Auch zwei Tage nach der Tat ist die Betroffenheit in Niedernhall (Hohenlohekreis) groß. Zahlreiche Angehörige und Bekannte des gestorbenen 12-jährigen Jungen trauern am Samstag am Tatort. Aber auch Menschen, die ihre Anteilnahme zeigen möchten, kommen auf den Supermarktparkplatz und legen Blumen nieder und zünden Kerzen an. Der Betrieb in den Einkaufsmärkten rund um den Parkplatz lief am Samstag normal weiter. Für die Familie des Verstorbenen wurde eine Spendenaktion ins Leben gerufen.
Am Donnerstagabend soll ein 18-Jähriger nach einem vorausgegangen Streit den 12-Jährigen auf seinem Fahrrad mit dem Auto gezielt umgefahren haben, davon geht die Polizei aus. Der Junge starb noch vor Ort. Der mutmaßliche Täter sitzt seit Freitag in Untersuchungshaft. Ihm wird Totschlag vorgeworfen. Die genauen Hintergründe zum Tathergang sind auch am Samstag noch unklar. Zum Stand der Ermittlungen sagte die Polizei am Samstag nichts.
Kind wird von Auto von 18-Jährigem angefahren und stirbt: Bürger fassungslos
"Ich bin selbst frisch Vater geworden", erzählt etwa Mario Ostrowski, der am Samstag auf den Parkplatz gekommen ist. "Das ist unverständlich, wie so etwas passieren kann", sagt er. Er kennt die Eltern und den verstorbenen Jungen. "Das tut im Herzen weh", sagt er. Er habe den Eltern schon seine Unterstützung angeboten.
Manuel Bayer ist ebenfalls zum Tatort gekommen. Er kann die Tat immer noch nicht fassen: "Dass ein Streit so eskalieren kann und man ein Auto als Waffe benutzen muss, um ein Kind anzufahren [...] ich verstehe es nicht." Die Angehörigen am Tatort zu erleben, war für ihn furchtbar, "da kommen einem selbst die Tränen", sagt er. Er hat eine Rose für den Verstorbenen niedergelegt.
Auch Regina Petruschat aus Jagsthausen (Kreis Heilbronn) berührt die Tat sehr: "Es kann ja nichts Schlimmeres passieren, wie wenn man ein Kind auf so eine Art und Weise verliert." Zur Unfallstelle könne sie nicht, weil sie es nicht ertragen würde. Um zu trauern, war sie deshalb am Samstag in der Kirche.
Ich war fassungslos, da findet man keine Worte.
Gedenkstätte in der Laurentiuskirche: Menschen kommen zum Trauern
In der evangelischen Laurentiuskirche in Niedernhall wurde ein Ort zum Trauern errichtet. Auch dort legen Menschen Blumen und Kränze nieder und zünden Kerzen an. Zudem liegt ein Kondolenzbuch aus, in das sich schon zahlreiche Menschen eingetragen haben, um ihre Anteilnahme zu bekunden.
ebm-papst Marathon im Zeichen der Trauer
Rund 3.000 Menschen sind am Wochenende laut Veranstalter für den traditionellen ebm-papst Marathon angemeldet, der in Niedernhall stattfindet. Rund 10.000 Besucherinnen und Besucher werden erwartet. Wie die Veranstalter bereits am Freitag bekannt gaben, wird der Marathon in veränderter Form stattfinden.
Schweigeminuten sollen bei jedem Start an den Verstorbenen erinnern, zudem soll auf Musik verzichtet werden und die Fahnen auf Halbmast wehen. Mehrere Gedenkstätten sollen den Menschen helfen, mit dieser Tragödie umzugehen, erklärt Ralf Herrmann, Vorsitzender des TSV Niedernhall.
Wir werden den Marathon stattfinden lassen, aber wir werden auch gebührend dieses Ereignis in die Organisation mit einbinden lassen. Wir werden der Trauer der Menschen Raum geben.