Jugend- und Suchtberatung: Cannabis ist keine harmlose Droge

Cannabis-Anbau: Wie ein Social Club in Bad Wimpfen die Rauschpflanze hochzieht

Der Cannabis Social Club "Royal Haze" in Bad Wimpfen hat Anfang Juli rund 100 Cannabis-Setzlinge gepflanzt. Jetzt hat der Club einen Blick hinter die Kulissen erlaubt.

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Von Autor/in Alexander Dambach

Der genaue Anbauort zwischen Bad Wimpfen und Bad Rappenau (beide Kreis Heilbronn) ist geheim. Nur die aktuell 23 Mitglieder des Cannabis Social Club "Royal Haze" in Bad Wimpfen wissen, wo das Gras wächst. Eine ehemalige Halle ist zu einer professionellen Cannabis-Aufzuchtstation umgebaut worden. Einen sechsstelligen Betrag hat der Club mit Max Klenk an der Spitze hier investiert - alles kreditfinanziert. Eine Bank dafür zu finden, sei nicht leicht gewesen, habe am Ende aber geklappt. "Royal Haze" ist derzeit einer von drei genehmigten Anbauvereinen in der Region Heilbronn-Franken. In ganz Baden-Württemberg sind es insgesamt 24.

Cannabis-Pflanzen sind gut geschützt

Die Cannabis-Plantage ist aufwendig gesichert. Es gibt Kameras, spezielle dicke Stahltüren und im Inneren sogar ein Rauchbombensystem. Sollte jemand einbrechen, würde ihm dadurch die komplette Sicht vernebelt. Um zur eigentlichen Anbaukammer zu dürfen, heißt es aber erst einmal: weiße Schutzanzüge anziehen. Blaue Schuhüberzieher sind ebenfalls Pflicht. In die Anlage sollen keine Schädlinge oder gar Pilzkrankheiten eingeschleppt werden. Cannabis-Pflanzen sind sehr empfindlich.

Anbau Bad Wimpfen
Die Cannabispflanzen sind im Anbau sehr anspruchsvoll. Max Klenk schaut jeden Tag nach ihnen.

In einem größeren Raum steht dann eine weiße Kammer, die eher nach einem großen Kühlhaus aussieht. Es laufen Ventilatoren, an der Seite steht ein großer Tank mit einem elektrischen Bewässerungssystem. Ein Klimagerät, welches die Temperatur reguliert, bläst die Luft in die Anbaukammer.

Max Klenk öffnet dann die Tür zum Cannabis-Reich. Grelles LED-Licht scheint auf die sattgrünen Pflanzen. Es liegt ein undefinierbarer Pflanzengeruch in der Luft, nach Cannabis riecht es aber noch nicht. "Erst in etwa zwei Wochen wird der Cannabis-Duft gut zu riechen sein", so Klenk.

Anbau Bad Wimpfen
Die Technik ist auf dem modernsten Stand.

Auf einer Fläche von 18 Quadratmetern stehen hier gut 100 Cannabispflanzen. Die Sorten tragen Namen wie "Lemon Storm" oder "Dynamite Diesel" und haben später einmal unterschiedliche Wirkungsgehalte. Jede einzelne Pflanze ist genau erfasst und beschriftet. Klenk und seine Mitstreitenden müssen die Aufzucht akribisch digital dokumentieren. Sie müssen jederzeit mit unangekündigten Kontrollen der Behörden rechnen. Auch der gesamte Genehmigungsprozess sei sehr aufwendig gewesen, im Dezember hatte es für "Royal Haze" die Genehmigung gegeben.

Erntemenge wird mit Spannung erwartet

Derzeit brauchen die Pflanzen vor allem viel Wasser und eine konstante Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Geerntet werden soll Ende Oktober. Wie groß die Erntemenge sein wird, darauf ist auch Max Klenk gespannt: über sechs Kilo vermutet er. Die ganze Aufzucht ist sehr energieintensiv. Die Stromkosten liegen im mittleren fünfstelligen Bereich im Jahr. "Die Anlage braucht die 50-fache Energiemenge eines Einfamilienhauses", so der 22-Jährige ganz offen.

Nach der Ernte werden die Blüten getrocknet und dann in Tresoren aufbewahrt. Dann wird das Cannabis an die Vereinsmitglieder abgegeben. An die Behörden werden dabei keine Namen gemeldet. Das ist anonymisiert. In einem extra Abgaberaum dürfen maximal 50 Gramm pro Mitglied im Monat abgegeben werden. Der Preis steht auch schon fest: 12,19 Euro pro Gramm. Derzeit hat der Verein 23 Mitglieder, rund 30 sind noch auf einer Warteliste. Die Aufnahmegebühr liegt einmalig bei 50 Euro, der Monatsbeitrag bei 25 Euro.

Ab dem Alter von 21 Jahren darf man als Vereinsmitglied in Bad Wimpfen Cannabis kaufen. Zu viel produziertes Cannabis muss vernichtet werden. Einen privaten Gewinn dürfen die Verantwortlichen nicht machen. Es gibt wie bei Vereinen eine Mitgliederversammlung, bei denen die Finanzen offengelegt werden.

Wir haben Freizeitkonsumenten als Mitglieder, aber auch einen 72 Jahre alten Parkinsonpatienten.

Suchtberatung: Verharmlosung von Cannabis eine Gefahr

Pflicht ist auch: Jeder Anbauverein braucht einen extra geschulten Experten für den Jugendschutz, der zudem auf den Konsum der Mitglieder schaut. "Wichtig ist einen möglichen steigenden Konsum im Blick zu behalten", betont Max Klenk. Der Cannabis Social Club hält auch engen Kontakt zur Jugend- und Suchtberatung in Heilbronn. Katharina Herrmann ist dort Suchtberaterin und hat sich die Cannabis-Aufzucht bei Bad Wimpfen erstmals angeschaut. Sie findet die Arbeitsweise sehr professionell. Wenn jeder Social Club so arbeite, dann sei das auf jeden Fall eine gute Sache. Denn Konsumentinnen und Konsumenten würden saubere Substanzen erhalten. Aber sie kennt aus ihrer Arbeit auch die schädlichen Folgen eines ausufernden Cannabis-Konsums.

Anbau Bad Wimpfen
Suchtberaterin Katharina Herrmann.

Es ist riskant, wenn in einer Gesellschaft das Bild entsteht, Cannabis ist eine harmlose Droge. Das ist es nicht. Es kann negative Folgen haben.

Cannabis sei immer schon verfügbar gewesen, aber eben auf dem illegalen Markt, so Herrmann. Seit der Teillegalisierung von Cannabis 2024 stellt sie fest, dass viel weniger Jugendliche zu ihr in die Beratung kommen. Der Grund: Als der Besitz noch eine Straftat war, wurden viele Jugendliche vom Gericht als "erzieherische Maßnahme" auch zu den Beratungsstellen geschickt. Das habe sich seither geändert. "Wenn die jetzt eine gewisse Menge haben, ist es einfach eine Ordnungswidrigkeit und die Eltern werden informiert und das war es", so Herrmann.

Für uns ist das sehr kritisch, weil der Konsum bei den Jugendlichen weiter stattfindet, auch schon bei Zwölfjährigen. Dadurch wird unsere präventive Arbeit viel schwieriger, weil wir einfach nicht mehr rankommen.

Mit Cannabis in Kontakt kämen Jugendlich meist immer noch über Freunde und durch Neugierde. Auch in Musikvideos werde die Rauschpflanze immer mal wieder thematisiert und wecke so Interesse.

Keine Sorge vor Wende zurück bei Cannabispolitik

Max Klenk hofft auf einen verantwortungsvollen Umgang mit Cannabis bei den Vereinsmitgliedern. So sei es etwa sinnvoll mit einer nicht zu starken Cannabissorte zu starten oder auch zu mischen. Wie oft er selbst Cannabis konsumiert, dazu möchte er öffentlich nichts sagen. Aber auch für ihn gelten die gleichen Abgabemengen. Die Cannabis-Aufzucht kostet ihm momentan sehr viel Zeit. "Wir schauen hier täglich vorbei um zu sehen, wie es den Pflanzen geht", so der 22-Jährige, der im Hauptjob Mechatroniker bei einer großen Firma in der Region Heilbronn-Franken ist. Dass die Teillegalisierung von Cannabis vielleicht wieder zurückgeschraubt oder kassiert werden könnte, darüber macht er sich keine Gedanken. Er glaubt fest daran, dass der Cannabis-Anbau bei "Royal Haze" auch die nächsten Jahre so weitergeht.

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Alexander Dambach

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