Krise und Stellenabbau beim Friedrichshafener Traditionsunternehmen

ZF-Betriebräte: "Wir müssen die Wende selbst gestalten"

Die Stimmung in der Belegschaft von ZF Friedrichshafen ist gedrückt. Die Betriebsratsvorsitzenden sorgen sich, glauben aber an die Zukunft des Zuliefergiganten, sagten sie dem SWR.

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Die ZF Friedrichshafen AG steckt in der Krise, der Abbau von bis zu 14.000 Arbeitsplätzen bis 2028 ist beschlossen. Die ZF-Betriebsratsvorsitzenden Achim Dietrich und Franz-Josef Müller berichteten bei einem Austausch im SWR Studio Friedrichshafen folglich von gedrückter Stimmung in der Belegschaft.

Teilbereiche von ZF mit sehr schlechter Auslastung

Sie hoben besonders den Pkw-Bereich hervor. Dort sei die Auslastung schlecht, die Zahl der Produkte, die entwickelt würden, sei zu gering. Die Verunsicherung an vielen Standorten sei groß. Es gebe aber auch Bereiche des Unternehmens, in denen man in der Gewinnzone sei. Dort sei die Stimmung natürlich besser.

Arbeitsplatzabbau bei ZF: Bisher keine Kündigungen

Nach dem Beschluss, Arbeitsplätze abzubauen, habe es bisher im ganzen Konzern keine Kündigungen gegeben, so der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Achim Dietrich. Das sei positiv zu bewerten. Stattdessen wurden bisher Stellen nicht nachbesetzt, wenn Beschäftigte in Rente gingen. Außerdem habe es vielerorts eine Absenkung der Arbeitszeit der Beschäftigten gegeben. Rechnerisch sind so bisher rund 4.000 Stellen weggefallen.

Der ZF-Belegschaft Zuversicht vermitteln

Auf die Frage, wie die Betriebsräte der Belegschaft auch in diesen schwierigen Zeiten Zuversicht vermitteln könnten, verwies Achim Dietrich darauf, dass man im Unternehmen schon vieles gemeistert habe - wenngleich die derzeitigen Herausforderungen besonders groß seien.

In den vergangenen Jahren habe es viele Krisen gegeben, Corona natürlich, aber auch die Lieferkettenschwierigkeiten bei Halbleitern. Auch Störungen im weltweiten Warenverkehr hatten Auswirkungen auf ZF. Derzeit mache die gesunkene Nachfrage nach E-Fahrzeugen dem Unternehmen zu schaffen.

ZF-Betriebsräte: Müssen uns neu aufstellen

Vor allem im Bereich Pkw müsse sich das Unternehmen neu aufstellen. Schließlich brauche es Unternehmen wie ZF, die Innovationen auch "unter dem Blechkleid" liefern könnten, so Achim Dietrich.

In zehn Jahren wird das Unternehmen stark verändert sein. Es wird sich aber in den Kernbereichen, in denen wir heute schon top sind, weiter etablieren und die Marktposition vielleicht noch verbessern.

ZF werde in Zukunft eine Rolle spielen, in Europa und auch weltweit. Die Wende, die es dafür brauche, müsse das Unternehmen aber selbst gestalten. Die Betriebsratsvorsitzenden hoffen dabei auch auf die Politik und bewerteten den jüngst unterzeichneten Koalitionsvertrag von Union und SPD positiv. Die Autoindustrie sei dort als Leitindustrie benannt, Entlastungen bei Energiekosten seien angekündigt. Die Industrie habe sich in den vergangenen Jahren allein gelassen gefühlt, aber jetzt könne es neuen Schwung geben.

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