Arbeitsmarktstudie zu Inklusion

Mehr Menschen mit Behinderung sind arbeitslos

Die schwierige wirtschaftliche Lage führt laut "Aktion Mensch" zu einem drastischen Rückschlag für die Inklusion. Dabei sind Unternehmen eigentlich an gesetzliche Quoten gebunden.

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Die Lage auf dem Arbeitsmarkt hat sich für Menschen mit einer Behinderung weiter verschlechtert. Dieses Ergebnis zeigt das jüngste Inklusionsbarometer Arbeit der "Aktion Mensch" und des Handelsblatt Research Institutes. Die Arbeitslosenquote unter Menschen mit Behinderung ist demnach in diesem Oktober im Vergleich zum Vorjahresmonat um mehr als sechs Prozent gestiegen. Sie liegt in Baden-Württemberg im Jahresdurchschnitt 2024 bei über 9 Prozent.

Damit ist sie mehr als doppelt so hoch wie die allgemeine Arbeitslosenquote im Land, die im Moment bei 4,5 Prozent liegt. Im Bundesdurchschnitt liegt die Arbeitslosenquote unter Menschen mit Behinderung bei 11,6 Prozent.

Baden-Württemberg bei Inklusion leicht unter Bundesdurchschnitt

Insgesamt schneiden im Ländervergleich die ostdeutschen Bundesländer bei der Inklusion besonders gut ab. Dort habe sich die Inklusionslage sogar leicht verbessert. Baden-Württembergs Inklusionslage, die sich aus mehreren Faktoren wie Beschäftigungs- und Arbeitslosenquoten zusammensetzt, liegt laut Inklusionsbarometer etwas unter dem Bundesdurchschnitt und hat sich im Vorjahresvergleich leicht verschlechtert.

Viele Firmen verfehlen Einstellungsquote

Die Wirtschaftskrise hat laut Aktion Mensch die Arbeitsmarktsituation für Menschen mit Behinderung in eine dauerhafte Krise gestürzt. Die Sprecherin von Aktion Mensch, Christina Marx, sagte, der Missstand verfestige sich weiter. "Wir sehen uns mit einem drastischen Rückschlag für die Inklusion auf dem Arbeitsmarkt konfrontiert." Es werde Jahre dauern, diese Krise zu überwinden.

Ab 20 Mitarbeitenden sind Arbeitgeber verpflichtet, Menschen mit Schwerbehinderung zu beschäftigen. Erfüllt ein Arbeitgeber die Pflichtquote von fünf Prozent nicht, muss er für jeden unbesetzten Pflichtarbeitsplatz eine Ausgleichsabgabe zahlen.

Mehr als jedes vierte Unternehmen beschäftigt keine Menschen mit Behinderung

Der Abstand zu dem vorgeschriebenen Fünf-Prozent-Anteil hat sich laut der Statistik im vergangenen Jahr erneut vergrößert. Mit 3,9 Prozent sank die Quote auf den niedrigsten Stand seit der ersten Ausgabe des Inklusionsbarometers im Jahr 2013, so die Autoren weiter. Dabei müsste es theoretisch mehr Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung geben: Denn die Anzahl an Unternehmen, die unter die Beschäftigungspflicht fallen, ist gestiegen.

Trotz Verpflichtung beschäftigt in Baden-Württemberg mehr als jedes vierte Unternehmen keine Menschen mit Behinderung, weitere 38 Prozent tun dies nur in Teilen, heißt es im jüngsten Inklusionsbarometer weiter. Die Studie kommt seit 2013 jedes Jahr heraus, sie basiert vor allem auf Zahlen der Bundesagentur für Arbeit.

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SWR

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