Am Heilbronner Landgericht ist der Prozess gegen einen Familienvater gestartet, der sich im Juli mit seinen Kindern in seiner Wohnung in Rosengarten (Kreis Schwäbisch Hall) verschanzt haben soll. Ein Gerichtsvollzieher war an diesem Tag vor Ort und sollte die Kinder dem Jugendamt übergeben. Doch der Vorfall eskalierte, der Angeklagte soll einen Polizeibeamten mit einem Messer angegriffen haben. Erst ein Spezialeinsatzkommando (SEK) konnte ihn überwältigen.
Direkt zum Prozessbeginn schilderte der Mann seine Sicht der Dinge. Genauso berichtete der Polizist, der angegriffen worden sein soll. Der Einsatz belaste ihn auch heute noch.
SWR-Reporterin Luisa Funk hat den Prozesstag am Heilbronner Landgericht verfolgt:
Prozessbeginn: Versuchter Totschlag vorgeworfen
Die Staatsanwaltschaft wirft dem 35 Jahre alten Familienvater versuchten Totschlag, tätlichen Angriff auf Vollstreckungsbeamte und Freiheitsberaubung vor. Er soll einen der Polizisten mit einem Brotmesser angegriffen haben. Der Betroffene berichtete vor Gericht, erst einen Schlag am Oberarm und dann zwei Schläge auf seine Schutzweste gespürt zu haben. Die Weste hat demnach wohl verhindert, dass er körperlich verletzt wurde.
Psychische Folgen bei Polizist durch Einsatz in Rosengarten
Psychisch hat der Einsatz seiner Aussage nach jedoch Folgen hinterlassen. Der Beamte ist seit dem Einsatz im Juli krankgeschrieben. Der Vorfall belaste ihn sehr, er sei seit einigen Monaten in therapeutischer Behandlung. Bei ihm sei außerdem eine posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert worden. Die Geschehnisse des Einsatzes seien noch sehr präsent: "Den Tag vergesse ich nicht", sagte er vor Gericht.
Eine Wiedereingliederung sei gescheitert, so der Beamte. Er wolle nicht auf seine Polizeiwache zurückkehren, sondern etwas ohne Uniform machen. Wie es weitergehen soll, wisse er noch nicht.
Angeklagter aus Rosengarten gesteht Bedrohung mit Messer
Direkt zu Beginn des Prozesses hatte sich der Angeklagte vollumfänglich geäußert. Er gab zu, die Polizisten mit einem Messer bedroht zu haben. Er habe aber niemanden verletzen, sondern die Beamten nur einschüchtern wollen. Er habe in Panik gehandelt. Mit dem Messer habe er lediglich in die Luft seitlich an dem Beamten vorbei gezielt. Eine oder mehrere Berührungen habe es seiner Erinnerung nach nicht gegeben.
Mann aus Rosengarten verschanzt sich mit Kindern - SEK greift ein
Nach dem Angriff soll sich der Angeklagte mit den Kindern in der Wohnung verschanzt haben. Die Polizisten zogen sich zurück und forderten Verstärkung an. Ein Spezialeinsatzkommando stürmte später die Wohnung und nahm den Mann fest. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. Ein Urteil im Prozess wird Mitte Dezember erwartet, am Freitag geht der Prozess weiter.