Besondere Bäume in Oberschwaben und am Bodensee sind das Ziel der Sommertour des SWR Studios Friedrichshafen - Motto: "Grüne Riesen, Zeitzeugen und Naturdenkmal". Nach Stationen auf der Reichenau und im Bodenseekreis geht es am Mittwoch, 19. August, zu zwei Naturdenkmälern im Kreis Biberach.
Eine knorrig verwachsene Baumruine
Erste Station war am Vormittag die St.-Nikolaus-Linde auf dem Kapellenberg oberhalb von Erolzheim im Illertal. Sie ist eine Baumruine. Innen ist die Linde hohl und hat knorrige Verwachsungen. Diese sehen fast aus wie Figuren, Gesichter oder Fratzen. Der Baum ist gut 20 Meter hoch und hat 6 Meter Umfang. Die Winterlinde, heißt es in der Literatur, sei 900 Jahre alt.
Nach Angaben des Naturschutzbeauftragten des Kreises Biberach, Erich Lamers, ist das aus heutiger Sicht schwer vorstellbar. "Insbesondere nachdem von den ursprünglichen drei Kernwüchsen mindestens einer weggebrochen ist", sagt er. Nach seiner Schätzung sei der Baum mindestens 600 Jahre und maximal 800 Jahre alt.
Bis zu ihrem Auseinanderbrechen hatte die Linde einen Umfang von mehr als neun Metern. Die Rissstelle ist wieder verwachsen, sodass sich der Baum stabilisiert hat. Das hohle Innere des Baumes ist ein wichtiges Biotop für Käfer, Vögel und andere Tiere. Vor drei Jahren hat der Baumveteran sogar ein Feuer überstanden.
"Tapfere" Eiche überlebt Blitzeinschlag
Zweite Station war am Mittag die Ahlener Eiche oberhalb von Uttenweiler-Ahlen. Seit bis zu 800 Jahren steht sie an einem Aussichtsort mit Blick übers Federseeried und zum Bussen, Oberschwabens heiligem Berg. Gleich unterhalb der Eiche wohnt die Ortsvorsteherin von Ahlen, Cornelia Krug. Wie sie im Gespräch mit SWR-Reporter Johannes Riedel berichtet, musste die Eiche schon einen Blitzeinschlag überstehen. Viele Bäume würden an so etwas zugrunde gehen. "Aber unsere Eiche war tapfer", sagt sie.
Eine Besonderheit des Baums ist eine Holzfigur des leidenden Christus im Stamm. Für viele ist sie ein Ort des Gebetes und der inneren Einkehr. Ein besonderer Ort war die Eiche auch für Paula Renz, die als Witze-Erzählerin Oma Paula bekannt war. Sie sei bis ins hohe Alter täglich hier vorbei gekommen, berichtet ihr Sohn Karl Renz. "Sie hat immer gesagt, sie muss nur noch dem Herrgottle 'Vergelt's Gott' sagen, für alle ihre Nöte und Freuden", so Renz.
Die Ahlener Eiche ist ein Naturdenkmal und ein inspirierender Ort, der noch lange erhalten werden soll, sagt Baumpfleger Markus Rieger. "Bedingt durch das drohende Auseinanderbrechen sollte man sie maßvoll zurückschneiden, um das Gewicht durch die Früchte und das Laub zu entlasten", berichtet er. Es könne außerdem sein, dass man in Zukunft noch zusätzliche Fixierungen einbauen und Äste abstützen muss. "Ich denke, sie überlebt uns alle miteinander", so der Baumpfleger.
Das Studio Friedrichshafen on Tour - auf SWR4 und im Internet
Die Sommertour des SWR Studios Friedrichshafen geht jeden Mittwoch der Geschichte von besonderen Bäumen in der Region Bodensee-Oberschwaben nach. In den SWR4-Regionalnachrichten zur halben Stunde berichten über den Tag verteilt Reporterinnen und Reporter. Geschichten und Fotos gibt es auch im Internet.