Brandnertal nur 55 Kilometer entfernt

Junger Braunbär in Vorarlberg gesichtet: Könnte er nach Baden-Württemberg kommen?

In Vorarlberg wurde am Dienstag ein junger Braunbär gesichtet. Nach Baden-Württemberg sind es nur 55 Kilometer. Dass er hierher weiterzieht, ist unwahrscheinlich, sagt ein Experte.

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Von Autor/in Barbara Reeder, Hannah Fritsch

Eine Wildkamera hat am Dienstag im Brandnertal in Vorarlberg (Österreich) einen jungen Braunbären fotografiert. Das hatte der dortige Landeswildökologe mitgeteilt. Laut der Einschätzung des Experten handelt es sich um einen jüngeren männlichen Bären.

Immer wieder wandern Bären aus Italien über die Landesgrenzen. Dennoch sei es eher unwahrscheinlich, dass der Bär aus Vorarlberg weiter in Richtung Baden-Württemberg wandere, sagt der studierte Biologe und Wildtierexperte Peter Sürth.

Woher kommt der Bär?

"Der Braunbär war ursprünglich in fast ganz Europa verbreitet. In Deutschland wurde er im 19. Jahrhundert ausgerottet", erklärt Artenschutzreferentin Alexandra Ickes vom NABU Baden-Württemberg. In anderen europäischen Ländern gebe es aber noch kleine, oft isolierte Bestände. Ickes zufolge entstehen Sichtungen an der Grenze zu Deutschland daher durch wandernde Bären aus angrenzenden Regionen, etwa aus Österreich oder Italien.

Bleibt der Bär in Vorarlberg oder zieht er weiter?

Wildtierexperte Peter Sürth, der für die Wildbiologische Gesellschaft München in Rumänien das Verhalten von Bären untersuchte, vermutet, dass der junge Bär weiterziehen werde. "Insbesondere junge Männchen haben relativ große Streifgebiete", sagt Sürth. Damit der Bär in Vorarlberg bleibe, müsse er dort in den unterschiedlichen Jahreszeiten Nahrung finden oder auch im Winter eine Höhle für den Winterschlaf entdecken.

Kommt der Bär nach Baden-Württemberg?

"Wenn man sich vergangene Fälle anschaut, ziehen nach Österreich eingewanderte Bären eher Richtung Bayern weiter, verbleiben in Österreich oder kehren dorthin zurück, wo sie herkommen", so Sürth. Dennoch bestehe auch die Möglichkeit, dass der Bär nach Baden-Württemberg komme.

Wie groß ist die Gefahr für Schafe oder Kühe?

Sürth zufolge ist die Gefahr für Nutztiere bei jedem einzelnen Bären unterschiedlich. Grundsätzlich sei die Bedrohung bei einem Bären aber geringer als bei einem Wolf. Jedoch könne ein Bär auch Stalltüren aufbrechen oder Müllcontainer plündern, so Sürth.

Der Lebensraum für Mensch und Bär rückt näher zusammen

"Braunbären benötigen große, zusammenhängende und strukturreiche Waldgebiete mit Rückzugsräumen", erläutert NABU-Artenschutzreferentin Ickes. Verlust und Zerschneidung dieser Lebensräume durch Straßen, Schienen oder intensive Landwirtschaft würde Bärenpopulationen isolieren. Auf der Suche nach Partnern oder einem eigenen Revier könnten Bären dann auf Wohngebiete oder Infrastruktur treffen, so Ickes.

Wildtierexperte Sürth betont deshalb, dass langfristig unter anderem darüber nachgedacht werden müsse, wie potenzielle Futterquellen für den Bären so gestaltet werden könnten, dass er keinen Zugang mehr dazu habe. So empfiehlt Sürth etwa, Müllcontainer bärensicher zu konzipieren. Die Grundlage für ein konfliktarmes Miteinander von Mensch und Bär bilden NABU-Artenschutzreferentin Ickes zufolge "Respekt, Rücksicht und Artenwissen".

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Autor/in
Barbara Reeder
SWR Aktuell-Redakteurin Barbara Reeder
Hannah Fritsch

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