Es wirkte wie eine echte Katastrophe: Rauch steigt über dem Umspannwerk auf, Feuerwehrsirenen heulen, Menschen suchen Unterstützung an Notfallposten. Doch das Szenario am Samstagmorgen in Eppingen (Landkreis Heilbronn) war inszeniert – ein simulierter Ernstfall, der die Einsatzkräfte auf einen realen Notfall vorbereiten sollte. Die Übung zeigte: Vielerorts besteht Handlungsbedarf. Die Kommunikation war unzureichend, und auch die Abläufe funktionierten nicht wie erhofft.
"Feuer" am Umspannwerk Eppingen
Ausgangspunkt der Übung war ein vorgetäuschter Brand am Umspannwerk: Das Feuer legte am frühen Morgen die Stromversorgung für mehr als 20.000 Menschen lahm. Die Feuerwehr reagierte schnell und rückte mit einem Großaufgebot zum ersten Löschangriff aus.
Die Flammen wurden zwar schnell unter Kontrolle gebracht, doch das Feuer hatte bereits einen stadtweiten Stromausfall verursacht. Nach der erfolgreichen Brandbekämpfung kamen erste Schwachstellen zu Tage.
So waren an sieben verschiedenen Stellen Notfalltreffpunkte eingerichtet, unter anderem in der Stadthalle. Dort sollten benzinbetriebene Generatoren für Notstrom sorgen. Doch der Stromanschluss der Halle war zunächst unauffindbar, was wertvolle Zeit kostete.
"Wenn man es halt vorher nie geübt hat, dann kann es eben sein, dass man kurzzeitig hektisch wird", räumte Jörg Haueisen, der stellvertretende Leiter des Notfallpostens, ein. Kurz darauf kletterte er aus einer Fensterluke, um das finale Kabel anzuschließen.
Ernstfall in Eppingen erprobt: Digitale Systeme versagen
Doch vor allem in der Kommunikation offenbarten sich Schwächen. Denn Geräte, die für die Koordination der Einsatzkräfte unerlässlich sind, versagten nach dem Stromausfall ihren Dienst. Oberbürgermeister Klaus Holaschke (parteilos) erhielt die Rückmeldung, "dass der Laptop, der sehr wichtig ist, um in der Kommunikation zu bleiben, über längere Zeit nicht funktioniert hat". Das hätte man sich anders gewünscht, so Holaschke.
Auch im Rathaus, wo der Krisenstab die verschiedenen Stellen koordiniert, sei es zu Störungen in der IT-Infrastruktur gekommen.
Krankenstation fehlt Ausrüstung: Eppingen muss nachbessern
So blieb auch die Leitung zur provisorischen Krankenstation im Kinderhaus stumm. Dort wurde eine medizinische Versorgungsstelle eingerichtet, um überfüllte Krankenhäuser zu entlasten. "Heute gab es uns gegenüber noch keine Kommunikation", klagte die im Kinderhaus zuständige Oberärztin Tatjana Hilker rund drei Stunden nach dem Stromausfall.
Auch sonst gab es zahlreiche organisatorische Lücken. "Es fehlen noch Feldbetten, es fehlen noch Decken. Außerdem sollten eigentlich Feuerwehrleute noch einen Sichtschutz anbringen" und auch die Notstromversorgung funktioniere nicht wie erwünscht, monierte Hilker.
Da muss nachgebessert werden.
Nach der Übung kommt die Analyse
Die Übung in Eppingen hat gezeigt, wo Verbesserungspotenzial besteht: Vor allem in der Kommunikation und in Sachen IT. Oberbürgermeister Holaschke deutete im SWR-Interview sogar an, "das Rathaus komplett neu verkabeln" zu wollen.
Wie genau die IT-Infrastruktur aber verbessert werden soll, ließ er allerdings noch offen. Die Ergebnisse und Konsequenzen der Katastrophenschutzübung sollen in der kommenden Woche genauer ausgewertet werden, heißt es.