Vor dem Heilbronner Landgericht hat am Montag der Prozess gegen einen Mann aus dem Neckar-Odenwald-Kreis begonnen. Er soll im Januar in einer Firma in Bad Friedrichshall (Kreis Heilbronn) auf drei Kollegen geschossen haben. Zwei starben, ein weiterer wurde schwer verletzt. Die Staatsanwaltschaft wirft dem heute 53-Jährigen zweifachen Mord und versuchten Mord vor. Zum Beginn des Prozesses ließ der Angeklagte über seinen Anwalt ausrichten, er werde sich weder zur Sache noch zu seiner Person äußern.
Großer Andrang vor Gericht: Viel Beistand für die Witwen
Die Tat hatte nicht nur in der näheren Umgebung von Bad Friedrichshall für Entsetzen gesorgt. Der Andrang zum Prozessbeginn war entsprechend groß. Vor allem Kolleginnen und Kollegen sowie Freunde der Witwen der beiden verstorbenen Männer, die noch dazu Brüder waren, waren im Publikum. Die Zuschauerinnen und Zuschauer, wie auch der Angeklagte und das Gericht, mussten allerdings nach einer knappen Stunde erst einmal wieder warten, da der 53-Jährige sich nicht äußern wollte. Die für den ersten Prozesstag geladenen Zeugen kamen erst später am Montagnachmittag.
In der entsprechenden Pause wurde es dann auch kurz emotional. Kollegen, Witwen und Freunde der Opfer lagen sich in den Armen, es flossen Tränen. Die Kernaussage war, man wolle füreinander da sein - bis zum Ende des Prozesses. Angesetzt sind Verhandlungen bis Mitte Oktober. Allerdings steht auch einiges auf dem Programm. Am Montagnachmittag kamen die ersten Zeugen zu Wort. Insgesamt sind 119 Personen geladen, die etwas zu der verheerenden Nacht im Januar sagen können.
23 Schüsse in 75 Sekunden: Prozessauftakt nach Tat in Bad Friedrichshall
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hat der Angeklagte 23 Mal auf drei seiner Arbeitskollegen geschossen - aus Neid und Wut, wie es heißt. Auf einen der Brüder soll er laut Anklage neidisch gewesen, weil dieser als Leiter der Arbeitsgruppe auch für die Verteilung der Maschinen zuständig gewesen sei. Auf den anderen Bruder sei er wütend gewesen, weil er nach dessen Rückkehr aus einer Krankheit eine Maschine wieder räumen musste, die er vertretungsweise bediente.
"Diese Gefühle stauten sich immer mehr auf", sagte die Staatsanwältin bei der Verlesung der Anklage. Der Mann habe dann den Entschluss gefasst, seine Kollegen zu töten. Ein weiteres Detail: Die 23 Schüsse sollen in gerade einmal 75 Sekunden abgegeben worden sein.
Hinzu kommt, dass der Mann von seinem Wohnhaus im etwa 30 Kilometer entfernten Seckach (Neckar-Odenwald-Kreis) mit geladener Waffe wohl eine knappe halbe Stunde zu dem Unternehmen gefahren ist. Daher scheint die Tat nicht nur geplant gewesen zu sein, der mutmaßliche Täter hätte auch mehr als genug Zeit gehabt, es sich doch noch einmal anders zu überlegen und eben nicht zu schießen.
Maskiert das Feuer eröffnet: Nur ein Mann konnte fliehen
In Bad Friedrichshall habe der Mann dann maskiert den Pausenraum betreten und abgedrückt, heißt es in der Anklage. Die beiden Brüder erlagen noch am Tatort ihren Verletzungen, ein dritter Mann überlebte schwer verletzt. Ein vierter Kollege konnte rechtzeitig aus dem Pausenraum fliehen und blieb unverletzt. Die Tat ereignete sich in einem Betrieb der Firma Hänel in Bad Friedrichshall.
Die Polizei nahm den mutmaßlichen Täter noch am selben Abend in seinem Wohnhaus in Seckach fest. Dort wurden auch mehrere Waffen gefunden, die der Mann legal besessen haben soll. Die Staatsanwaltschaft geht daher aktuell davon aus, dass der 53-Jährige auch legal im Besitz der mutmaßlichen Tatwaffe war. Ihm werden nun zweifacher Mord und versuchter Mord vorgeworfen - es droht eine lebenslange Freiheitsstrafe.
Firma Hänel: Psychologische Betreuung abgeschlossen
Die Tat hat das Unternehmen und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tief erschüttert. Es sei aber gelungen, "neben der Verarbeitung des Geschehenen den Fokus in die Zukunft zu richten", heißt es in einer Stellungnahme, die dem SWR vorliegt. Dies sei auch dank vieler Unterstützenden möglich gewesen. Denn direkt nach dem Vorfall kamen Notfallseelsorger zum Einsatz, später übernahmen Psychologen die Betreuung der Belegschaft. Die psychologische Begleitung wurde mittlerweile abgeschlossen, kann laut Unternehmen aber bei Bedarf jederzeit wieder aufgenommen werden.
Um den Mitarbeitenden den Alltag zu erleichtern, wurde der Pausenraum, in dem die Schüsse fielen, komplett umgebaut. Zudem unterstütze die Firma die Angehörigen der beiden Verstorbenen sowie des Schwerverletzten finanziell, heißt es.