Neue Fachkräfte zu finden, ist nicht einfach. Vor allem Familienunternehmen müssen unkonventionelle Wege gehen, um sichtbar zu sein. Deshalb trafen sich solche familiengeführte Unternehmen mit rund 700 Bewerberinnen und Bewerbern aus ganz Deutschland beim sogenannten Karrieretag. Ausgetragen wurde die bundesweite Veranstaltung beim Hohenloher Messsystemhersteller und Ventilspezialist Bürkert in Ingelfingen-Criesbach (Hohenlohekreis).
60 Unternehmen aus ganz Deutschland wie die Schwarz Gruppe, dm oder HILTI wollten hier geeignete Fachkräfte finden - aber auf neue Art und Weise.
Jobsuche andersrum: Karrieretag deutscher Familienunternehmen bei Bürkert
Denn anders als sonst bei Messen üblich, reichten die Jobsuchenden schon vor dem Karrieretag ihren Lebenslauf ein. Damit wurden offene Stellen bei den teilnehmenden Unternehmen ermittelt, auf die der Bewerber oder die Bewerberin passen könnte. Mit den vorgeschlagenen Kandidatinnen und Kandidaten wurden vor Ort Interviews geführt - insgesamt über 1.000.
Bewerberinnen und Bewerber suchten sich also nicht ein Unternehmen aus, auf das sie zugehen wollten. Stattdessen wählten die Unternehmen aus einem Pool geeigneter Kandidatinnen und Kandidaten. Diese wiederum reisten aus ganz Deutschland nach Ingelfingen an.
Karrieretag als Chance: Familienunternehmen suchen Fachkräfte
Auch für die Unternehmen hat dieses Format Vorteile: Florian Brennenstuhl ist für das Personal bei Telegärtner Karl Gärtner GmbH aus Steinenbronn (Kreis Böblingen) verantwortlich. "Das Besondere an der Messe ist, dass die Leute sehr interessiert sind, sie wirklich Lust haben, etwas zu verändern und einen neuen Job zu suchen", sagt er. Die Qualität der Bewerbenden sei deshalb beim Karrieretag sehr gut.
Für Bewerber Mergin Doberdolani hat die Jobsuche beim Karrieretag einen Vorteil: "Es ist eine andere Atmosphäre als ein Bewerbungsgespräch im Büro." Außerdem kann er sich hier in verschiedenen Branchen umschauen. So will er entscheiden, wo es nach dem Studium hingeht.
Das ist schon echt spannend und man fühlt sich nicht wie eine Nummer. Man fühlt sich geschätzt. Und das finde ich so besonders an Familienunternehmen.
Laut Bürkert-Geschäftsführer Georg Stawowy haben Familienunternehmen weniger Strahlkraft als Großkonzerne. Familienunternehmen machten 90 Prozent der Unternehmen in Deutschland aus und stellten 60 Prozent der Arbeitsplätze: "Wir müssen auf uns aufmerksam machen, das geht gemeinsam besser", sagt er im SWR-Interview.
Der Karrieretag ist aber auch wichtig, um sich für die Zukunft gut aufzustellen, so eine Sprecherin von Bürkert. Hier kann das Unternehmen Kontakte mit potenziellen, späteren Bewerberinnen, Bewerbern und Fachkräften knüpfen. Und durch das Format könne man seine Bekanntheit über die Region hinaus steigern und auf ganz Deutschland ausweiten.
Konjunktur belastet auch Bürkert: Familienunternehmen investiert in Standort
Denn gerade in spezialisierten Bereichen Fachkäfte zu finden, sei nach wie vor schwierig, heißt es von Bürkert. Zudem belaste den Hersteller auch die aktuelle konjunkturelle Lage. Freie Stellen würden zurzeit nicht direkt nachbesetzt. Kurzarbeit oder konjunkturbedingte Kündigungen gibt es laut der Unternehmenssprecherin keine.
Bürkert wolle langfristig denken. Deshalb werden Investitionen, die bereits geplant waren, aktuell nicht eingestampft. Erst im Mai hatte das Unternehmen in Ingelfingen-Criesbach ein neues Kompetenzzentrum Kunststofftechnik eingeweiht.
In dem rund 6.000 Quadratmeter großen Gebäude sind jetzt alle Fachbereiche unter einem Dach, um die Fertigungsprozesse zu optimieren. Ingesamt hat Bürkert rund 20 Millionen Euro investiert, für das Hohenloher Familienunternehmen ein klares Bekenntnis zum Standort Deutschland.
Der nächste Karrieretag "Familienunternehmen" findet am 14. November 2025 bei FIEGE in Münster statt. Er ist eine gemeinsame Initiative von Familienunternehmen, des Entrepreneurs Club und der Stiftung Familienunternehmen. Den Karrieretag gibt es seit 2006 und zum zweiten Mal bei Bürkert in Ingelfingen.