Nationaler Veteranentag

Ex-Soldat aus BW: "Die Bundeswehr kommt wieder in der Mitte der Gesellschaft an"

Am Veteranentag werden ehemalige und aktive Soldaten geehrt. Der SWR hat mit einem Veteranen gesprochen, der in Afghanistan verwundet worden ist. Was sagt er zur Initiative?

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Von Autor/in Tobias Faißt

Hagen Vockerodt nimmt eine Kette mit einer Plakette aus der Vitrine. Darauf stehen seine persönliche Erkennungsnummer, seine Blutgruppe und der Buchstabencode für das Land, dem er gedient hat. "Das ist meine Hundemarke, so nennen wir das im Bundeswehrjargon", sagt Vockerodt. Eine Erkennungsmarke also. "Wenn wir im Einsatz fallen, wird sie zerbrochen. Eine Hälfte nimmt der Vorgesetzte mit - und die andere wird an den Zeh geklemmt zur Wiedererkennung."

Vockerodt ist einer von rund zehn Millionen Veteranen in Deutschland. Ihnen gilt der nationale Veteranentag, der am 15. Juni zum zweiten Mal stattgefunden hat. Die Bundesregierung hat die Einführung des Tages im April 2024 beschlossen - nach eigenen Angaben, um den Einsatz der Veteranen zu würdigen und den Bund zwischen Soldaten und Gesellschaft zu stärken. Sowohl Bund, Länder und Kommunen als auch Veteranenverbände und andere Organisationen haben sich an dem Tag beteiligt.

1.638 Tage in der Bundeswehr

Vockerodt hat 1.638 Tage in Bundeswehr-Einsätzen gedient, war unter anderem in Afghanistan stationiert und ist dort verwundet worden. Vor drei Jahren ist er in Pension gegangen. Inzwischen ist Vockerodt als Redner tätig und hat ein Buch über seine Erfahrungen geschrieben. Das Musikkorps der Bundeswehr hat es zum zweiten nationalen Veteranentag für ein Benefizkonzert vertont. Doch Vockerodt wird als Veteran nicht nur geehrt, er hat auch selbst hat eine Rede gehalten zum Ehrentag, in der Kaserne des Hubschraubergeschwaders 64 in Laupheim (Kreis Biberach), wo der 47-Jährige einst stationiert war.

Veteran Vockerodt: "Mit dem Ende der Wehrpflicht haben wir den Kontakt zur Gesellschaft verloren"

Hagen Vockerodt freut sich über die Ehrung am Veteranentag. "Ich finde es toll, dass wir wieder stärker in die Gesellschaft integriert werden", sagt der Veteran. "Mit dem Ende der Wehrpflicht haben wir ja den Kontakt zur Gesellschaft verloren." Früher habe jede Großmutter einen Enkel in der Bundeswehr gehabt, jeder Vater einen Sohn. Inzwischen sei die Anerkennung in der Gesellschaft aber wieder größer geworden. Das merke er vor allem in der Bahn, wenn er wegen seiner Uniform von Mitreisenden angesprochen werde. "Gerade mit den Kriegen, die überall auf der Welt leider herrschen, merkt man, dass die Bevölkerung langsam merkt: wir brauchen eine schlagkräftige Armee", sagt Vockerodt. "Und das kriegt man natürlich mit."

Kritik am Veteranentag von der Deutschen Friedensgesellschaft

Die vereinigten Kriegsdienstverweigerer der Deutschen Friedensgesellschaft (DFG-VK) riefen im Vorfeld dazu auf, gegen Veranstaltungen zum Veteranentag zu protestieren. "Wir sind dagegen, dass sich die Gesellschaft an Militarisierung gewöhnt", sagt etwa Thomas Haschke von der DFG-VK. "Es wird eine Personengruppe als Helden gewürdigt, die keine sind." Man setze auf Militarisierungsstrategien in den USA und Großbritannien, mit denen der Staat Ausgaben für das Militär legitimiere, während im Sozialbereich massiv gekürzt werde: "Keiner weiß genau, was die Werbung für die Veteranentag kostet", sagt er beispielsweise. Bei Initiativen wie dem Bundesfreiwilligendienst hingegen werde Geld gespart.

Veteran wünscht sich keine Rückkehr zur Wehrpflicht

Redner Hagen Vockerodt hätte gerne mit den Kritikern gesprochen, sagte er am Montag in Laupheim. "Wir sind keine Helden, das sollen wir auch gar nicht sein", so Vockerodt. "Aber wir wollen, dass man respektiert, dass es uns gibt. Es gibt viele Kameraden, die in Auslandseinsätzen ihr Leben verloren haben - und ich finde, dem sollte man schon Respekt zollen."

Eine Rückkehr zur Wehrpflicht, wie sie einmal war, wünscht Vockerodt sich dennoch nicht. "Ich bin für ein 'Jahr für Deutschland', und zwar für Männer wie für Frauen", sagt er. "Ein Jahr nach der der Schule, in dem du etwas für dein Land tust. Denn dein Land gibt dir viel zurück."

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Erstmals publiziert am
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Autor/in
Tobias Faißt
Tobias Faißt arbeitet als multimedialer Reporter im SWR Studio Tübingen.
Onlinefassung
Isabell Erb
SWR-Redakteurin Isabell Erb

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