Ein 54-Jähriger bekommt Anfang Juni nach dem Sport mitten in Heilbronn einen Herzinfarkt. Er stürzt und verletzt sich schwer, bleibt bewusstlos am Boden liegen. Drei junge Frauen - Luisa Celina Senda (20), Miray Mamaci (19) und Ilayda Emre (20) - haben nicht lange gezögert, Erste Hilfe geleistet und dem Mann so das Leben gerettet. Bis heute wirkt diese Extremsituation bei den jungen Frauen nach - und sie fordern Veränderungen bei Erste-Hilfe-Kursen.
Keine Hemmschwelle: Junge Frauen leisten Erste Hilfe
Die drei machen gerade die Ausbildung zur Arzthelferin, sind im zweiten Lehrjahr. Sie erzählen die Geschichte so: Sie waren gerade in der Berufsschule in der Nähe der Theresienwiese und sollten in der Pause ihre Autos umparken. Die haben sie dann beim Food Court abgestellt.
Auf dem Rückweg fiel ihnen eine Menschentraube auf - und Hilfeschreie. Ein Mann lag auf dem Boden, blutete im Gesicht, war bewusstlos. Erst kurz zuvor hatten die jungen Frauen einen Erste-Hilfe-Kurs absolviert. Sie brachten den Mann in die stabile Seitenlage, prüften den Puls und entschieden sich für eine Reanimation.
In dem Moment war [in unseren Köpfen] einfach nur: Irgendwas tun, Hauptsache, er ist nicht für immer weg. [Das] war auf jeden Fall heftig.
Adrenalin pur: Erst später wird ihnen klar, was sie da geleistet haben
Als die Rettungskräfte eintrafen, musste der Mann mit einem Defibrillator behandelt werden, erinnern sich die drei. Sie hätten zitternd daneben gestanden und dafür gesorgt, dass die anderen umstehenden Menschen die Rettungskräfte nicht behindern.
So richtig angekommen, was sie da gerade erlebt und geleistet hatten, ist das dann aber erst, als sie zurück in der Schule waren. "Ich persönlich habe dann auch erst einmal angefangen zu weinen, weil man gemerkt hat, das Adrenalin ist aus dem Körper raus", erinnert sich Luisa. Nach einem Lob der Lehrerin durften die geschockten Heldinnen nach Hause.
Im März kam ein Rettungsassistent zufällig privat zu einem schweren Unfall im Kreis Schwäbisch Hall hinzu. Auch er betonte, wie wichtig sofortige Hilfe sein kann:
Verletzte aus brennendem Auto auf A6 gezogen Ersthelfer über Mut und Zivilcourage: Wenn Anhalten Leben rettet
Bei einem Unfall in Wolpertshausen überlebten drei Menschen - ihnen wurde schnell geholfen. Andreas Ulbrich war ein Ersthelfer. Er macht auf das Thema Zivilcourage aufmerksam.
Was war eigentlich genau passiert?
Der 54-Jährige soll mit zwei deutlich jüngeren Freunden die Sportgeräte beim Food Court genutzt haben. Vermutlich überschätzte er sich. Auf einer Bank sitzend soll er dann den Herzinfarkt bekommen haben und deshalb frontal von der Bank aufs Gesicht gefallen sein.
Er blutete stark, hatte sich wohl auch Zähne ausgeschlagen und war bewusstlos. Der Mann soll schon vor Ort wieder zu Bewusstsein gekommen sein, berichten die drei jungen Frauen. Er kam wohl für längere Zeit ins Krankenhaus und hat den Vorfall überlebt.
Erste-Hilfe-Kurse sollten kostenlos sein, fordern die Lebensretterinnen
Zwar hatten sie erst kurz zuvor einen Erste-Hilfe-Kurs gemacht, wie wichtig solche Kurse und auch die Auffrischungen sind, wurde Luisa, Ilayda und Miray aber erst da so richtig bewusst. Daher appellieren sie an alle, einen solchen Kurs zu machen und fordern vor allem auch, dass solche Kurse kostenlos sein sollten.
Auch in den Schulen sollten die Kinder ihrer Meinung nach ab der fünften oder sechsten Klasse langsam an das Thema herangeführt werden - zumindest, dass die Kinder wüssten, wenn die Mama mal umfällt, dass sie die 110 oder die 112 anrufen oder die Nachbarn um Hilfe bitten sollten, "dass da ein kleiner Plan ist, das gehört auch schon zur Ersten Hilfe dazu", fasst es Luisa zusammen.