Wenn sich - wie immer an Pfingstmontag - wieder etliche Wasserräder drehen und teils historische Mühlen in ganz Deutschland tausenden Gästen Einlass gewähren, dann geht es längst nicht nur um Nostalgie. Der Deutsche Mühlentag zeigt Jahr für Jahr, wie viel Leidenschaft, aber auch harte Arbeit und Aufwand hinter dem Erhalt jahrhundertealter Kulturdenkmäler stecken. Besonders eindrucksvoll aber ist die Geschichte der Raußmühle in Eppingen (Kreis Heilbronn).
Ein neues Mühlrad, aber noch immer kein Wasser
Die Mühle, erstmals 1334 urkundlich erwähnt und seit mehr als 30 Jahren offizielles europäisches Kulturdenkmal, ist weit über die Region Heilbronn-Franken hinaus bekannt. Vor allem wegen eines Mannes: Frank Dähling. Der "Raußmüller" kaufte die Anlage 1975 und begann, sie mit historischen Baumaterialien aufwendig zu restaurieren. Im Juli 2025 starb Dähling im Alter von 80 Jahren. Seine Witwe, Heidi Böck, lebt noch heute dort.
Er hat davon geträumt, dass sich das Mühlenrad wieder dreht.
Denn 2024 bekam die Raußmühle ein neues Rad - gefertigt von traditionellen Handwerkern. Allerdings blieb der Bach bis heute trocken und das Wasser, womit sich das Rad tatsächlich hätte drehen können, fehlt. Woran es scheitert? "Das liegt halt auch an den Behörden", sagt Böck. Ob sich daran noch etwas ändern wird, weiß sie nicht.
Leben zwischen Idylle und Dauerarbeit
Seit fast 50 Jahren lebt Heidi Böck auf dem Gelände. Die Realität bei einer historischen Mühle hat wenig mit romantischer Verklärung zu tun, sagt sie. Dächer müssen repariert, Schindeln ersetzt, Balken ausgetauscht werden. Das sei enorm viel Arbeit, die sie alleine ohne ihren Mann nicht mehr stemmen könne.
Unterstützung erhält sie deshalb vom Förderverein Raußmühle, der mittlerweile 120 Mitglieder zählt. Nicht nur die Verantwortung verteile sich nun auf mehrere Schultern, die Menschen packen auch an, wo es nötig ist: So ist beispielsweise das Holz, um die Räume und auch die Küche zu heizen, jetzt direkt vor dem Haus gestapelt, damit die Wege für die 81-Jährige nicht zu weit sind.
Auch rund um den Deutschen Mühlentag gab es jede Menge Vorarbeit, erzählt sie: Ehrenamtliche rückten mit der Sense an, mähten das hohe Gras, das einst die Schafe fraßen, und übernahmen für den großen Tag auch den Aufbau und die Organisation: "Da waren wieder zehn, zwölf Leute hier. Das läuft dann sehr gut", freut sie sich.
Deutscher Mühlentag: Auch 2026 ist die Raußmühle dabei
Und zu guter Letzt müsse ja auch noch das Programm am Mühlentag selbst gestemmt werden, ergänzt Heidi Böck. Denn neben Führungen erwartet die Besucher ein vielfältiges Kulturprogramm mit Musik, Märchenerzählungen und Bewirtung. "Wenn ich merke, wie viele Leute begeistert sind [...] und hier mal nicht ganz so diese Normalität sehen, dann macht mich das schon froh."
Einmal hatten wir tausend Besucher. Es ist schon schön, wenn sich Leute so dafür interessieren. Meistens sind es aber so 500 bis 800.
Hoffnung, dass die Mühle in gute Hände kommt
Für Heidi Böck ist das Leben in der Mühle zwar wunderschön, aber auch belastend. Nach dem Tod ihres Mannes wurden die Schafe abgegeben, zuletzt verschwanden auch die Hühner vom Hof.
Heidi Böck hofft dennoch, dass die Raußmühle eines Tages in gute Hände übergeht. Der Wunsch ihres verstorbenen Mannes sei gewesen, dass das Kulturdenkmal weiterlebt. Zwar habe es bereits Interessenten gegeben, doch der enorme Arbeitsaufwand schrecke viele ab. Wie es langfristig mit der Mühle weitergeht, ist deshalb weiter offen. Die Hoffnung, dass sich das Mühlrad eines Tages doch noch drehen wird, bleibt aber.