Wenn der 22-Jährige Gas gibt, setzt sich einiges in Bewegung: Felix Kretzschmar ist der jüngste Kapitän am Steuer der Autofähren, die zwischen Konstanz und Meerburg pendeln. Ob Tag oder Nacht, Sonne oder Sturm, während seiner Schicht bringt der ausgebildete Schiffsführer die 80-Meter-Kolosse mit 2.000 PS sicher über den See.
Er erfüllt sich einen Kindheitstraum am Bodensee
Schon als Kind habe er die großen Schiffe fasziniert beobachtet, erzählt Kretzschmar:
Ich bin schon, seit ich klein bin, mit meinem Opa auf dem See gewesen. Da sieht man natürlich immer die Schiffe und dann war ziemlich schnell klar, dass ich auf dem See arbeiten will.
2022 begann er bei den Stadtwerken Konstanz seine Ausbildung. Zunächst lernte er den Beruf des Binnenschiffers. Dann bildete er sich zum Maschinisten fort. Seit Anfang des Jahres ist er Schiffsführer. Das heißt, er darf die Schiffe mit bis zu 700 Passagieren an Bord selbst steuern.
Je nach Schicht übernimmt er andere Aufgaben. Manchmal ist er an Bord weiterhin der Maschinist, in anderen Schichten sitzt er selbst am Steuer der elf Millionen Euro teuren Schiffe - ganz oben über den Autos, die er auf die andere Seeseite bringt. 64 Fahrzeuge finden auf den Schiffen maximal Platz.
Jüngster Schiffskapitän hat sich an die Verantwortung gewöhnt
Mit zwei Joysticks bewegt er die 700 Tonnen schweren Schiffe. Das sei einfacher als man vielleicht denkt, sagt er bescheiden:
Es ist halt viel Übung, klar. Die ersten Male, wo ich hier herein gefahren bin, da habe ich auch ganz schön geschwitzt und gezittert, aber mit der Zeit kommt das.
Die Aussicht zu genießen, dafür bleibe oft nicht viel Zeit, sagt Felix Kretzschmar. Ab und zu müsse trotzdem mal ein Foto von einem Sonnenaufgang sein. Wenn die Passagiere staunen, sei das immer wieder eine Erinnerung daran, wie besonders sein Arbeitsplatz auf dem Bodensee ist.
Um zwei Uhr wird die Nachtschicht schwierig
Den Bodensee kennt er in jedem Licht. Durch den Schichtdienst auf der Fähre hat er den See bereits zu jeder Uhrzeit gesehen. Manchmal heißt es für den 22-Jährigen, die Nacht am Steuer durchhalten und voll konzentriert bleiben. "Das Loch kommt so um zwei Uhr, da ist man wirklich am Tiefpunkt dann", erzählt er. Dann helfen nur noch Kaffee oder ein Energydrink.
Wie lange er noch als Schiffsführer über den See fahren möchte, weiß der 22-Jährige nicht. Aber gerade gebe es für ihn keinen Grund, über einen anderen Job nachzudenken: "Solange das Spaß macht, werde ich das noch machen - also ich mache mir da keinen Kopf drüber, ob ich das mein Leben lang mache."