Vorträge zu KZ-Arzt aus Zwiefaltendorf

NS-Täter Franz von Bodmann: Späte Auseinandersetzung mit einem Kriegsverbrecher

Ein Vortragsabend hat in Riedlingen am Montag die Rolle des SS-Arztes Franz von Bodmann aus Zwiefaltendorf im Holocaust beleuchtet. Experten analysierten seine Taten und deren Folgen.

Teilen

Stand

In Riedlingen-Zwiefaltendorf (Kreis Biberach) hat am Montagabend ein Vortrag zu dem SS-Arzt Franz von Bodmann stattgefunden. Er wurde in Zwiefaltendorf geboren und war Teil des bekannten schwäbischen Adelsgeschlechts Bodmann. Bei dem Vortrag sollte die Geschichte des Arztes, der auch in Auschwitz mordete, aufgearbeitet werden. "Späte Auseinandersetzung mit einem NS-Täter aus Zwiefaltendorf", so lautete der Titel des Vortragsabends im Gemeindehaus. Es haben mehrere Historiker über den SS-Arzt Franz von Bodmann gesprochen.

Die dunkle Vergangenheit des SS-Arztes

Der Dachauer Historiker Karl Hönle zum Beispiel thematisierte die Familie von Bodmann und wollte die Frage klären: Was hat man damals gewusst? An der Universität Tübingen hat sich der Historiker Bastian Wade mit dem Fall Franz von Bodmann befasst. Er sprach über seine akademische Laufbahn und die Rolle der Universität Tübingen im Umgang mit der NS-Vergangenheit von Franz von Bodmann.

Veranstaltet wurde der Vortragsabend von der Volkshochschule Donau-Bussen e.V. und der Partnerschaft für Demokratie im Landkreis Biberach. Die Stadt Riedlingen sowie die Universität Ulm unterstützen die Initiative.

Von Zwiefaltendorf nach Auschwitz

Franz von Bodmann wurde 1908 in Zwiefaltendorf (Kreis Biberach) geboren und wuchs auf Schloss Zwiefaltendorf auf. Er trat 1932 der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei bei und ging nach seinem Studium zur SS. 1942 wurde er als Lagerarzt im Vernichtungslager Auschwitz eingesetzt. Dort ist überliefert, dass er kranke Häftlinge durch Phenolspritzen tötete. Später wurde er in anderen Konzentrationslagern eingesetzt. Auch an weiteren Verbrechen, etwa der Ermordung von russischen Kriegsgefangenen, soll er beteiligt gewesen sein.

Laut einem NS-Historiker gehörte Bodmann zu den führenden Akteuren der SS-Medizinverbrechen. Seine Methoden dienten als Blaupause für weitere Tötungen in den Lagern.

Franz von Bodmann: Ein Name, der bis heute für Debatten sorgt

Nach Kriegsende nahm sich Bodmann 1945 in einem Kriegsgefangenenlazarett das Leben. Er wurde in Lend (Österreich) beigesetzt. Dort wird laut österreichischen Medienberichten ebenfalls überlegt, wie mit seinem Grab umgegangen werden soll.

In Zwiefaltendorf war sein Name lange Zeit auf einer Stele des Familiengrabs verewigt. Erst 2002 wurde die Inschrift dort angebracht – und im vergangenen Jahr wieder entfernt. Die "Schwäbische Zeitung" berichtete. Der Kirchengemeinderat hatte die Entfernung in Auftrag gegeben. Eingesetzt dafür hatte sich unter anderem der frühere Riedlinger Bürgermeister Hans Petermann.

NS-Verbrechen Klaus Barbie – Grausamer Nazi und US-Agent

Klaus Barbie war als "Schlächter von Lyon" berüchtigt, ein besonders grausamer Gestapo-Folterer. Nach dem Krieg diente er dem US-Geheimdienst. Er wurde mit einem Trick geschnappt.

SWR2 Wissen SWR2

Blaustein/ Heidenheim

80. Todestag des umstrittenen Generals Verehrt und verachtet: Erwin Rommel in Blaustein und Heidenheim

Vor 80 Jahren wurde Erwin Rommel zur Selbsttötung gezwungen. Hitlers einstiger Lieblingsgeneral ist heute eine kritische Figur des Nationalsozialismus - auch in der Region.

Trier

80 Jahre nach der Befreiung der Tötungsanstalt Hadamar Patientenmorde: Trierer Studenten erinnern an Schicksale von NS-Opfern

82 Menschen aus Trier haben die Nationalsozialisten in der Tötungsanstalt Hadamar ermordet. Studenten haben jetzt ihre Geschichten recherchiert. Das jüngste Opfer war 15.

SWR4 RP am Morgen SWR4 Rheinland-Pfalz

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
SWR