Ein Auto schnell vor der Kita abgestellt, kurz beim Bäcker gehalten, nur "für zwei Minuten" in zweiter Reihe geparkt - was viele im Alltag für ein Kavaliersdelikt halten, kann im Ernstfall dramatische Folgen haben. Eng beparkte Straßen, zugeparkte Hydranten und blockierte Rettungswege sind längst kein Randphänomen mehr. Städte wie Heilbronn oder auch Crailsheim (Kreis Schwäbisch Hall) schlagen deshalb Alarm: Falschparken gefährdet Menschenleben.
Autos rammen? Im Notfall zählt jede Sekunde
Vor allem in Wohngebieten und schmalen Straßen zeigt sich das Problem immer wieder. Feuerwehr, Rettungsdienste und auch die Müllabfuhr kommen nicht durch oder verlieren wertvolle Zeit. Zeit, die im Notfall über Leben und Tod entscheiden kann, erklärt Jürgen Vogt von der Heilbronner Feuerwehr im SWR-Interview. Gerade bei Bränden im Dachgeschoss zähle jede Sekunde. Steht dann ein Auto im Weg, kann es möglicherweise sogar tödlich enden.
Dann haben wir natürlich ruckzuck vier, fünf Minuten, die man als Zeitverzug hat. Und das kann schon zu spät sein.
Feuerwehrfahrzeuge müssten im Fall eines Einsatzes exakt positioniert werden: Löschfahrzeuge müssten rangieren können, die Drehleiter so nah wie möglich ans Gebäude und Aufstellflächen frei sein, so Vogt. In Extremsituationen bleibt Einsatzkräften manchmal nichts anderes übrig, als sich selbst Platz zu schaffen. Falsch geparkte Autos wie in Krimis zu rammen, sei aber keine Option, sagt Vogt mit einem Schmunzeln.
Die schnellste Variante, die sich auch bewährt hat, ist tatsächlich: vier Mann und dann die Radläufe reinfassen und das Auto wegspringen lassen.
Wenn sogar die Feuerwehr improvisieren muss
Bei Autos, die oftmals zwei Tonnen und mehr wiegen, hätten die Einsatzkräfte aber keine Chance. Dann müsse die Feuerwehr auf sehr zeitaufwendige Maßnahmen zurückgreifen: Dann werden beispielsweise die im Weg stehenden Fahrzeuge mit speziellen Rollern verschoben. "Das sind vierrädrige, kleine Wagenheber auf Rädern", beschreibt er die Vorgehensweise.
Um die Autofahrerinnen und Autofahrer zu sensibilisieren, habe sich eine Maßnahme bewährt, so Vogt weiter: Zusammen mit dem Ordnungsamt überprüft die Feuerwehr zweimal im Jahr die Rettungswege in der Innenstadt. Während viele ertappte Falschparker immer noch verständnislos reagieren, zeigen Anwohnerinnen und Anwohner Verständnis dafür und fordern sogar noch mehr Kontrollen.
Falschparken - mehr als ein Knöllchen
Klar ist: Falsches Parken ist weit mehr als die Frage, ob vielleicht ein Strafzettel droht. Denn neben Verwarnungsgeldern kann im Extremfall auch ein Abschleppfahrzeug angefordert werden. "Die nehmen das Auto mit, was richtig teuer wird", sagt Jürgen Vogt. Oder anders gesagt: Wer richtig parkt, rettet vielleicht kein Leben, aber sorgt dafür, dass andere es können.