Oma kurz vor Prozessbeginn verstorben

Eigene Großmutter betrogen: Angeklagter legt umfassendes Geständnis ab

Familiendrama vor dem Heilbronner Landgericht: Ein Mann soll seiner Oma rund eine halbe Million Euro abgeluchst haben. Die 89-Jährige verstarb am Donnerstagmorgen vor Prozessbeginn.

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Von Autor/in Ulrike Schirmer, Annina Klingebiel

Ein Fall von familiärem Vertrauensbruch beschäftigt derzeit das Landgericht in Heilbronn: Seit Donnerstag muss sich ein 35 Jahre alter Mann aus Heilbronn unter anderem wegen Untreue verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, seine damals 85-jährige Großmutter um rund eine halbe Million Euro betrogen zu haben. Die Frau verstarb am Donnerstagmorgen noch vor Prozessbeginn. Sie sollte als Hauptzeugin gegen ihren Enkel aussagen.

Halbe Million Euro: Enkel ergaunert Familienvermögen von Oma

Der Prozess beginnt mit erheblicher Verzögerung: Bereits im vergangenen Jahr hätte die Verhandlung starten sollen. Doch die Stühle im Landgericht blieben damals leer. Nach gut drei Stunden hatte der Richter die Zeuginnen und Zeugen in den Sitzungssaal gerufen, musste sie aber unverrichteter Dinge wieder nach Hause schicken - auch die Oma, die die ganze Zeit über im Rollstuhl wartete.

Wie sich später herausstellte, war der Angeklagte ins Ausland geflüchtet. Laut Staatsanwaltschaft hatte sich der Heilbronner Unternehmer nach Serbien abgesetzt, wo er wenig später gefasst wurde. Anfang dieses Jahres wurde er nach Deutschland ausgeliefert. Seitdem sitzt der 35-Jährige in Untersuchungshaft.

Angeklagter sagt aus: So kam er an das Geld seiner Großeltern

Nach dem Tod seiner Großmutter wollte der Angeklagte dann ein umfassendes Geständnis ablegen. Demnach habe er die Kontovollmacht freiwillig von seinen Großeltern erteilt bekommen, um jedem Enkelkind ein Geldgeschenk in der Höhe von 90.000 Euro zukommen zu lassen. Für alle fünf Enkel wären das dann 450.000 Euro. Der Angeklagte sollte - auf Wunsch seiner Großmutter - das Bargeld dafür am Bankautomat abheben.

Innerhalb eines halben Jahres soll er so 130 Abbuchungen vom Konto seiner Oma getätigt haben. Das Geld will er dann auch an seine Großmutter weitergegeben haben. Trotzdem habe er sich, um seine Spielsucht zu finanzieren, auch an dem Bargeld bedient. Wie viel genau er genommen habe, könne er nicht mehr nachvollziehen. Es sei aber gut möglich, dass er fast das komplette Geld aufgebraucht habe.

Als die Bank anrief, um zu melden, dass das Konto leer geräumt wurde, geriet der Angeklagte in Panik. Daraufhin soll er seine Großmutter dazu gebracht haben, in einem Video zu erklären, dass der Angeklagte ihr einen Geldbetrag von 100.000 Euro überwiesen habe.

Trauer vor Gericht

Der Tod der Großmutter noch vor Prozessbeginn schien den Mann sichtlich zu erschüttern. Während seiner Aussage brach er in Tränen aus. Er wolle das Geld nach seiner Haftstrafe zurückzahlen und wegen seiner Spielsucht eine Therapie machen. Auch der zuständige Richter meinte, dass der Tod der Hauptzeugin den Prozess maßgeblich beeinflussen werde. Ein Urteil wird für Ende August erwartet.

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