Bundesweit hat die Polizei in dieser Woche eine Razzia wegen Cyberkriminalität durchgeführt und dabei auch Wohnungen im Kreis Schwäbisch Hall durchsucht. Den Verdächtigen wird vorgeworfen, über illegale Online-Marktplätze gefälschte Dokumente, gestohlene Zugangsdaten und andere Betrugsdienste gekauft zu haben. Kein Einzelfall, warnt der IT-Sicherheitsberater Joshua Tiago von der Heilbronner IT-Sicherheitsfirma cirosec, die regelmäßig betroffene Firmen betreut.
Bundesweite Razzia: Gestohlene Daten gegen Krypto-Währung
Die Ermittlungen zur Razzia laufen unter der Leitung der Generalstaatsanwaltschaft Karlsruhe, die zuvor mehrere solcher Verkaufsplattformen für Daten aufgedeckt und abgeschaltet hatte. Dort wurden illegale Angebote gegen Bezahlung in Bitcoin gehandelt.
Mithilfe der sichergestellten Kundendaten konnten viele Käufer identifiziert werden. Bei dem bundesweiten Einsatz am Mittwoch beschlagnahmten Ermittler umfangreiches Beweismaterial bei den Kunden der Plattform. Ihnen wird unter anderem Betrug über Kleinanzeigenportale, Fälschung von Daten sowie Online-Banking-Betrug vorgeworfen.
IT-Sicherheitsexperte: Täglich neue Daten zum Verkauf auf illegalen Plattformen
Auch in Heilbronn-Franken nehmen Cyberangriffe auf Unternehmen spürbar zu, bestätigt IT-Sicherheitsberater Tiago. Er sagt, das sei "ein sehr, sehr häufiges Problem". Auf den von Cyberkriminellen betriebenen Online-Marktplätzen tauchten täglich neue Datensätze auf, die zum Verkauf angeboten werden. Betroffen seien Unternehmen aus allen Bereichen, "von der kritischen Infrastruktur bis zum ganz kleinen Unternehmen, das man vielleicht nicht unbedingt so auf dem Schirm hat", so Tiago.
Nach Angaben des IT-Experten geht es bei vielen Fällen um gehackte Zugangsdaten, mit denen Angreifer später erneut in Firmennetzwerke eindringen, um Daten zu stehlen. In anderen Fällen würden gestohlene Informationen genutzt, um Firmen zu erpressen. Wer nicht zahlt, müsse damit rechnen, dass vertrauliche Dokumente im Internet veröffentlicht werden.
Enge Zusammenarbeit mit der Polizei, um Hacker zu überführen
Um Täter zu überführen, arbeiten IT-Sicherheitsfirmen wie cirosec eng mit den Behörden zusammen, "wenn die Kunden die Polizei entsprechend auch mit einschalten", so Tiago. Die Firma könne technische Hinweise wie IP-Adressen an die Ermittler weitergeben. Das helfe der Polizei, die Täter zu identifizieren - oder um herauszufinden, welche Cybercrime-Banden hinter den Angriffen steckten.
Mehr Cyberkriminalität in der Region Heilbronn-Franken
Immer wieder werden Unternehmen Opfer von Cyberkriminellen. In diesem Jahr wurden in Heilbronn-Franken bereits mehrere Unternehmen gehackt, beispielsweise die Heilbronn Marketing GmbH und das Maschinenbauunternehmen Hofmann Fördertechnik in Neckarsulm (Kreis Heilbronn). Im vergangenen Jahr waren die Handwerkskammer Heilbronn-Franken und der Tiernahrungshersteller Bosch in Blaufelden-Wiesenbach (Kreis Schwäbisch Hall) von Cyberangriffen betroffen.
Auch die Schwarz Gruppe mit Sitz in Neckarsulm, zu der die Discounter-Ketten Lidl und Kaufland gehören, hat permanent mit Cyberattacken zu kämpfen. Bis zu 350.000 Angriffe soll es auf die Unternehmensgruppe geben - täglich. Die meisten kämen aus Russland.