Ein falscher Klick, eine beleidigende Nachricht - oft der Anfang, der das Leben aus dem Gleichgewicht bringen kann. Was früher oftmals im Verborgenen blieb, spielt sich heute öffentlich im Netz ab. In Heilbronn beispielsweise wenden sich immer mehr Betroffene digitaler Gewalt an den Weißen Ring, einer Hilfsorganisation für Kriminalitätsopfer und deren Angehörige. Seit Jahresbeginn sind es bereits 20 bekannt gewordene Fälle - Tendenz steigend.
Trennung, Druck, Drohungen - oftmals steckt Partner dahinter
Und "die Dunkelziffer ist deutlich höher", berichtet der Leiter der Außenstelle, Dieter Ackermann. Viele Betroffene würden sich aus Scham nicht melden. Besonders häufig seien Frauen Opfer digitaler Gewalt, sagt er.
So stünden in vielen Fällen ehemalige Partnerschaften im Zentrum. Nach Trennungen nutzten Täter intime Fotos oder Videos, um Druck auszuüben. Die Drohung: Veröffentlichung im Internet - die Bilder plötzlich für alle online sichtbar. Für die Betroffenen sei das eine massive Belastung.
Collien Ulmen-Fernandes: Prominenter Fall sorgt für Aufmerksamkeit
Zuletzt hat auch der Fall der Moderatorin Collien Ulmen-Fernandes das Thema verstärkt ins Bewusstsein gerückt. Ihre Berichte über digitale Gewalt haben bundesweit für Diskussionen gesorgt. Für Ackermann sei das nun aktuell eine Chance: Mehr Aufmerksamkeit durch den prominenten Fall könnte dazu beitragen, dass Betroffene Mut fassen und sich Hilfe suchen.
Auch und vor allem junge Menschen würden oft Opfer solcher oder ähnlicher Angriffe - denn digitale Gewalt sei breit gefächert: Beleidigungen, Stalking, Mobbing oder Erpressung werden zunehmend in soziale Netzwerke und Messenger-Dienste zum Problem. Die Angriffe passieren oft rund um die Uhr - direkt auf dem Smartphone der Opfer.
Weißer Ring in Heilbronn: Jeder fünfte Fall betrifft digitale Gewalt
Die Zahlen aus Heilbronn zeigen, wie groß das Problem inzwischen ist: Rund 20 Prozent aller Fälle, die seit Januar beim Weißen Ring registriert wurden, haben einen digitalen Hintergrund. Ein Anteil, der in den vergangenen Jahren stark gewachsen sei, so Ackermann weiter.
Digitale Gewalt beschäftige die Beratungsstelle schon seit Jahren, heißt es. Neu sei aber vor allem die zunehmende Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit.