In Mulfingen-Hollenbach (Hohenlohekreis) hat der Sportartikelhersteller JAKO seinen Umsatz in den vergangenen Jahren fast verdoppelt. Für 2025 soll erstmals die Marke von 200 Millionen Euro überschritten werden. Ein Hoffnungsträger für weiteres Wachstum ist der Einstieg in den Markt für Fußballschuhe. Zurzeit entsteht am Hollenbacher Stammsitz für 60 Millionen Euro ein neues Logistikzentrum. Es soll 2027 in Betrieb gehen.
Bekannt ist JAKO vor allem durch sein Engagement beim Fußball-Bundesligisten VfB-Stuttgart. Damit erfüllte sich für Gründer Rudi Sprügel ein Traum. Heute hat JAKO rund 400 Mitarbeitende, aber angefangen hat der ehemalige Spieler der Würzburger Kickers mal ganz klein.
"Heimlicher Herzenswunsch" VfB Stuttgart
Zu den Teams, die JAKO ausrüstet, gehören Clubs wie der FSV Mainz 05, Rot-Weiss Essen oder Preussen Münster. Im dritten Anlauf klappte es 2019 auch mit dem "heimlichen Herzenswunsch" von Rudi Sprügel - dem VfB-Stuttgart. Im Jahr 2022 stieg JAKO beim VfB zudem mit vier Millionen Euro auch als Investor ein.
Jako und Erfolgsfaktor Hohenloher Teamgeist
Seinen Stammsitz hat das Familienunternehmen im ländlich geprägten Mulfingen, etwa eine halbe Stunde Fahrt von der A6 entfernt. Im Ortsteil Hollenbach wohnen nur einige hundert Menschen, doch JAKO glaubt an den Standort. Die Bodenpreise sind niedrig, doch vor allem liege es an den Mitarbeitenden hier, sagt Yvonne Sprügel, die im Vorstand für Finanzen und Personal verantwortlich ist. Allein in der Verwaltung wurden 30 Prozent selbst ausgebildet.
JAKO mache ein besonderer Teamgeist erfolgreich, erläutert ihre Schwester, die Vorstandsvorsitzende Nadine Sprügel. Dies zeige sich im täglichen Umgang untereinander am Standort, aber auch in den langfristigen Beziehungen zu Händlern und Lieferanten. Solche Beziehungen will JAKO auch für ausländische Märkte aufbauen. Doch das braucht Vertrauen und Zeit.
Den erfolgreichen Unterschied machen die Menschen
Familienleben und die wilden 1990er
Angefangen hat die Hohenloher Erfolgsstory im Jahr 1989. Rudi Sprügel begann in der Garage seines Bruders Trikots und Trainingsanzüge an die Vereine in seiner Umgebung an den Flüssen Jagst und Kocher zu verkaufen. Daher der Name JAKO - JAgst und KOcher. Sprügel hatte bemerkt, dass die beiden großen deutschen Sportartikelhersteller diesen Markt kaum abdeckten und ließ in Asien entsprechende Kleidung produzieren.
Die Nische wird zum Erfolg, ab 1992 zieht er in den Ortsteil Hollenbach um und baut von dort aus kontinuierlich das Unternehmen aus. "Es ging chaotisch zu, viel Schlaf gab es nicht", erinnert sich Sprügel. Zwischen Expansion, Kunden-Events und ganz viel Fußball wachsen die Töchter Nadine und Yvonne in einer Männerdomäne auf. Sie bringen sich ein, mal als Kindermodel, beim Design, später im Ferienjob und heute im Vorstand.
Vertrauen zahlt sich aus - der Umgang mit Krisen
Bei allem Erfolg, es gab auch Krisen. 2006 kündigte überraschend der Hauptproduzent aus Fernost. Plötzlich mussten für 60 Prozent der Waren neue Hersteller gefunden werden. Das habe das Unternehmen zwei Jahre massiv beschäftigt und dem Ruf als zuverlässiger Lieferant geschadet, sagt Rudi Sprügel.
"Wir haben es dann mit viel, viel schlaflosen Nächten, Arbeit und Zusammenstehen irgendwie geschafft, dass sich die Situation ab 2008 wieder normalisierte."
Auch die Corona-Pandemie mit ihren Vereinssport-Verboten brachte JAKO und die Kunden aus dem Handel in Bedrängnis. Das Unternehmen kündigte an, keine Mitarbeitenden zu entlassen und stornierte auch die Aufträge in Fernost nicht, gab stattdessen dem Handel sogar Aufschub. Ein Vertrauen, das sich später auszahlte, als die Politik die Verbote schneller als gedacht aufhob.
Mehr Zeit für Stiftung und Enkel
Rudi Sprügel hat vor vier Jahren den Vorstandsvorsitz an seine Töchter abgegeben und ist in den Aufsichtsrat gewechselt. Seitdem hat er etwas mehr Zeit fürs Golfen und auch "als Opa macht er sich ganz vorzüglich", meint Ivonne Sprügel. Die Töchter haben ihm bei der Übergabe eine Stiftung geschenkt. Sie soll mehr Bewegung, Teamgeist und soziale Kompetenzen von Kindern fördern. Ein Beispiel sind Fußball AGs an Schulen. Hier engagiert er sich mit Begeisterung.