaltung "Zwischen Anpassungsdruck und Verfolgung - Frauenliebende Frauen in der NS-Zeit" von SWR und Stadt Freiburg am Abend im Historischen Kaufhaus ist bereits ausgebucht. SWR aktuell Baden-Württemberg wird am Dienstag in der Sendung um 19:30 Uhr über das Thema berichten.