Was als lustiger Satz am Rande eines Trainings begann, hat Hundetrainerin Barbara Gerlinger aus Bad Friedrichshall (Kreis Heilbronn) innerhalb weniger Wochen vermutlich international bekannt gemacht. Hobby Dogging, also Hundetraining ohne Hund, war ursprünglich nichts weiter als eine spontane Reaktion auf einen frustrierenden Arbeitstag. Heute klicken sich Menschen aus aller Welt durch ihre Videos, teilen sie und kommentieren den ungewöhnlichen Trend.
Hobby Dogging - wie alles begann: Aus Frust wird eine Idee
Seit mehr als 20 Jahren bringt Barbara Gerlinger Hundehaltern bei, wie sie ihre Vierbeiner souverän führen. Ihr Beruf ist ihre Leidenschaft. Doch an jenem Trainingstag lief es einfach nicht rund. Die 65-Jährige hatte den Eindruck, keiner kapiert, was sie vermitteln will. "Mach’s doch wie in Amerika, die laufen dort Gassi ohne Hund", sagte einer der Hundebesitzer im Spaß.
Das ließ sich Barbara Gerlinger nicht zweimal sagen. Sie entschied: "Das probiere ich aus." Zuhause bastelte sie spezielle Leinen für ein Übungsprogramm, bat ihren Sohn zu filmen wie sie ohne Hund trainierte - durch Stangen und an Hürden vorbei - und stellte die ersten Videos online. "Ich wollte sehen, ob die Leute mich verstehen", sagt sie heute.
Hass, Häme - und ganz viel Humor in Social Media
Was dann passierte, können Barbara Gerlinger und ihr Sohn bis heute kaum glauben. Innerhalb kürzester Zeit landeten die Hobby-Dogging-Clips auf verschiedenen Social-Media-Plattformen, begleitet von einem Sturm an Kommentaren.
Nicht alle sind freundlich: "Was ist eigentlich, wenn man den Hund von der Leine lässt? Den findste doch nie wieder", schreibt ein Nutzer. Und ein anderer postete ein Foto eines leeren Hundekorbs und wollte seinen "Hobby Dog" mit den Worten vermitteln: "Haart nicht und will nur knuddeln."
Gerlinger nimmt das mit Fassung und Humor. "Ja, es ist richtig, es ist ein bisschen verrückt", sagt sie gelassen. "Aber was ist nicht verrückt. Wir leben in einer verrückten Welt." Und je länger darüber berichtet wird und die Videos sich verbreiten, desto mehr Zustimmung bekomme sie, erzählt die Hundetrainerin. Das Training ohne Hund sei total entspannend und meditativ.
Mentales Training statt skurriler Show
Denn was im Netz schnell als skurriles Spektakel wahrgenommen wurde, hat für Barbara Gerlinger einen ernsthaften Hintergrund. Hobby Dogging ist für sie "mentales Training", ein Warm-up für Hundehalter, die oft gestresst direkt aus dem Job zum Training kommen.
"Du kannst nicht mit dem Tier arbeiten, wenn du nicht bei dem Tier bist", davon ist sie überzeugt. Die Trockenübungen helfen, den Kopf freizubekommen und sich anschließend besser auf den Hund einzulassen. Viele ihrer Kundinnen, denn meist sind es Frauen, schätzen genau das: Bewegung an der frischen Luft, Konzentration, Entschleunigung.
Und so macht sie weiter - nicht für Klicks, sondern für ihre Hundehalterinnen und Hundehalter. Und vielleicht auch ein bisschen für sich selbst.