Cleebronn (Kreis Heilbronn) kann aufatmen. Hoch oben auf dem Funkmast recken sich kleine Schnäbel in die Höhe. Drei Storchenküken haben vor wenigen Tagen das Licht der Welt erblickt. Das Storchenpaar hat es trotz aller Widrigkeiten geschafft: Die Brut war erfolgreich.
Storchennest von Monteuren zerstört
Im vergangenen Herbst war das Nest der Störche durch Umbauarbeiten am Mast zerstört worden. Der Schock in Cleebronn war groß. Für viele Bewohnerinnen und Bewohner ist das Vogelpaar fester Bestandteil ihrer Dorfgemeinschaft. Zahlreiche Anwohnerinnen und Anwohner alarmierten umgehend die Behörden.
Vögel trotzen den Behörden Brutplatz zerstört: Störche aus Cleebronn erobern Funkmast zurück
Die Cleebronner Störche haben ihr Zuhause zurückerobert. Monatelang kam der Wiederaufbau des zerstörten Nests auf dem Mast nicht voran. Nun haben sich die Vögel selbst geholfen.
Schnell wurde klar, dass die Demontage gegen das Artenschutzrecht verstößt und strafrechtliche Folgen nach sich ziehen könnte. Die Reaktion der Behörden verlief jedoch schleppend: Zuerst wurde eine falsche Firma kontaktiert, was Zeit kostete. Erst Ende Januar konnte der richtige Betreiber des Funkmasts gefunden werden. Dieser wurde schließlich damit beauftragt, eine Plattform für das Storchenpaar zu bauen.
Wie das Storchenpaar sein Zuhause wieder aufbaute
Doch dann war es schon zu spät. Das Storchenpaar war aus dem Winterquartier zurückgekehrt und fand sein zerstörtes Zuhause vor. Nicht nur wurde das Nest entfernt - auch der Mast wurde umgebaut, sodass ein Wiederaufbau ihres Horsts zunächst unmöglich erschien. Doch das Storchenpaar gab nicht auf. Zweig für Zweig bauten sie ihr Zuhause wieder auf. Und schließlich schafften sie es doch, einen stabilen Horst zu errichten, mit genug Schutz und Wärme für den Nachwuchs.
Seit wenigen Tagen recken nun drei kleine Schnäbel neugierig aus dem Nest, wenn einer der Elternvögel mit Futter zurückkehrt. Die Küken sorgen für reges Interesse im Ort. Viele Anwohner kommen vorbei, um das neue Leben zu sehen. Es wird fotografiert, gestaunt, beobachtet - und gehofft. Denn die Küken haben noch einen steinigen Weg vor sich, bis sie es geschafft haben. Laut Vogelexperte Norwin Hilker könnten die nächsten 30 Tage für die Jungtiere kritisch werden.
Nachwuchs ist da: Kritische Phase für die Küken
"Die Küken brauchen rund einen Monat, bis sich das Gefieder und die Muskulatur so weit entwickelt haben, um sich gegen Widrigkeiten zu widersetzen", sagt Vogelkenner und Anwohner Norwin Hilker. Insbesondere starker Regen könnte tödlich für die Jungstörche sein und zum Ertrinken führen. Nach Einschätzung von Hilker liegt die Überlebenschance bei etwa 50 Prozent.
Doch für die Cleebronner ist bereits klar, dass die Jungstörche auch diese Herausforderung meistern werden. "Das sind Cleebronner. Und Cleebronner sind hart im Nehmen", sagt etwa Anwohner Richard Wagner am Funkmast.