Was passiert, wenn auf einem voll besetzten Volksfest plötzlich ein Fahrgeschäft stehen bleibt oder mitten zwischen den Buden und Ständen ein Brand ausbricht? Mit genau solchen Szenarien hat sich die Feuerwehr Lauda-Königshofen (Main-Tauber-Kreis) jetzt auf der Königshöfer Messe beschäftigt. Während Vorfälle auf dem Münchner Oktoberfest zuletzt gezeigt haben, dass auch seltene Notlagen eintreten können, probten die Einsatzkräfte an einem der beiden messefreien Tage den Ernstfall - sogar am Riesenrad.
Königshöfer Messe: Feuerwehr trainiert Riesenrad-Evakuierung
Besondere Aufmerksamkeit zog auf jeden Fall die Drehleiter am Riesenrad auf sich. Dort simulierte die Feuerwehrleute die Rettung von Fahrgästen aus großer Höhe. Kein alltäglicher Einsatz, meint Kommandant Jochen Klingert. Das sei etwas anderes als die Rettung aus oberen Stockwerken von Wohnhäusern, denn das komme öfter vor.
Die Drehleiter wiegt in etwa 16 Tonnen. Da hat man nicht immer die Möglichkeit, das Fahrzeug so nah an das Gerät stellen zu können, dass man da auch wirklich vernünftig hochkommt.
Dennoch betont Klingert, dass eine tatsächliche Rettung aus einem Riesenrad äußerst unwahrscheinlich sei. Selbst bei einem Stromausfall gebe es Sicherheitsvorkehrungen, die einen manuellen Betrieb ermöglichen. Die Möglichkeiten vor Ort den Ernstfall proben zu können, sei aber dennoch wertvoll gewesen, so Klingert weiter.
Premiere: Brand mitten auf dem Festgelände simuliert
Die Übung zwischen all den Ständen fand so übrigens zum ersten Mal statt und war somit eine Premiere. Zwar haben die Einsatzkräfte die Jahre zuvor ähnliche Szenarien auf dem Festplatz trainiert, aber ohne Buden und ohne Fahrgeschäfte.
Wir haben seit Jahren schon ein Konzept, wie wir bei möglichen Bränden auf dem Messegelände vorgehen könnten.
Nun habe die Feuerwehr erstmals überprüft, ob die Planungen auch unter realen Bedingungen funktionieren - sie nahm die Fahrgeschäfte genauer unter die Lupe, und auch mögliche Rettungswege und Zufahrten wurden überprüft. Oder auch die Frage, wo denn genau die Hydrantenstandorte sind, wurde geklärt. Denn, wenn es brennt, muss es schnell gehen.
Mit insgesamt sechs Fahrzeugen simulierten die Einsatzkräfte ein Feuer auf dem Festgelände. Besonders wichtig war dabei die Frage, wie die Feuerwehr trotz der aufgebauten Stände schnell zum Einsatzort gelangt. Von zwei Seiten bereiteten die Feuerwehrleute einen Löschangriff vor und leiteten ihn ein.
Blick auf mögliche Risiken
Das alles sei Teil des neuen Sicherheitskonzepts, so Klingert. Dazu zähle auch die Bewertung möglicher Gefahren an den einzelnen Ständen - von Gasinstallationen bis hin zu Starkstromanschlüssen müsse alles geprüft werden. Und so ganz nebenbei "kennen die Einsatzkräfte jetzt die Standbetreiber, die Standbetreiber kennen die Feuerwehr", so Kommandant Klingert: "Das heißt, wir haben da auch kurze Absprachewege [...] und auch eine tolle Zusammenarbeit."
Nach dem erfolgreichen Testlauf soll es deshalb nicht bei einer einmaligen Aktion bleiben. Künftig will die Feuerwehr jedes Jahr auf dem Gelände der Königshöfer Messe üben - jeweils mit unterschiedlichen Szenarien. Und immer an einem messefreien Tag: "Das ist natürlich ein besonderes Highlight, wenn man dann auch an so einem Tag, an dem jetzt mal messefrei ist, auf das Gelände darf und sich die Sachen in Ruhe angucken kann", so Klingert.
Und dass die Rettung aus Fahrgeschäften oder die Evakuierung eines Riesenrad mittlerweile ebenso wichtig sind, zeigen die aktuell Szenarien auf dem Münchner Oktoberfest. Denn dort blieben am ersten Wochenende Besucherinnen und Besucher nach einem technischen Defekt mehrere Minuten kopfüber in einem Fahrgeschäft hängen. Und am Montagabend starb sogar ein Mitarbeiter. Er wurde von einem Fahrgeschäft getroffen und tödlich verletzt.