"Druschba" ist Russisch für "Freundschaft" und der Name einer Initiative, die von einem Ehepaar aus dem Raum Offenburg getragen wird. Seit 2016 haben sich fast jeden Sommer Gruppen in unterschiedlichen Zusammensetzungen mit privaten Pkw auf den Weg nach Russland gemacht. "Die Reisen sind privat organisiert - sie dienen der Völkerverständigung und der Volksdiplomatie" steht auf der Webseite von "Druschba-Global". Beim Vortrag in einem Café bei Jagsthausen (Kreis Heilbronn) wird allerdings deutlich, dass es vor Ort auch zu Kontakten mit einem Putin-treuen Motorradclub kam.
Berichte über Kontakte zu russischem Motorradclub Nachtwölfe
"Es war schon dunkel und ich sag zu unseren Fahrern: Stopp, fahr rechts ran, hier werden wir empfangen", kommentiert Reinhold G. eines der vielen Fotos, mit denen er durch den Vortrag über die jüngste Reise der Initiative "Druschba-Global" führt. Dem SWR liegen übereinstimmende Berichte zweier Teilnehmer der Versammlung am vergangenen Sonntag bei Jagsthausen vor.
Demnach fuhr der Mann mit den langen Haaren und der Brille mit Goldrand fort: "Voila, die Nachtwölfe sind da. Die Nachtwölfe sind der größte Motorradclub in Russland. Die Nachtwölfe engagieren sich unheimlich sozial in Russland." Ohne jede kritische Einordnung berichten Reinhold G. und seine Ehefrau von mehrjährigen Kontakten zu dem russischen Motorradclub, der eng mit Russlands Präsidenten Wladimir Putin verbunden ist. So eng, dass die Europäische Union 2022 Sanktionen gegen den Club ausgesprochen hat
"Limes Café" in Jagsthausen als Treffpunkt
All das scheint die Eheleute, die bei Offenburg leben, ebenso wenig zu stören wie das Publikum in dem kleinen Saal: Laut Augenzeugenbericht stellte keiner der rund 35 Teilnehmenden kritische Fragen. Die Besucher an dem Sonntagnachmittag waren teils aus der Umgebung, teils von weiter her nach Jagsthausen angereist. Außerhalb des Ortes liegt auf einer Bergkuppe das "Limes Café". Auf den Parkplätzen rundherum standen während des Vortrages, zu dem die Betreiberin des Cafés auf Telegram eingeladen hatte, knapp 20 Autos mit Kennzeichen unter anderen aus Heilbronn, Mosbach (Neckar-Odenwald-Kreis), Waiblingen (Rems-Murr-Kreis) und Darmstadt.
Das "Limes Café" scheint für Vorträge dieser Art gut geeignet zu sein, denn es ist zugleich ein Ort für Seminare, die zum Teil über mehrere Tage gehen. Die Räumlichkeiten sind groß genug für etwa 40 Personen und einen Beamer samt Leinwand gibt es auch. Das Café ist zwar laut Webseite seit Jahren geschlossen. Tatsächlich aber finden auf dem Hügel über Jagsthausen offenbar regelmäßig Vorträge und Treffen im Rahmen eines "Marktplatz des Wissens" statt.
Vom "Königreich Deutschland" bis zum "Leucht-Turm Infoseminar"
Laut "Jahresplan" trat bereits Anfang Februar Stefan Lanka auf. Lanka leugnet die Existenz von Viren und gehörte während der Corona-Pandemie zu den Stimmen, die in der "Querdenker-Bewegung" besonders Gehör fanden. In den vergangenen zwei Jahren wurde - meistens per Telegram - unter anderem zu einem "Leucht-Turm Infoseminar" des mittlerweile verbotenen "Königreich Deutschland" und einem "Bildungsforschungstag" zur sogenannten Schetinin-Pädagogik eingeladen, die mit der rechtsesoterischen Anastasia-Bewegung verbunden ist. Im April 2025 waren Besucher zu einem Workshop über "Germanische Neue Medizin" eingeladen.
Den Vortrag über die Druschba-Reise begann Reinhold G. mit einer Klarstellung: Der Trägerverein hinter den Fahrten, an denen jeweils ein gutes Dutzend Leute in Privatautos teilnehmen, trete nicht als Reiseunternehmer auf. Das nämlich ist in Deutschland derzeit verboten. Die Initiative "Druschba-Global" wird seit Jahren von den Sicherheitsbehörden beobachtet. Strafrechtlich relevantes konnte den Friedensfreunden bisher aber nicht nachgewiesen werden.