Im Hohenlohekreis hat schnelle Hilfe einen Greifvogel gerettet: In einem kleinen Karton ist dem dortigen Wildtierbeauftragen ein verletzter Bussard übergeben worden. Polizeibeamte fanden das Tier auf der Kochertalstraße zwischen Forchtenberg und Weißbach (beide Hohenlohekreis). Offenbar hatte ein Auto den Vogel erwischt. "Der Bussard kauerte in einer Ecke des Kartons" beschreibt Martin Hans die erste Begegnung. Gemeinsam mit seiner Tochter, die Tiermedizin studiert, startete der Wildtier-Experte Mitte Januar die Versorgung.
Viel Ruhe und Wasser für Bussard mit Gehirnerschütterung
"Äußerlich war nichts zu sehen", erklärt Martin Hans: Der Wildvogel hatte keine sichtbaren Verletzungen, "kein Blut, das aus der Nase tropfte" - wie so oft, wenn Vögel mit einem Auto zusammenkrachen oder gegen eine Scheibe fliegen. "Aber er bewegte sich kaum", berichtet Hans. Alles deutete also auf eine Gehirnerschütterung hin. Martin Hans und seine Tochter entschieden sich für Ruhe.
Wir haben ihm Zeit zur Erholung gegönnt, ihn an einem ruhigen Ort untergebracht und Wasser hingestellt.
Happy End über den Feldern Hohenlohes
Nach nur zwei Tagen war der Bussard wieder fit genug, um zurück in die Natur zu fliegen - unverletzt, aber mit einem kleinen Abenteuer im Gepäck. Ein echter Erfolg, über den sich der Wildtierbeauftragte sehr freut. "Es hätte auch ganz anders ausgehen können", sagt er.
Hätte sich der Bussard weiter in der Nähe der Straße aufgehalten, wäre die Gefahr groß gewesen, dass ein Auto ihn erneut erfasst. Auch hätte er von "einem Fressfeind" überwältigt werden können: "Wenn er so bewegungsunfähig ist, dass er nicht mehr auf den Baum hüpfen kann, dann kann natürlich ein Fuchs vorbeikommen und ihn fressen."
Einmaleins der Wildtierrettung: "Verletzte Tiere nicht stressen"
Dennoch müsse man genau abwägen, ob man einem Wildtier wirklich helfen muss. "Jede unnötige Annäherung kann Wildtiere stressen“, betont der Experte. Wer ein verletztes Tier findet, sollte es deshalb zunächst mal beobachten, Fachleute informieren oder sich Rat holen. Will man es selbst versorgen, trage man auch die Verantwortung und müsse "gegebenenfalls mit ihm auch zum Tierarzt gehen".
Ein Blick hinter die Kulissen der Wildtierarbeit
Martin Hans koordiniert nicht nur einzelne Rettungen, sondern berät auch Bürgerinnen und Bürger, arbeitet mit Behörden zusammen und überwacht Wildtierbestände im Hohenlohekreis. Auch ungewöhnliche Einsätze wie Waschbären in Wohnungen oder auch ein Dachs unter einer Bahnlinie, zeigen die Bandbreite seiner Arbeit.
Der Problem-Dachs aus Bretzfeld-Scheppach (ebenfalls Hohenlohekreis) habe ihn übrigens - ganz anders als aktuell der Bussard - fast zwei Jahre begleitet. Der Dachs-Bau unter der Bahnlinie musste nämlich Stück für Stück mit flüssigem Beton verfüllt werden, um die Gleise wieder sicher zu machen. Eine aufwendige Aktion sei das gewesen - vor allem auch, weil es dem Dachs dabei dennoch weiterhin gut gehen sollte.