Der Fotograf und Künstler Axel Hütte ist ab Sonntag mit einer Einzelausstellung in der Villa Rot in Burgrieden im Kreis Biberach zu Gast. Er hat sich intensiv mit barocken Innenräumen in Oberschwaben beschäftigt. Aber er verkehrt die Aufnahmen digital ins Negativ. Darauf verweist auch der Titel der Ausstellung "in sua umbra" - frei übersetzt: in seinem Schatten.
Axel Hütte zeigt erstmals Arbeiten zur barocken Architektur
Axel Hütte ist einstiger Absolvent der Düsseldorfer Kunstakademie. Bekannt geworden ist er vor allem für seine großformatigen Landschaftspanoramen. Im Museum Villa Rot zeigt der 75-Jährige jetzt zum ersten Mal seine Auseinandersetzung mit der barocken Architektur in Oberschwaben.
Zu sehen sind unter anderem Aufnahmen aus Tettnang, Salem oder Bad Schussenried. Es sind aber keine dokumentarischen Architekturaufnahmen. Axel Hütte verkehrt die Bilder digital ins Negativ. So macht er aus eigentlich vertrauten Motiven fremde Traumwelten.
Dazu zählt etwa der Bibliothekssaal im Kloster Wiblingen: Ein opulent verzierter Raum mit Statuen, prunkvoll geschmückten Balustraden und der bemalten Kuppel. In der Realität dominieren hier Gold und Weiß. Auf der Fotografie von Axel Hütte sind es ein gespenstisches Blau und Silber.
Mit der digitalen Farbumkehr erzeugt Hütte so erst einmal Irritation. "Der Betrachter nimmt zwar das ihm vertraute Barocke, die barocke Architektur wahr. Aber gleichzeitig auch das Fremdartige. Das zwingt ihn nochmal zum Nachdenken, was er eigentlich genau sieht", sagt Hütte.
Bilder verändern die Lichtstimmung je nach Blickwinkel
Er verstehe sich im traditionellen Sinne als Lichtbildner, erklärt der Fotograf. Seine Bilder leben vom Licht und seiner Spiegelung. Die Fotografien sind auf Glas gedruckt und mit einem Metallspiegel hinterlegt. So ergibt sich, je nach Blickwinkel, für den Betrachter oder die Betrachterin eine völlig andere Lichtstimmung.
"Indem ich mit dem Phänomen der reflektierenden Lichtstrahlen operiere, verändert sich die Helligkeit, je nach Betrachtungsweise", so Hütte. Dadurch werde der Betrachter motiviert sich im Raum und vor dem Bild zu bewegen.
Axel Hütte stammt aus dem Ruhrgebiet. Sein Blick ermöglicht auch für Einheimische neue Perspektiven auf die vertraute barocke Architektur in der Region. Gerade weil Hütte sich zum Teil auch auf Details konzentriere, sagt Kuratorin Sabine Heilig: "Das sind Ansichten, die nicht so touristisch sind. Das ist der Blick eines Künstlerfotografen auf eine besondere architektonische Zeit und Situation."
Deshalb ist die Idee bei diesen Bildern auch, dass es einerseits real, andererseits wie ein Traumbild, wie ein Echo der Erinnerung erscheint.
Mit Schnappschüssen hat die Arbeit von Axel Hütte nichts gemeinsam. Bevor er zur Kamera greift, lässt er die Räume auf sich wirken. Dann schlafe er eine Nacht darüber, erzählt er.
Begleitet werden die Fotografien der barocken Räume von Landschaftsbildern. Etwa vom Blautopf in Blaubeuren. Auch hier arbeitet Hütte mit natürlichen Spiegelungen und zum Teil auch mit Farbumkehr. Außerdem zeigt er in Burgrieden einige der "Flowers", Pflanzenmotive in monochromem Schwarz.
Ausstellung in der Villa Rot bis zum 31. Mai
Zufällig fällt die Ausstellung mit dem 60. Jubiläum der Oberschwäbischen Barockstraße zusammen. Das biete für Besucherinnen und Besucher eine spannende Gelegenheit, sagt Sabine Heilig: Zum einen die realen Orte zu besuchen und zum anderen die Eindrücke dann mit der künstlerischen Perspektive von Axel Hütte abzugleichen. Die Ausstellung ist bis zum 31. Mai zu sehen.