Zwei 16-Jährige haben zwei Jugendliche aus dem Main bei Wertheim-Eichel (Main-Tauber-Kreis) gerettet. Der 15-Jährige war am 20. Juni beim Versuch, den Fluss zu durchschwimmen, in der Strömung in Not geraten. Die beiden Mädchen bemerkten nach eigenen Angaben die Situation, nachdem Hilferufe vom Wasser zu hören waren. Während seine Freunde den Notruf absetzten, schwamm die 16-jährige Sarah zu dem Jugendlichen, um ihn zu retten. Die Polizei bestätigte diesen Vorfall. Zuerst berichteten die Fränkischen Nachrichten darüber.
16-Jährige retten auch zweiten Jugendlichen
"Warum traut ihr euch nicht!" Diesen Satz hatte Sarah zuvor einen der Jugendlichen, die am Ufer standen, sagen hören. Da seien die Freundinnen schon hellhörig geworden, so die 16-Jährige im SWR-Interview. Dann seien fünf der sieben Jungs ins Wasser gesprungen. Einer von ihnen sei auch komplett durch den Fluss geschwommen, berichtet Sarah. Zwei allerdings kamen nur bis zur Mitte des Mains.
Dort sei einer der beiden dann immer wieder für mehrere Sekunden unter Wasser getaucht. Der Freund habe dann gerufen, dass er keine Kraft mehr habe und sie den Rettungsdienst rufen sollen. Zuerst glaubten die beiden Helferinnen an einen Scherz: "Jungs in dem Alter - ich traue denen alles zu", sagt Sarah im SWR-Interview. Nachdem aber klar wurde, dass die Lage ernst ist, handelte die Jugendliche in Sekundenschnelle.
Als ich gehört habe, das ist wirklich ernst, bin ich direkt rein gesprungen.
Als sie den Jugendlichen erreichte, habe sie ihn direkt unter den Achseln gepackt und sicher ans Ufer gebracht. "In so einem Moment denkt man nicht über Angst nach", sagt Sarah rückblickend, "da denkt man: Ich kann dieser Person helfen, weil ich sowas gelernt habe und dann hilft man einfach."
Er hätte das nicht überlebt, hätten wir gewartet, bis der Rettungsdienst da ist.
Die beiden Freundinnen sind seit elf Jahren Mitglied der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), sind ausgebildete Rettungsschwimmerinnen und leiten auch die Schwimmausbildung bei den Seepferdchengruppen.
Glück im Unglück: Sarah und ihre Freundin retten zweiten Jugendlichen aus dem Main
Nachdem Sarah den ersten Jugendlichen gerettet hatte, machte ein weiterer auf sich aufmerksam, erzählt sie. Er hatte das gegenüberliegende Mainufer schon erreicht, traute sich wegen der Strömung aber nicht mehr zurück. Sarah und ihre Freundin Marisol schwammen dann gemeinsam mit Schwimmbrettern und Flossen zu ihm und begleiteten ihn zurück ans Eicheler Ufer.
Beim Eintreffen des Rettungsdienstes waren die Jungen schon gerettet. Das bestätigte auch die Polizei. Ins Krankenhaus mussten sie nicht. "Dann muss man auch erstmal auf den Schock ein bisschen klar kommen", so Sarah. Die Jungs hätten sich noch bei ihnen bedankt und meinten, sie seien ihnen etwas schuldig. "Alles gut, passt schon", so die Antwort der beiden Retterinnen. Im Nachhinein hätten die beiden mitbekommen, dass die Jungs teilweise nicht einmal richtig schwimmen konnten.
Appell: Strömung nicht unterschätzen und eigene Schwimm-Fähigkeiten nicht überschätzen
Der Einsatz sei für sie eine Situation gewesen, in der sie ihr erlerntes Wissen anwenden konnten. Darüber freuen sich die beiden, die als Rettungsschwimmerinnen die Gefahren von Gewässern und die Strömungsverhältnisse in einem Fluss gut einschätzen können.
Mit ihrem Einsatz wollen Sarah und Marisol vor allem auf die Risiken beim Baden in Flüssen aufmerksam machen. Nach ihrer Einschätzung werden Strömung, Entfernungen und die eigenen Kräfte häufig unterschätzt. Die Strömung in einem Fluss könne sich innerhalb von fünf Minuten komplett verändern, erklärt Sarah. Sie appelliert deshalb, die eigenen Schwimmfähigkeiten realistisch einzuschätzen. Das Seepferdchen-Abzeichen allein reiche nicht aus, um in offenen Gewässern zu schwimmen.