Seit Dienstagmorgen steht in Heilbronn eine 45-jährige Frau vor Gericht: Sie soll im Januar dieses Jahres ihren vier Jahre alten Sohn vom Dachboden ihrer Wohnung in Bad Friedrichshall (Kreis Heilbronn) aus dem Fenster geworfen haben. Anschließend sprang sie laut Anklage selbst aus dem Fenster. Der Junge starb, sie selbst überlebte schwer verletzt. Jetzt muss sich die Frau wegen Mordes verantworten.
Angeklagte soll Vertrauen des Sohnes ausgenutzt haben
Die Staatsanwaltschaft hat der Frau am ersten Verhandlungstag vorgeworfen, das Vertrauen ihres Sohnes ausgenutzt zu haben. An jenem Tag im Januar soll die Frau ihren Sohn nach dem Zähneputzen unter einem Vorwand auf den Dachboden des Wohnhauses gelockt haben, um ihren Tatplan umzusetzen. Anschließend soll die zweifache Mutter ihren jüngsten Sohn dann aus über acht Metern aus dem Fenster geworfen haben.
Sohn aus dem Fenster geworfen: Mutter schildert Tat als Unfall
Die Angeklagte schilderte den Vorfall hingegen unter Tränen als Unfall. Sie und ihr Sohn hätten auf dem Dachboden des öfteren nach den Sternen geschaut. Sie sagte aus, sie hätte ihren Sohn auf den Arm genommen. Er hätte sich danach weggebeugt und von ihrer Hüfte weggestoßen. Sie konnte ihn anschließend nach eigenen Angaben nicht mehr festhalten und er fiel aus dem Fenster.
Die Sekunden danach kamen ihr "wie Ewigkeiten" vor. Sie könne nicht sagen, warum sie aus dem Fenster hinterher sprang. Sie hätte sich keine Gedanken gemacht und war nicht in ihrem Körper: "Ich habe einfach irgendwas gemacht."
Ihr Ehemann sagte vor Gericht am Dienstag als Zeuge aus. Er und der gemeinsame elfjährige Sohn, die beide zum Tatzeitpunkt in einem unteren Stockwerk des Hauses waren, hätten einen lauten dumpfen Schlag gehört. Nach kurzer Suche fanden sie die beiden vor dem Haus.
Tödlicher Sturz: Mutter wegen Mordes angeklagt
Der Sohn starb später im Krankenhaus an seinen schweren Verletzungen. Die Angeklagte wurde bei dem Sturz aus dem Fenster lebensgefährlich verletzt. Seit Ende Januar befindet sie sich in Untersuchungshaft. Zum Auftakt des Verfahrens sind insgesamt 21 Zeugen und zwei Sachverständige geladen. Ein Urteil wird für Ende August erwartet.