Wie geht es mit dem Audi-Werk in Neckarsulm (Kreis Heilbronn) weiter? Darauf haben die Beschäftigten auch nach einer außerordentlichen Betriebsversammlung am Dienstag bei Volkswagen in Wolfsburg keine konkrete Antwort.
VW-Konzernchef Oliver Blume kündigte dort an, für alle Standorte Perspektiven entwickeln zu wollen. Dazu gehört auch das Audi-Werk in Neckarsulm. Wie diese Perspektive konkret aussehen könnte, soll allerdings erst in den kommenden sechs bis zwölf Monaten erarbeitet werden.
Beschäftigte in Neckarsulm vermissen konkrete Antworten
Bei Beschäftigten in Neckarsulm sorgt das für Unmut. Vor den Werkstoren berichteten Mitarbeiter dem SWR von Unsicherheit und fehlenden Informationen. Viele wünschen sich vor allem Klarheit darüber, wie es mit ihrem Arbeitsplatz und dem Standort weitergeht.
"Es ist schwer, mit der Ungewissheit zu leben. Es wäre schön, mehr mitzubekommen." meint der 24-jährige Yannick Kelber. Auch der 22-jährige Kim Kochenburger empfindet die Situation als junge Person belastend. Es sei ein komisches Gefühl, was die Zukunft und den Standort angeht. Ebenfalls würden bei einigen Mitarbeitern, die kurz vor der Rente stehen, die Nerven blank liegen, berichtet Alkan Saglam dem SWR.
Für Neckarsulms Oberbürgermeister Steffen Hertwig (SPD) ist genau das eingetreten, was zu befürchten war, dass es keine konkreten Aussagen zur Zukunft der in Frage stehenden Standorte gibt. Hertwig kündigte an, Konzernchef Blume beim Wort zu nehmen, dass in den nächsten sechs bis zwölf Monaten Perspektiven für alle betroffenen Standorte geschaffen werden sollen. Er hofft deswegen, dass die kommenden Monate vom Volkswagenvorstand und der Werkleitung genutzt werden.
Scharfe Kritik an VW-Chef Blume: Audi-Betriebsrat fordert klare Perspektive
Auch der Audi-Gesamtbetriebsrat fordert mehr Klarheit. Die Verunsicherung der Belegschaft sei ungebrochen, erklärte Gesamtbetriebsratschef Jörg Schlagbauer. Die Beschäftigten hätten ein Recht auf Klarheit.
Scharfe Kritik am VW-Vorstand kam auch von VW-Gesamtbetriebsratschefin Daniela Cavallo. Das Vertrauen in den Konzernvorstand und insbesondere in Oliver Blume sei beschädigt, erklärte sie bei der Betriebsversammlung. Mit Blick auf die bisherige Kommunikation des Konzernvorstands sagte Cavallo zudem: "Mit einem CEO, der seinen Leuten nicht sagt, was ist, lässt sich nicht arbeiten!"
Die IG Metall sieht unterdessen noch Sparpotential bei der Autoproduktion von Audi und VW - ohne Stellen zu streichen und Werke zu schließen. Im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk hat Gewerkschaftsvorsitzende Christiane Benner an den Konzernvorstand appelliert: "Nicht die Leute verunsichern, sondern gescheite Autos bauen."
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VW-Chef Blume: 50.000 Stellen sind keine Zielgröße
Oliver Blume relativierte bei der Betriebsversammlung zugleich die zuletzt diskutierte Zahl von rund 50.000 möglichen Stellenstreichungen weltweit. Diese sei keine Zielgröße, sondern eine theoretische Rechengröße, die sich aus den Kosten des Konzerns ableite. Etwa die Hälfte eines möglichen Stellenabbaus würde Deutschland betreffen.
Personal soll nach Angaben des Konzerns weiterhin möglichst sozialverträglich abgebaut werden – etwa durch Renteneintritte, einvernehmliche Vereinbarungen, eine restriktive Einstellungspolitik und zusätzliche Möglichkeiten zur Altersteilzeit.
Für Neckarsulm bleibt damit zunächst offen, wie es langfristig weitergeht.
VW-Chef kommt nach Neckarsulm
Nach Wolfsburg sind in den nächsten Tagen acht weitere Betriebsversammlungen in ganz Deutschland geplant. Mögliche Entscheidungen wird es aber voraussichtlich nicht vor Anfang September geben, dann steht die nächste Aufsichtsratssitzung bei VW an. Am 8. Oktober wird CEO Blume dann zur Betriebsversammlung in Neckarsulm erwartet.