Die Würth-Gruppe mit Sitz in Künzelsau (Hohenlohekreis) hat ihre Zahlen für die ersten sechs Monate vorgelegt. Der Umsatz ist in dieser Zeit im Vergleich zum Vorjahr leicht um 2,2 Prozent auf 10,4 Milliarden Euro gestiegen. Der Gewinn liegt in diesem Zeitraum mit 475 Millionen Euro allerdings 9,5 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Als Grund nennt Würth etwa gestiegene Personal- und Frachtkosten. Würth-Chef Robert Friedmann räumt ein, dass die Umsatzentwicklung für Würth-Verhältnisse "eher schwach" sei und unterhalb des "Zufriedenheitskorridors" liege.
Frei gewordene Stellen nicht besetzt
Die Zahl der Würth-Beschäftigten ist um fast zwei Prozent gesunken. Sie liegt aktuell bei 87.198 Mitarbeitenden. Würth habe durch Fluktuation frei gewordene Stellen nicht mehr besetzt, allerdings in der IT dennoch 321 neue Mitarbeiter aufgebaut, heißt es. Die Eigentümerfamilie Würth sei bereit, so Würth-Chef Robert Friedmann, auf Ergebnis zu verzichten, um Arbeitsplätze zu erhalten. Sollte die Konjunktur wieder anziehen, werde Würth wieder Personal aufbauen.
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In den Prozessen um drei gekündigte Mitarbeiter hat Würth eine weitere Niederlage kassiert. Das Arbeitsgericht Heilbronn erklärte die Kündigung einer Beschäftigten für unwirksam.
Elektroniktochter stimmt Würth-Gruppe positiv
Trotz der unberechenbaren US-Wirtschaftspolitik scheine sich das Geschäftsklima etwas aufzuhellen, stellt Würth-Chef Robert Friedmann fest. Was ihn zuversichtlich stimmt ist auch, dass die Würth-Elektroniktochter eiSos deutlich anziehende Auftragseingägnge verzeichnet. Das Unternehmen ist Hersteller von elektronischen und elektromechanischen Bauelementen für die Elektroindustrie. Produziert werden auch Leiterplatten, die später mit Chips bestückt werden können. An der weltweit aktiven Firmentochter könne man sehen, dass Geschäft zurück komme. Der Auftragseingang legte dort im zweiten Quartal um etwa 30 Prozent zu.
Laut Friedmann sind steigende Auftragszahlen bei eiSos ein Frühindikator für Wachstum. Er hoffe daher, dass dieser Effekt in den nächsten Monaten auch im restlichen Geschäft ankomme, so Friedmann. Die Auftragseingänge in den letzten Wochen deuteten jedenfalls auf eine Beschleunigung des Wachstums im zweiten Halbjahr hin. Die Würth-Gruppe gehe aber dennoch mit gedämpftem Optimismus in die nächsten Monate.
Wandelt sich die Stimmung in der Bevölkerung?
Die neue Bundesregierung entfalte in der deutschen Gesamtwirtschaft eine gewisse Aufbruchstimmung, so der Würth-Manager weiter. Diese könne den bisherigen Pessimismus und die Unzufriedenheit in der Bevölkerung schnell verdrängen. Würth hofft auch vom milliardenschweren Investitionspaket der Bundesregierung zu profitieren.
Hier seien viele Investitionen in die Infrastruktur geplant. Die Baukonjunktur, ebenfalls ein wichtiges Standbein bei Würth, zieht hingegen noch nicht an. Für 2026 rechne man mit einem Wachstum der Bauindustrie, so Friedmann. Für das Jahr 2025 peilt das Künzelsauer Handelsunternehmen erneut einen Umsatz von über 20 Milliarden Euro an, auch das Ergebnis soll auf Vorjahresniveau liegen.
Gewinneinbruch im Geschäftsjahr 2024
Das Geschäftsjahr 2024 hatte Würth zuletzt mit einem Umsatz von 20,2 Milliarden Euro abgeschlossen. Das Unternehmen hatte das Umsatzniveau aus 2023 trotz eines leichten Rückgangs von knapp einem Prozent damit weitgehend gehalten. Allerdings musste Würth einen Gewinneinbruch um rund 500 Millionen Euro hinnehmen. Dem Konzern hatten die schwache Wirtschaft und steigende Kosten zu schaffen gemacht. Würth vertreibt unter anderem Montage- und Befestigungsmaterial. Zur Gruppe zählen aber auch zahlreiche weitere Tochterunternehmen aus verschiedenen Branchen.