Wenn das Wetter beim Ja-Wort keine Rolle spielt

Heiraten im Winter: Warum es im Dezember immer mehr Hochzeiten gibt

Heiraten von Mai bis September - in der klassischen Hochzeitszeit. Doch ein Blick in die Standesämter der Region zeigt: Auch im November und Dezember trauen sich immer mehr Paare.

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Von Autor/in Ulrike Schirmer

Ob aus Liebe zum Winter, aus ganz praktischen Gründen oder wegen eines besonderen Datums? Heiraten im November oder Dezember bleibt zwar die Ausnahme, hat aber einen eigenen Charme. Eine Mischung aus Romantik und Pragmatismus macht die Winterhochzeit zunehmend attraktiv, sagten einige Passantinnen und Passanten in der Heilbronner Innenstadt dem SWR. Und Zahlen aus Standesämtern der Region Heilbronn-Franken bestätigen den Trend: Es werden immer mehr.

Standesämter: Winterhochzeiten nehmen nur teilweise zu

Das Standesamt in Heilbronn beobachtet aktuell in diesem Jahr eine leichte Zunahme an Heiratswilligen - Tendenz steigend. Und für den restlichen November und den Dezember sind die Termine nur vorgemerkt. Auch in Künzelsau (Hohenlohekreis) und Crailsheim (Kreis Schwäbisch Hall) gibt es das ein oder andere Paar, das den Bund fürs Leben Ende November und im Dezember schließen will.

Aus dem Standesamt in Schwäbisch Hall heißt es: "Im November haben wir kaum Trauungen." Dafür gehen allerdings seit geraumer Zeit die Zahlen im Monat Dezember steil nach oben. Sie bewegen sich auf dem Niveau des August.

Standesämter: Besondere Aktionen animieren zu Winterhochzeiten

Als besondere Winteraktion bietet das Standesamt in Schwäbisch Hall romantische Candle-Light-Trauungen an. "Am zweiten Adventswochenende dürfen wir von vielen Brautpaaren das Ja-Wort im Lichterglanz entgegennehmen", so eine Sprecherin.

"Candle-light-Trauungen" gibt es übrigens auch in Crailsheim - ebenfalls mit einem kleinen Run darauf. "Das Angebot wurde in den vergangenen Jahren gerne von Paaren aus Crailsheim aber auch aus den Umkreisgemeinden in Anspruch genommen", sagte ein Sprecher auf SWR-Anfrage.

Andere Standesämter bieten zwar keine winterlichen Aktionen an, setzen aber dennoch auf eine kleine Beigabe zur Hochzeit: So dürfen in Künzelsau alle Paare ein Obstbaumsetzling pflanzen. 20 waren es in diesem Jahr.

Hochzeitsaktion in Künzelsau: Eine Familie pflanzt nach ihrer Trauung einen Baum im Hochzeitswald.
Hochzeitsaktion in Künzelsau: Eine Familie pflanzt nach ihrer Trauung einen Baum im Hochzeitswald. Pressestelle Stadt Künzelsau

Die Standesbeamten sind sich auf jeden Fall in einem Punkt einig: Manche Paare heiraten bewusst noch im alten Jahr - steuerliche Vorteile inklusive. Aber oft folgt auf das rein standesamtliche "Ja" im Winter, die große Feier im Sommer.

Denn bei den Standesämtern seien Termine im November leichter zu bekommen. Und das ist auch bei Caterern so oder auch, wenn man nach der standesamtlichen Trauung einen freien Redner oder eine freie Rednerin buchen möchte. Frühling und Sommer gelten als klassische Hochzeitsmonate und sind dementsprechend ausgebucht - meist auch teurer.

"Billiger und kein Wetterdruck" - das sagen Hochzeitsrednerinnen

Freie Rednerinnen wie Maike Endresz aus Heilbronn erleben den Charme der Wintermonate hautnah. Sie kann selbst dem Novembergrau noch etwas abgewinnen und findet das Dezemberglitzern sowieso toll. "Im Winter muss man nicht drei Jahre im Voraus planen. Locations sind frei, Dienstleister günstiger - und das Wetter spielt einfach keine Rolle."

Brautpaare schauen in der Regel in der Woche vor der Hochzeit 17 Mal täglich in die Wetter-App. Im Winter weiß man einfach, dass das Wetter ist nicht gut. Wir sind drin, es wird gemütlich, alles ist entspannt.

Stimmungsvolle Hochtzeitsbilder gibt's übrigens einfach so dazu. "Mit viel buntem Laub in den Weinbergen, Kerzenschein, mit Fell und warmem Licht - einfach zauberhaft", schwärmt Endresz. Und Tatjana Megerle, freie Rednerin aus Weißbach (Hohenlohekreis), setzt sogar noch einen drauf. Sie durfte bereits ein Ski-verrücktes Paar auf dem Wilden Kaiser in Tirol mitten im Schnee ehelichen.

Freie Rednerin Tatjana Megerle bei einer Hochzeit auf dem Wilden Kaiser in Tirol. Sie sagt: "Heiraten im Winter kann auch schön sein."
Hochzeit im Winter: Die Freie Rednerin Tatjana Megerle schwärmt noch heute von der "Winter-Wonderland-Hochzeit" mitten in den Bergen auf dem Wilden Kaiser in Tirol. Privat/Puck Sophie

Heiraten im Schnee? "Her damit!"

"Es war eine absolute Winter-Wonderland-Hochzeit. Es war ein Traum - direkt an der Skipiste, mit viel Sonnenschein", erzählt Megerle. Schon die Anreise sei spektakulär gewesen: "An dem Morgen gab es fast einen Meter Neuschnee."

Wir mussten mit Schneeketten hoch und waren dann mehr oder weniger das ganze Wochenende über gefangen auf der Alm.

Aber schöner hätte so eine Winterhochzeit nicht sein können, freut sie sich. "Her damit", meint Maike Endresz. Sie würde sich über eine solche Anfrage freuen. Vermutlich genauso wie der katholische Pfarrer Manuel Hammer aus Heilbronn-Böckingen. "Eine Anfrage für eine Hochzeit auf der Ski-Hütte hatte ich bisher nie", so Hammer und ergänzt: "Leider."

Kirchliche Wintertrauungen eher die Ausnahme

Generell gebe es derzeit wenige Hochzeiten, "aber in den Wintermonaten so gut wie gar nicht", beschreibt er die momentane Situation: "Vielleicht eine im Jahr, aber das sind wirklich Ausnahmen." Die Städte Crailsheim und Schwäbisch Hall bekräftigen diese Feststellung: "Das Jahr 2025 war bei uns allgemein kein starkes Hochzeitsjahr."

Persönlich erlebe Pfarrer Hammer aber, dass viele Paare nicht mehr am Wochenende heiraten, sondern auf Wochentage umsteigen. Auch er nennt freie und meist günstigere Locations als Gründe dafür. Der Trend geht wohl zum "Wedding-Wednesday".

Hochzeitsgäste mit Regenschirmen vor einer Kirche (Symbolbild). Heiraten im November kann wettertechnisch eine Herausforderung sein.
Das Wetter im November spielt wohl eine wichtige Rolle: Heiraten mit Regenschirm muss man schon wollen. picture alliance / dpa | Tobias Hase

Winterhochzeiten: Zählt für die Paare eher das Herz oder der Verstand?

Die "Villa Oriental", eine Hochzeits-Location in Ahorn-Schillingstadt (Main-Tauber-Kreis) würde sich über mehr Buchungen im Winter freuen. Trotz Fußbodenheizung, Kaminzimmer, Eisstockbahn, Glühweinbar und einem Kuschel-Lounge-Bereich vor dem Kamin fehlen die Trauungen im November und Dezember. "98 Prozent unserer rund 75 Hochzeiten pro Jahr finden zwischen April und Oktober statt", sagt Betreiber Steffen Schürle.

Dennoch oder vor allem deshalb tüftelt er gerade noch an einer "Top-Secret-Idee", wie er es nennt. Er will eine gebrauchte Schneekanone aus dem Schwarzwald kaufen - für ein echtes Winter-Wonderland, das die Heiratswilligen anzieht.

Winterhochzeit im November oder Dezember - Herz oder Verstand?

Die meisten Gründe, im November oder Dezember zu heiraten, sind aber ganz praktischer Natur. Das sagten zumindest viele Menschen in der Heilbronner Fußgängerzone dem SWR. Michael Rack aus Neckarsulm-Obereiesesheim (Kreis Heilbronn) erzählt, er habe da geheiratet, "weil wir uns da kennengelernt haben". Und er ergänzt, dass habe auch einen tollen Nebeneffekt:

Als Schwabe kann man das mit Weihnachten verbinden: Da muss man ja nur einmal Geschenke kaufen.

Die schwäbische Sparsamkeit hat der Ehe aber keinen Abbruch getan. Denn die beiden sind jetzt 34 Jahre verheiratet. "Also hat Glück gebracht", freut sich Rack.

Praktischer Hochzeitstag - romantische Hochzeitsreise

Ilona Schwarz und ihr Mann wählten das Hochzeitsdatum aus eher pragmatischen Gründen: "Wir hatten da einfach frei." Die Hochzeitsreise ging dann aber doch zu einem romantischen Ziel: "Wir sind nach Paris gefahren und in die Museen gegangen. Da ist es eigentlich egal, ob es Sommer oder Winter ist."

Kurz, aber sehr ehrlich ist die Antwort eines Mannes: "Meine Frau war schwanger. Da war sie schon im dritten Monat." Hingegen schwärmt Ivonne Schneider über ihre Leidenschaft für die kalte Jahreszeit: "Ich wollte schon immer eine Winterbraut sein", sagt sie. Im Sommer sei es doch viel zu heiß: "Im November war’s kalt, gemütlich, tolle Fete." Ihr Hochzeitstag: Der 11.11.2003.

Heilbronn

Ohne große Vorbereitung Pop-up Hochzeit in Heilbronn: Sich spontan das Ja-Wort geben

Ohne großen Aufwand heiraten, das war in Heilbronn bis zum Samstagabend in der evangelischen Kilianskirche möglich. Voraussetzungen gab es nur wenige.

SWR4 am Samstag SWR4

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Ulrike Schirmer
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