Eine Frau trennt sich von ihrem Partner. In den Wochen und Monaten danach erhält sie Hassnachrichten, Drohungen und heimlich aufgenommene Bilder. Ihr Ex-Partner stalkt sie. Ein junges Mädchen verschickt vertrauensvoll ein Nacktfoto, das ohne ihr Wissen in der ganzen Schule verbreitet wird. Das sind keine Einzelfälle.
Digitale Gewalt - größte Herausforderung
Polizeipräsident Andreas Sarter vom Polizeipräsidium Rheinpfalz sagte, digitale Gewalt sei "eine der größten Herausforderungen unserer modernen Gesellschaft. Sie kennt keine Grenzen. Es kann jeden treffen, unabhängig davon, wie erfahren man sich fühlt."
In einer Sitzung des Rats für Kriminalitätsverhütung der Stadt Ludwigshafen ging es aktuell um die Auswirkungen digitaler Gewalt und darum, welche Hilfsangebote Betroffene in Anspruch nehmen können. Mit dabei waren auch Experten des Polizeipräsidiums Rheinpfalz aus Ludwigshafen.
Was ist digitale Gewalt?
Laut Mitarbeiterinnen der polizeilichen Opferberatung beschreibt digitale Gewalt verschiedene Straftaten im Internet. Dazu gehören beispielsweise Erpressung, Cyber-Mobbing, Identitätsdiebstahl und Stalking.
Die Beraterinnen betonen, dass digitale Gewalt genauso schädlich sei wie "analoge Gewalt". In einiger Hinsicht sei sie sogar noch schwerwiegender, weil Täter meist anonym bleiben und somit schwer zu fassen seien. Außerdem gebe es bei digitaler Gewalt keine zeitlichen Grenzen, weil sie oftmals rund um die Uhr ausgeübt werde und dadurch eine besondere mentale Belastung für Opfer darstelle.
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Schlafstörungen und Angst als Folgen
Die Folgen seien Schlafstörungen, Stress, Angst und ein Gefühl der Hilflosigkeit, so die Beraterinnen. In manchen Fällen komme es auch zu einer Rufschädigung der betroffenen Person, wenn zum Beispiel falsche Informationen verbreitet werden oder durch Deepfakes und die unerlaubte Verbreitung von Nacktfotos sexualisierte Gewalt ausgeübt werde.
Was können Betroffene tun?
Die Opferschutz-Expertinnen betonten, dass es wichtig sei, in einem akuten Fall Ruhe zu bewahren und zuerst Beweise zu sichern. Diese können durch Bildschirmaufnahmen gesichert und im Fall einer Anzeige vorgelegt werden. Dabei sei es besonders wichtig, dass die Uhrzeit und das Datum des Beweises sichtbar seien.
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Anschließend könne man Inhalte bei den Plattformen, auf denen sie veröffentlicht wurden, melden und löschen lassen. Darüber hinaus sei es wichtig, sich Hilfe im direkten Umfeld oder bei professionellen Beratungsstellen zu holen. Dort könne man sich in juristischen, sicherheitstechnischen und psychologischen Belangen beraten lassen.
Was macht die Opferberatung bei der Polizei?
Die polizeiliche Opferberatung ist eine dieser Anlaufstellen. Hier können sich Betroffene und ihre Angehörigen melden und unverbindlich beraten lassen. Die Beratung unterliegt der Schweigepflicht und wird von Mitarbeitenden durchgeführt, die keine Polizeibeamten sind. Deshalb muss auch keine Anzeige gestellt werden und die Betroffenen können selbst entscheiden, wie sie mit ihren Erlebnissen umgehen möchten.
Im Rat für Kriminalitätsverhütung der Stadt Ludwigshafen arbeiten unter anderem der Seniorenbeirat, aber auch verschiedene Vereine mit. Der Rat organisiert regelmäßig Aktionen, um über Prävention und Hilfsangebote rund um Kriminalität zu informieren.