Bürgermeister: Mit blauem Auge davongekommen

Ätzend und hochgiftig: 900 Liter Eisenchlorid teilweise in die Jagst geflossen

In Kirchberg an der Jagst sind rund 900 Liter Eisen-III-Chlorid am Ufer ausgetreten und teilweise in die Jagst geflossen. Schuld ist ein beschädigter Transportbehälter.

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Von Autor/in Ulrike Schirmer

Ein beschädigter Chemikalienbehälter hat am Donnerstagmorgen in Kirchberg an der Jagst (Kreis Schwäbisch Hall) für einen größeren Feuerwehreinsatz entlang des Uferwegs gesorgt: Drei Behälter sollten zur dortigen Kläranlage transportiert werden. Dabei wurde einer der Behälter im Bereich der Jagstbrücke beschädigt: Rund 900 Liter der ätzenden und gesundheitsschädlichen Chemikalie Eisen-III-Chlorid traten daraufhin aus und gelangten teilweise in die Jagst.

Hohe Wasserführung der Jagst wirkt verdünnend

Nach Angaben der Stadt ist das Eisenchlorid zunächst im Bankett- und Bodenbereich entlang des Uferwegs versickert und anschließend auch in die Jagst gelaufen. "Es ist eine Säure und eigentlich tödlich für Fische", sagte Bürgermeister Axel Rudolph (parteilos) im SWR-Interview vor Ort. Dennoch sei man mit einem blauen Auge davongekommen.

Denn derzeit führt die Jagst so viel Wasser, dass sich dadurch das ausgetretene Eisen-III-Chlorid sehr schnell verdünnt habe. Die mögliche Wirkung habe sich deshalb rasch abgeschwächt, heißt es: "Wir können bis jetzt keine Beeinträchtigung der Lebewesen feststellen."

Eisen-III-Chlorid versickert: Boden ausgehoben

Der Bodenbereich wurde noch am Donnerstag fachgerecht ausgehoben und entsorgt, so Rudolph. Um mögliche Gefahren einzudämmen, wurde eine Dekontaminationsstelle eingerichtet. Laut Bürgermeister Rudolph besteht für die Bevölkerung keine Gefahr. Die Straße im Bereich der Brücke am Uferweg zur Kläranlage bleibt vorerst gesperrt.

Der Bereich am Ufer der Jagst in Kirchberg, an dem sich der Chemieunfall ereignete, ist derzeit noch abgesperrt. Der Boden wurde ausgehoben und entsorgt.
Der Bereich am Ufer der Jagst in Kirchberg, an dem sich der Chemieunfall ereignete, ist derzeit noch abgesperrt. Der Boden wurde ausgehoben und entsorgt.

Bürgermeister und Polizei: "Bisher keine toten Fische"

Ob Fische oder andere Tiere tatsächlich nicht betroffen sind, werde in den kommenden Wochen zusammen mit dem örtlichen Fischereiverein und der Ortsgruppe des Naturschutzbundes geprüft und überwacht. "Bislang gibt es kein Fischsterben oder Wasserbeeinträchtigung", sagte auch ein Sprecher des zuständigen Polizeipräsidiums Aalen am Freitagmorgen.

Durch die Feuerwehr und die Umweltbehörde wurden Wasserproben entnommen, um mögliche Auswirkungen auf die Jagst zu überprüfen. Parallel wurden vorsorgliche Maßnahmen eingeleitet, um die Situation weiter zu kontrollieren.

Erinnerung an das Fischsterben von 2015

Die aktuelle Verunreinigung an der Jagst ist nicht die erste dieser Art. Bereits vor gut zehn Jahren kam es zu einer verheerenden Umweltkatastrophe, als nach einem Brand in der Lobenhäuser Mühle ammoniumnitrathaltiger Dünger in die Jagst gelangte. Damals wurden rund 20 Tonnen tote Fische aus dem Fluss geborgen.

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Die beiden Unglücke seien zwar nicht vergleichbar, aber es gebe aufgrund der Katastrophe von 2015 eine "sehr hohe Sensibilisierung bei allen Beteiligten", so Rudolph weiter. "Ich war sehr erleichtert, als der stellvertretende Kreisbrandmeister gegen Mittag Entwarnung geben konnte."

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Neue Brücke? Zufahrt zur Kläranlage soll neu gebaut werden

Dennoch soll sich langfristig etwas ändern, kündigte der Bürgermeister an. Der Zugang zur Kläranlage sei baulich sehr schwierig gestaltet - nur über eine schmale Brücke komme man dorthin. Schon in Planung sei, die gesamte Zugangssituation zur Kläranlage so zu verändern, dass auch Schwerlastzüge bis zur Kläranlage Material transportieren können.

"Wir gehen davon aus, dass die Brücke neu gebaut werden muss", sagte er. Kurzfristig soll der Vorfall jetzt aber erstmal aufgearbeitet werden, so Rudolph weiter, damit so etwas künftig verhindert werden kann.

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