Ob entlaufene Rinder auf Erkundungstour, ein Staffordshire Bullterrier in falschen Händen oder ein Biber in Not sowie ein festgefrorener Schwan: Die Polizei Heilbronn hat es nicht nur mit menschlichen, sondern auch regelmäßig mit tierischen Einsätzen zu tun. Doch nicht jeder Hilferuf benötigt Blaulicht - manchmal reicht auch etwas Überredungskunst und Geleit.
Polizeiliche Eskorte für Rinder bei Beilstein
So geschehen Beispiel Mitte Juni: An dem Tag sorgten drei ausgebüxte Rinder bei Beilstein (Kreis Heilbronn) für eine ungewöhnliche Nachmittagsrunde. Die Tiere spazierten an einem Fahrradweg entlang, sehr zur Überraschung einiger Passanten. Die Polizei musste ausrücken und traf die friedlichen Wiederkäuer auf einem Feld nahe der Straße an.
Während ein Polizist und eine Polizistin die Lage absicherten, wurde die Besitzerin informiert. Gemeinsam gelang es, die tierischen Ausreißer einzufangen und mit einem Strick sicher zurück in den Stall zu begleiten - allen voran "Molly", eines der Rinder. Das Tier wurde von einem der Beamten höchstpersönlich zu ihrem Zuhause eskortiert, berichtet die Polizei.
Premiere für Polizeibeamte: "Kühe hatten wir jetzt zum ersten Mal"
Es stellte sich heraus: Die Rinder waren wahrscheinlich gegen einen Zaunpfosten geraten. Dadurch hatte sich der Zaun verbogen und die Tiere waren plötzlich in Freiheit. Aber was ist mit den Kosten für die Einfang-Aktion? Die trägt in diesem Fall nicht die Besitzerin, heißt es von der Behörde. "Es passierte ohne schuldhaftes Zutun und die Besitzerin war super bemüht, lieb und zuvorkommend", erklärte der Beamte dem SWR.
Für ihn war der Einsatz übrigens eine Premiere: "Im Polizeialltag haben wir des Öfteren mal mit Hunden, Katzen oder Wildtieren zu tun, [...] aber Kühe hatten wir jetzt zum ersten Mal."
Staffordshire Terrier: Einsatz mit Pfefferspray
Weniger friedlich verlief dagegen ein Einsatz in der Woche zuvor in Heilbronn-Sontheim. Dort hatte eine offenbar Frau in den frühen Morgenstunden angekündigt, ihren Staffordshire Terrier auf die Polizisten zu hetzen. Als die Situation eskalierte, mussten die Beamten zum Pfefferspray greifen.
Während sich Rettungskräfte um die Frau kümmerten, nahmen hinzu gerufene Tierretter die sichtlich mitgenommene Hündin in Obhut. Nach einem Check beim Tierarzt wurde sie im Tierheim Heilbronn untergebracht, wie die Tierrettung Unterland auf Facebook postete.
Von Schwänen und Enten: Tierische Einsätze aus dem Polizeialltag
Eine ungewöhnliche Aktion war auch die Rettung eines festgefrorenen Schwans im Winter, berichtet Vesna Pitters-Engel, Sprecherin des Polizeipräsidiums Heilbronn. Beamte des Polizeipostens Güglingen (Kreis Heilbronn) mussten den Vogel aus dem nahegelegenen Badesees Ehmetsklinge befreien. Der steckte dort im Eis fest. Und ein anderer Schwan hatte sich in Heilbronn-Böckingen verirrt. Das Tier wurde kurzerhand im Streifenwagen zurück an den Neckar gebracht.
Dabei verhalten sich renitente Schwäne ähnlich aufmüpfig wie manche Menschen, die gegen ihren Willen von unseren Kollegen im Streifenwagen transportiert werden.
Ganz ähnlich erging es der Polizei unlängst bei einer Entenfamilie, die sich auf die Autobahn am Weinsberger Kreuz (Kreis Heilbronn) verlaufen hatte. Trotz polizeilicher Ansage und bugsieren von der Fahrbahn tauchten die Enten innerhalb einer halben Stunde erneut auf der Fahrbahn auf. Erst mit Unterstützung der Tierrettung Unterland konnten sie schließlich zurück in die nahe gelegene Sulm gebracht werden.
Ein Biber in der Bredouille und ein Welpe in der Rettungsgasse
Knapp wurde es unlängst bei einem Einsatz mit einem Australian-Kelpie-Welpen. Das kranke Tier war auf dem Weg zu einer Klinik in Heilbronn, steckte aber zusammen mit seiner Besitzerin in einem 15 Kilometer langen Stau auf der A6 fest.
Da sich die Lage für Hund Tucker zunehmend verschlechterte, alarmierte die Besitzerin die Verkehrspolizei in Weinsberg. Mithilfe einer Rettungsgasse eskortierten die Beamten den Welpen und die Halterin aus dem Stau heraus, sodass Tucker rechtzeitig behandelt und gerettet werden konnte.
Auch ein junges Nagetier sorgte jüngst für einen Einsatz der Heilbronner Polizei: Ein Biberjunges hatte sich offenbar auf einer Straße verirrt und musste von den Heilbronner Beamten eingefangen werden.
Rettung auf der Autobahn: Kitten-Einsatz auf der A6
Ein Polizeieinsatz mit echtem Happy End ereignete sich im vergangenen September auf der A6 bei Neuenstein (Hohenlohekreis). Polizisten retteten dort zwei kleine Katzenbabys, nachdem die Mutter und drei Geschwister überfahren worden waren.
Während eines der Kätzchen schnell eingefangen werden konnte, verschwand das andere im Mittelstreifen. Mit einer Lebendfalle und viel Geduld gelang am nächsten Abend darauf die Rettung. Das Kätzchen wurde zunächst dem Tierschutzverein übergeben - und später sogar von seinem Retter adoptiert. "Das Kätzchen ging mir nicht mehr aus dem Kopf", sagte Polizeihauptkommissar Nils Baumann damals dem SWR.
Beamte zeigen Herz für Tiere Rettungsaktion auf der A6: Katzenbabys überleben dank Polizei
Die Polizei hat auf der A6 bei Neuenstein nach einem Anruf einer Autofahrerin zwei Katzenbabys gerettet. Für die anderen Geschwister und ihre Mutter kam aber jede Hilfe zu spät.
Tierische Einsätze ohne Anleitung: Wenn Improvisation gefragt ist
"Lehrgänge zu verschiedenen Tierfangtechniken werden tatsächlich nicht angeboten", sagte die Polizeisprecherin dem SWR. In den meisten Fällen, wenn mal wieder ein Haustier ausgebüxt oder ein Wildtier in Not geraten ist, müssten sich die Kolleginnen und Kollegen auf ihre Intuition verlassen. Und dann heißt es: Spontan und mit viel Fingerspitzengefühl agieren - besonders dann, wenn Tierhalterinnen und Tierhalter oder professionelle Tierrettungsdienste nicht zur Stelle sind.
Und dann könne die Rettung eines Tieres auch mal zu einer langwierigen Angelegenheit werden, denn nicht jede Rettungsaktion verläuft so reibungslos wie die der entlaufenen Rinder in Beilstein. Aber - egal um was für einen Einsatz es sich handelt - es brauche Geduld, Geschick und auch tierische Empathie. Denn solche Einsätze fordern die Polizei auf besondere Weise: Mal wird eben taktiert, mal getröstet und mal engagiert eingegriffen.
Fakt sei aber: "Die meisten tierischen Einsätze sind für die eingesetzten Polizeibeamtinnen und -beamten eine willkommene Abwechslung im Dienstalltag".
Ein entlaufener Hund, der auf der Dienststelle auf sein Herrchen wartet, kann definitiv einen Nachtdienst versüßen.