Aus dem Nichts ein Hohenloher Milliardenunternehmen aufgebaut

Vom wilden Hund zum Vorzeigeunternehmer: Albert Berner wird 90

Er hält mit seiner Meinung nicht hinterm Berg: Der Hohenloher Unternehmer Albert Berner wird am Samstag 90 Jahre alt. Zu Reinhold Würth hat er eine besondere Verbindung.

Teilen

Stand

Von Autor/in Alexander Dambach

40 Jahre lang hat er die Geschicke der Berner Group geleitet und ein Milliardenunternehmen aufgebaut. Am Samstag feiert Albert Berner aus Künzelsau (Hohenlohekreis) seinen 90. Geburtstag. Mit 21 Jahren wagte er den Sprung in die Selbstständigkeit, inzwischen hat das Unternehmen einen Umsatz von 1,15 Milliarden Euro (Wirtschaftsjahr 2023/2024 ) und rund 8.000 Beschäftigte weltweit. Damit soll aber noch nicht Schluss sein.

Investitionen in die Zukunft

Zurzeit investiert das Unternehmen, das sich auf die Befestigungs- und Montagetechnik spezialisiert hat, rund zehn Millionen Euro in die Logistik, gut die Hälfte der Investitionen wird in die Logistik am Standort Künzelsau fließen, teilte das Handelsunternehmen mit. In Zukunft sollen noch mehr Prozesse automatisch ablaufen. Für die Beschäftigten bedeute das unter anderem kürzere Wege und mehr Arbeitssicherheit, heißt es. Die Baumaßnahmen finden in mehreren Ländern nahezu zeitgleich während des laufenden Betriebs statt.

eCommerce wird bei Berner immer bedeutender

Ganz besonders treibt das Unternehmen die Themen eCommerce und Online-Vertrieb voran. In mehreren Ländern erreichte der Umsatzanteil hier zuletzt über 35 Prozent, etwa in Frankreich. In Märkten wie Italien, Polen oder Portugal erzielte die Berner Gruppe im Geschäftsjahr 2023/2024 nach eigenen Angaben sogar Zuwachsraten von mehr als 50 Prozent. In Summe verdiene das Unternehmen inzwischen fast jeden fünften Euro durch den Vertriebskanal eCommerce, heißt es.

Das Künzelsauer Unternehmen hat auch gezielt Ballungsräume und Metropolregionen im Blick und eröffnet dort Verkaufsniederlassungen. So etwa in Valencia, Rennes aber auch auf den Azoren. Berner beschäftigt aber auch rund 5.000 Mitarbeiter im Außendienst, die Kunden vor Ort persönlich beraten.

Nachfolge klar geregelt

Seit 2012 führt Albert Berners Sohn Christian die Firma als CEO. Im Alter von gerade mal 28 Jahren übernahm der Diplom-Ökonom den Vorstandsvorsitz. Er setzt seither stark auf die Digitalisierung der Geschäftsprozesse. Sein Vater zog sich 1997 weitestgehend aus dem operativen Tagesgeschäft zurück und führt sein Familienunternehmen seitdem aus dem Hintergrund.

Schwierige Jugendzeit von Albert Berner

Albert Berner kam am 1935 in Künzelsau auf die Welt. Die Schulzeit war überschattet vom zweiten Weltkrieg. In seinen Memoiren "Mein Weg - Mein Leben" schreibt er, dass die Schule 1945/1946 für über ein halbes Jahr komplett geschlossen war, weil es schlicht keine Lehrer gab. "Vor dem Krieg und während dem Krieg waren wir eine sehr einfach strukturierte Familie, nicht vom Reichtum gesegnet", so Berner gegenüber dem SWR.

Weil die Eltern nicht genug Geld hatten, musste er auf den Besuch der Oberschule verzichten. Damit haderte er ein Unternehmerleben lang, da ihm Fremdsprachenkenntnisse fehlten. Seine Jugendzeit in Künzelsau bezeichnet der 90-Jährige gerne mit den markigen Worten: "Wir waren wie die wilden Hunde".

Albert Berner wollte kein Metzger werden

1948 beendete Albert Berner im Alter von 13 Jahren die Schule. Sein Vater überredete ihn, eine Metzgerlehre im eigenen Betrieb anzufangen. Doch Fleisch zu zerlegen und zu verarbeiten war überhaupt nichts für den Jugendlichen.

Großen Spaß machte es Albert Berner hingegen, seiner Mutter beim Verkaufen an der Metzgertheke zu unterstützen. Aus diesem Talent sollte noch was Großes entstehen. Die Metzgerlehre schmiss er aber hin, auch Alternativen wie Schreiner oder Schlosser waren nichts für ihn.

Ich stand damals auf der Kippe. Mir hat jede Perspektive für mein künftiges Leben gefehlt.

Lehre zum Großhandelskaufmann bei Würth

Während seiner Schulzeit war Berner einst mit Gerhard Sturm, dem Gründer von ebm-papst aus Mulfingen (Hohenlohekreis) und Unternehmer Reinhold Würth in einer Klasse. Durch Letzteren kam der Kontakt zu Adolf Würth zustande. Die damalige kleine Schraubengroßhandlung hatte 1952 eine Lehrstelle zum Großhandelskaufmann ausgeschrieben, auf die sich Berner bewarb. Er wurde genommen. Adolf Würth soll damals zu seinem neuen Lehrling gesagt haben: "Ich weiß, dass du ein Früchtchen bist, aber du bekommst eine Chance." Ab diesem Tag habe sich sein Leben neu geordnet, bilanziert Albert Berner.

Ich wurde pünktlich, ordentlich und fleißig, der schönste und der sauberste Kerl der ganzen Stadt. Es war mein Traum, Kaufmann zu lernen.

Weg in die Selbständigkeit

Mit 17 Jahren machte Albert Berner den Führerschein und konnte so schnell bei Würth im Außendienst starten. Und er lernte von Tag zu Tag schnell dazu und brachte Aufträge mit nach Künzelsau. Von Adolf Würth bekam er dabei ein Lob. Und neben ihm in der Schraubenhandlung war da eben auch noch der junge Reinhold Würth, der nach dem unerwarteten Tod des Vaters 1954 früh in dessen Fußstapfen treten musste.

Wir haben uns zwar gut verstanden, aber ein bisschen jugendliche Eifersucht was da schon im Spiel. Mir wurde zunehmend klar, dass ich gerne etwas Eigenes machen wollte.

Mit 21 Jahren im Jahr 1957 wagte Albert Berner den großen Schritt in die Selbstständigkeit, was bei Würth wohl nicht für Begeisterung sorgte. Sein großes Verkaufstalent und bereits bestehende Kontakte zu Firmen halfen Berner beim Aufbau der eigenen Firma enorm. Und so gab es in Künzelsau plötzlich zwei Firmen, die Schrauben und weitere Artikel für das Handwerk verkauften. "Ich habe vom ersten Tag an Geld verdient", sagte Berner dem SWR.

Würth-Gruppe bleibt die Nummer eins

Über die Jahre wuchs die Würth-Gruppe zu einem Imperium heran, welches allein im ersten Halbjahr 2025 rund 10,4 Milliarden Euro erwirtschaftete. Berner ist der viel kleinere Player.

Albert Berner hatte damit offenbar nie ein Problem. "Würth ist fantastisch, die klare Nummer eins. Ich bin stolz, wie wir das hingekriegt haben", sagte er mal in einem Interview. Zu seinen aktiven Zeiten hatte Berner von seinem Schreibtisch aus einen direkten Blick auf die andere Kocherseite hinüber nach Künzelsau-Gaisbach auf den Wettbewerber Würth. Man hat sich beäugt und gegenseitig angetrieben.

Der Firmensitz von Berner auf dem Künzelsauer Garnberg
Der Berner-Sitz auf dem Künzelsauer Garnberg Berner

Hohenloher Unternehmer respektieren sich

Die Wertschätzung der beiden einstigen Klassenkameraden für ihr jeweiliges Lebenswerk ist ungebrochen. In einem Grußwort zum 90. Geburtstag von Reinhold Würth schrieb Albert Berner, beide würden oft nur als Konkurrenten beschrieben, aber dass sei "dummes Geschwätz". Trotz allem Wettbewerb verbinde beide Unternehmer mehr als man denke, heißt es: "Wir schätzen uns persönlich sehr, sind stets ehrlich und partnerschaftlich miteinander umgegangen. Deine Erfolge haben mich inspiriert und zusätzlich motiviert - umgekehrt war es vielleicht genauso."

Und Albert Berner ist Adolf Würth bis heute dankbar. Er habe als Mentor die entscheidenden Weichen für seine berufliche Karriere gestellt.

Was Berner und Würth auch verbindet, ist eine sehr private Geschichte. Auf einer Vertriebstour waren beide am Bodensee verabredet. Während Reinhold Würth auf Albert Berner wartete, lernte er seine Frau Carmen Würth kennen.

Nachfolge von Albert Berner früh geregelt

Privat musste Albert Berner in seinem Leben auch Schicksalsschläge meistern. Seine erste Ehefrau starb im Alter von gerade mal 26 Jahren. Der Unternehmer musste das Privatleben mit zwei Kindern organisieren und sich um die wachsende Firma kümmern. Mit seiner zweiten Ehefrau Ursula Berner hat er zwei weitere Kinder. Sohn Christian steht jetzt an der Spitze des Handelsunternehmens.

Unternehmer Christian Berner
Unternehmer Christian Berner führt die Berner Group. Berner Group

Für große Diskussionen hatte 2016 die Entscheidung seines Sohnes gesorgt, Teile der Holding und des Managements nach Köln zu verlagern. Ziel war es, dort leichter an Fachkräfte zu kommen, als es im Hohenlohekreis möglich ist. Christian Berner lebt jetzt selbst in Köln und hat dort im Rheinauhafen seinen Schreibtisch stehen. Der Standort am Rhein ist seither weiter gewachsen.

Soziales Engagement mit Stiftung

Mit seiner bodenständigen und direkten Art ist Albert Berner der Prototyp eines Hohenlohers. Seine Heimat liegt ihm und seiner Frau ganz besonders am Herzen. "Ich bin Hohenloher mit Leib und Seele", bringt er es auf den Punkt. Anlässlich seines 60. Geburtstages rief er 1995 die Albert Berner Stiftung ins Leben. Seither werden verschiedene Projekte unterstützt, viele im sozialen Bereich.

Unternehmer feiert im privaten Kreis

Das hohe Alter sieht man Albert Berner nicht an. Wenn man ihn trifft, hat er immer einen lockeren Spruch auf der Zunge. Seine große Leidenschaft ist ungebrochen das Golfen, aber auch auf dem E-Bike ist er gerne unterwegs. Für seine Verdienste hat er zahlreiche Auszeichnungen erhalten. Seit 2012 ist er Ehrenbürger seiner Heimatstadt Künzelsau. Frankreich hat ihn 2004 zum "Ritter der Ehrenlegion" ernannt.

Auf sein Lebenswerk schaut Berner heute stolz zurück: "Ich habe Erfolg gehabt, habe einen großen Laden, einen schuldenfreien Laden, habe einen Sohn, der den weiter führt, was wollen sie mehr", sagte er dem SWR. Seinen runden Geburtstag wird Berner, wie zu hören ist, zunächst im kleinen Kreis mit Familie und Freunden feiern. Am Montag ist dann ein größerer Festakt in der Zentrale auf dem Garnberg in Künzelsau geplant. Über das Programm wird geschwiegen, es soll eine Überraschung für den jetzt 90-Jährigen werden.

Mulfingen

Die Entwicklung eines Weltmarktführers Der Motoren-Erfinder aus Mulfingen: ebm-papst-Gründer Gerhard Sturm wird 90

Ein Weltmarktführer im sonst so beschaulichen Hohenlohekreis. Wäre Mulfingen ohne ebm-papst dasselbe? Ein langjähriger Weggefährte von Gründer Gerhard Sturm denkt: Sicher nicht!

SWR4 BW am Morgen SWR4 Baden-Württemberg

Künzelsau

Künzelsauer Unternehmer wird 90 Jahre alt Reinhold Würth: "Ich habe nie eine solche Krise wie im Moment erlebt"

Der Künzelsauer Unternehmer und Milliardär Reinhold Würth wird am Ostersonntag 90 Jahre alt. Die aktuelle weltpolitische Lage macht ihm große Sorgen, vor allem der US-Präsident.

SWR4 BW am Samstagmorgen SWR4 Baden-Württemberg

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Alexander Dambach