Wenn der Notruf nicht ankommt

"Tal der Anschlusslosen": Leben ohne Handyempfang in Mulfingen-Eberbach

Der Mobilfunkmast ist genehmigt, gebaut wird nicht. In Mulfingen-Eberbach im Hohenlohekreis leben die Menschen weiter ohne Handyempfang – und arrangieren sich notgedrungen.

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Von Autor/in Timo Leiß

In und um Mulfingen müssen Gemeinde und Einwohner mit vielen Funklöchern und teils schlechtem oder gar keinem Handy-Empfang leben - zum Ärger der Gemeinde und der Menschen vor Ort. Besonders löchrig ist das Netz im Teilort Eberbach. Dort beschweren sich viele darüber, dass sie gar kein mobiles Netz haben.

Eberbacher helfen sich gegenseitig mit WLAN

Dagmar Prümmer lebt und arbeitet schon seit Jahren im Eberbacher Mobilfunkloch. Die Familie bertreibt einen kleinen Getränkemarkt und Festservice. Die Funklöcher im oberen Jagsttal kennt sie in- und auswendig. Mit schlechtem Empfang hat sie sich mittlerweile arrangiert - sich dauernd darüber zu ärgern, bringe ohnehin nichts, sagt sie. Stattdessen helfen sich die Bewohner gegenseitig.

Mobilfunkloch in Mulfingen-Eberbach (Hohenlohekreis). Anwohnerin Dagmar Prümmer auf der Suche nach Handyempfang und WLAN.
Dagmar Prümmer lebt und arbeitet im Eberbacher Handy-Funkloch.

Die Prümmers und auch andere Anwohner des kleinen Ortes stellen sich gegenseitig ihr heimisches WLAN zur Verfügung. "Tal der Anschlusslosen" heißt ein offener WLAN-Spot im Ort. Die Reichweite ist begrenzt, reicht aber zumindest für grundlegende Internetverbindungen. Eine dauerhafte Lösung ist das nicht – eher eine Notgemeinschaft.

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Wie ärgerlich das Funkloch ist, zeigt sich regelmäßig bei Veranstaltungen. Beim jährlichen Gassenfest musste im vergangenen Jahr der Festnetzanschluss eines Anwohners genutzt werden. Ein Telefonkabel wurde kurzerhand aus dem Wohnzimmer nach draußen zum Stand der Organisatoren gelegt.

Mobilfunkmast genehmigt – Bau verzögert sich

Der Ärger in dem kleinen Ort an der Jagst ist auch deshalb groß, weil sich der Ausbau hinzieht. Mit rund 200 Einwohnern steht Mulfingen-Eberbach nicht gerade oben auf der Liste der großen Mobilfunkanbieter, das weiß auch Mulfingens Bürgermeister Sören Döffinger (CDU). Sein Frust über die Verzögerungen ist aber mit den Jahren gewachsen.

Mehrere zusätzliche Mobilfunkmasten sind rund um Mulfingen schon seit Jahren in Planung - in Betrieb ist bislang keiner davon. Die Freigabe für den Mast bei Eberbach hat die Gemeinde bereits 2023 beschlossen. Auch die Baugenehmigung gibt es schon seit 2024.

Auf dieser Wiese bei Mulfingen-Eberbach sollte schon längst ein Mobilfunkmast stehen.
Der künftige Standort des geplanten Mobilfunkmasten bei Mulfingen-Eberbach

Oberhalb von Eberbach, am künftigen Standort des Masten ist aber von Bauarbeiten keine Spur. Wie das zuständige Mobilfunkunternehmen mitteilt, müssten erst noch die Baukosten neu berechnet und weitere Details geklärt werden.

Ausbaupläne – aber Funklöcher bleiben

Fast 90 Prozent der Mulfinger Haushalte haben nach Zahlen der Bundesnetzagentur über mindestens einen der Mobilfunkanbieter 5G-Netz. Das klingt aber besser als es ist: Funklöcher zwischen den recht weit verstreuten Teilorten von Mulfingen bleiben bei der Berechnung so außen vor. Einige Anbieter decken immer noch weniger als zwei Drittel der Fläche der Gemeinde ab.


O2 und Vodafon wollen aber zusätzlich zu Eberbach auch in den Mulfinger Teilorten Hollenbach und Simprechtshausen weitere Masten errichten. Die Telekom plant vor Ort keinen eigenen Ausbau, will sich aber auf die Masten der Konkurrenten aufschalten lassen. Am weitesten sind wohl die Pläne für Simprechtshausen gediehen, der Mast soll des Anbieters O2 zufolge bis zum nächsten Sommer in Betrieb gehen.

Wenn Hilfe nur mit Umwegen erreichbar ist

Den Menschen in Eberbach helfen diese Pläne zunächst nicht. Auf dem Schnee der letzten Tage blieb vor kurzem ein LKW-Fahrer hängen, den sein Navi auf den Koch-Jagst Radweg geführt hatte. Er musste dann nach Eberbach laufen und sich Hilfe suchen. Mit einem Traktor eilte der Schwager von Dagmar Prümmer herbei - der Versuch, den 40-Tonner so wieder flott zu machen, scheiterte aber.

In Mulfingen-Eberbach musste einen liegengebliebener LKW geborgen werden. Der Fahrer hatte sich im Funkloch verfahren und musste zu Fuß Hilfe holen.
Ein liegengebliebener LKW-Fahrer ist mit seinem 40-Tonner im Eberbacher Funkloch gestrandet.

Solche Situationen seien keine Ausnahme, sagt Dagmar Prümmer. Sie sorgt sich vor allem um Radfahrer oder Spaziergänger entlang der Jagst, die im Notfall keinen Notruf absetzen könnten. Der fehlende Mobilfunk ist für viele ein echtes Sicherheitsproblem – bringt die Dorfgemeinschaft aber auch enger zusammen.

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