Der wirtschaftlich angeschlagene Bodensee-Airport in Friedrichshafen (Bodenseekreis) bekommt einen neuen Geschäftsführer. Er kommt aber nicht aus der Luftfahrtbranche. Zuletzt hat er für ein Unternehmen gearbeitet, das im Bereich Solarenergie und Batteriespeicher tätig war, wie der Flughafen mitteilte.
Der neue Flughafenchef kommt aus Ravensburg
Der neue Mann in der Geschäftsführung heißt Jochen Krumm. Am 15. Mai soll er in Friedrichshafen schon loslegen. Er sei ein erfahrener Unternehmer mit internationalem Hintergrund, heißt es in der Pressemitteilung des Flughafens. Krumm ist gebürtiger Ravensburger.
Vom Solarunternehmer zum Airportchef
Beruflich war der 58-Jährige zuletzt in Südafrika tätig. Er "verantwortete dort zuletzt als Interim Manager und Strategischer Berater die Marktentwicklung für eine Unternehmensgruppe im Bereich Solarenergie und Batteriespeicher", so der Flughafen. Der Airport räumt ein, dass Krumm "nicht direkt aus der Luftfahrtbranche stammt". Aber er verfüge über "Erfahrung in strategischer Unternehmensführung, Entwicklungs- und Veränderungsprozessen sowie im Aufbau tragfähiger Netzwerke".
Auch der Vorsitzende des Aufsichtsrates, Martin Buck, scheint keine Probleme damit zu haben, dass in der Chefetage des Flughafens zukünftig ein Solarexperte sitzt. Er lobt die Qualitäten Krumms wie etwa seine operative Kompetenz. Vor einem Jahr, als Schäfer-Carroll Geschäftsführer wurde, betonte Buck noch, dass dieser ein versierter Kenner der Luftfahrtbranche sei. Immerhin: Der zukünftige Flughafenchef hat die Berufspilotenlizenz.
Luftfahrtexperte sieht gute Perspektiven für den Bodensee-Airport
Der neue Geschäftsführer selbst freut sich auf seinen neuen Job. Er wolle den erfolgreichen Weg fortführen, wird er in der Pressemitteilung zitiert. Der Luftfahrtexperte Cord Schellenberg sieht sogar einen Vorteil darin, dass einer den Flughafen führt, der nicht aus der Branche kommt. "Ein Quereinsteiger kann belebend und erfrischend sein", sagte er dem SWR.
Und für den Flughafen Friedrichshafen sieht er durchaus gute Perspektiven. Weil es beispielsweise seit diesem Jahr wieder drei innerdeutsche Flugverbindungen gibt. Und weil Ryanair erstmals seit mehreren Jahren wieder ab Friedrichshafen fliegt. Er rät den Verantwortlichen am See, auch wieder das Gespräch mit Turkish Airlines zu suchen.
Turkish Airlines flog in der Vergangenheit mehrmals in der Woche vom Bodensee nach Istanbul. Von dort konnten Geschäftsreisende wie Urlauber weiter Richtung Asien und Afrika fliegen. 2020 stellte die Fluggesellschaft diese Flüge ein. Schellenberg meint, für den Flughafen Friedrichshafen und den neuen Geschäftsführer müsse das Ziel sein: "Vorne flieg ich raus, hinten muss ich wieder rein".
Drei Geschäftsführer für vierzehn Tage
Wenn der neue Chef in den kommenden Tagen am Bodensee-Airport anfängt, dann gibt es bis Monatsende kurioserweise drei Geschäftsführer. Der neue, Jochen Krumm. Dazu Detlef Schäfer-Carroll, der gekündigt hat, aber noch bis Ende Mai arbeitet. Und Claus-Dieter Wehr - er ist seit 2015 Geschäftsführer und scheidet mit Monatsende regulär als zweiter Geschäftsführer aus. Das Trio stelle eine zweiwöchige gemeinsame Übergangs- und Einarbeitungsphase sicher, teilte der Flughafen dazu mit.
Die Herausforderungen für den neuen Geschäftsführer sind enorm. Ohne Millionen von Euro aus der öffentlichen Hand wie Bodenseekreis und Stadt Friedrichshafen wäre der Flughafen wohl schon längst pleite. Neue Hoffnung machen seit diesem Jahr drei innerdeutsche Verbindungen. Und auch die irische Fluglinie Ryanair bietet nach mehreren Jahren erstmals wieder Verbindungen ab Friedrichshafen an.