Klimaerwärmung und erhöhter Wasserbedarf

Sommer 2026: An Hitzetagen so viel Trinkwasser aus Bodensee entnommen wie selten zuvor

Rund vier Millionen Menschen in BW trinken Wasser aus dem Bodensee. Wie das Trinkwasser in die heimische Leitung kommt - und was Hitze und Wasserentnahme für den Pegel bedeuten.

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Stand

Von Autor/in Sabine Stöhr

In diesem Jahr sind an einzelnen Tagen während der Hitzeperiode im Frühsommer mehr als 546 Millionen Liter Trinkwasser aus dem Bodensee abgegeben worden - die dritthöchste Menge in der Geschichte des Zweckverbands Bodensee-Wasserversorgung. Zum Vergleich: 2024 lag der Tagesdurchschnitt bei rund 354 Millionen Litern.

International vereinbart sind bis zu 670 Millionen Liter Rohwasser täglich, entnommen werden im Schnitt rund 350 Millionen. Die genehmigte Höchstmenge sei bisher nie ausgeschöpft worden, erklärt der Versorger: "Wir entnehmen nur ein Prozent der Menge, die dem See zufließt. Das ist deutlich weniger, als im Schnitt aus dem See verdunstet."

Auch der außergewöhnlich niedrige Wasserstand im Juni habe die Trinkwassergewinnung nicht eingeschränkt. Zusätzliche Pumpen hätten das Wasser aus der Tiefe bis zum Pumpwerk am Ufer gefördert.

Bodensee-Wasser aus dem Hahn: Trinkwasser von Konstanz bis Stuttgart

Von Konstanz bis Stuttgart und Nordbaden trinken die Menschen in Baden-Württemberg Wasser aus dem Bodensee. Sein Weg zum Wasserhahn beginnt tief unter der Oberfläche des Überlinger Sees, einem Seitenarm des Bodensees. Es wird bei der Süßenmühle nahe Sipplingen (Bodenseekreis) in rund 60 Metern Tiefe entnommen. Dort sei es rein, klar und ganzjährig etwa fünf Grad kalt, erklärt der Zweckverband Bodensee-Wasserversorgung.

Auf dem etwa 70 Meter tiefen Seegrund stehen drei Entnahmetürme. Von dort fließt das Wasser durch drei Leitungen zum Seepumpwerk am Ufer. Pumpen befördern es anschließend mehr als 300 Höhenmeter hinauf zur Aufbereitungsanlage auf dem Sipplinger Berg. Dort wird es mit Mikrosieben, Ozon und Filtern aufbereitet und desinfiziert.

Entnahme von Trinkwasser hat kaum Auswirkungen auf den Bodensee-Pegel

Der Bodensee enthält bei mittlerem Wasserstand rund 50 Billionen Liter Wasser. Die Entnahme durch die Bodensee-Wasserversorgung sei nur ein sehr kleiner Teil davon und beeinflusse den Pegel kaum, so die Internationale Gewässerschutzkommission für den Bodensee (IGKB). Der See ist kein geschlossenes Becken. Er wird fortlaufend durch Flüsse, Niederschläge und Grundwasser gespeist. Der wichtigste Zufluss sei der Alpenrhein, der mehr als die Hälfte der gesamten Zuflussmenge liefere. Gleichzeitig fließe Wasser aus dem Bodensee in den Rhein ab. Die Trinkwasserentnahme spiele für den Wasserstand im Vergleich dazu nur eine geringe Rolle.

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So verändert der Klimawandel den Bodensee

Der Bodensee hat einen natürlichen Jahresrhythmus. Im Winter ist der Wasserstand laut IGKB meist niedrig, weil ein Teil des Niederschlags in den Alpen zunächst als Schnee gespeichert wird. Im Frühjahr und Frühsommer lassen Schneeschmelze und Regen die Zuflüsse anschwellen und den Pegel steigen.

Der Klimawandel verschiebe diesen Rhythmus: Im Winter seien die Wasserstände tendenziell höher, im Sommer niedriger. Nach Angaben der IGKB liegen die mittleren Sommerwasserstände heute rund 40 Zentimeter unter denen der Vergleichsperiode 1961 bis 1990.

Nach Einschätzung der Bodensee-Wasserversorgung werden längere Trockenphasen zunehmen. Auf der Alpennordseite dürfte die Niederschlagsmenge etwa gleichbleiben, doch der Wasserstand werde künftig stärker von Regen- und Trockenperioden abhängen als von der Schneeschmelze. Der Zweckverband geht dennoch davon aus, dass auch künftig genügend Wasser zur Verfügung steht: "Nach den heutigen Erkenntnissen werden wir auch in Zukunft genügend Wasser im Bodensee haben, um unser Verbandsgebiet sicher und zuverlässig mit Trinkwasser zu beliefern."

Drohen in der Zukunft Engpässe bei der Wasserversorgung?

Mit dem Masterplan Wasserversorgung prüft Baden-Württemberg, ob Brunnen und Quellen auch 2050 noch ausreichen und welche Alternativen es bei Trockenheit oder Ausfällen gibt. Dafür sollen Kommunen, regionale Verbünde und Fernwasserversorger besser vernetzt werden. Die Bodensee-Wasserversorgung ist ein wichtiger Teil dieses Systems und hilft, regionale Engpässe auszugleichen.

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SWR Aktuell Baden-Württemberg SWR BW

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Sabine Stöhr
Porträtfoto der SWR4 Moderatorin Sabine Stöhr, lächelnd
Onlinefassung
Nadine Reip
SWR-Redakteurin Nadine Reip

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