Ex-Trigema-Chef macht Suizidversuch öffentlich

Interview: Wolfgang Grupp und Altersdepression - Experte erklärt, was helfen kann

Der frühere Trigema-Chef Wolfgang Grupp hat einen Suizid-Versuch öffentlich gemacht. In einem Interview erklärt Ulrich Hegerl, was bei Altersdepression helfen kann.

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Der frühere Trigema-Chef Wolfgang Grupp hat am Donnerstag einen Suizid-Versuch öffentlich gemacht. Er habe sich Gedanken darüber gemacht, ob er überhaupt noch gebraucht werde, schreibt der 83-jährige Unternehmer in einem Brief. Ulrich Hegerl ist Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe - im Interview betont er, dass Altersdepression keine Reaktion auf Lebensumstände sei, sondern eine gut heilbare Krankheit.

Herr Hegerl, was versteht man unter Altersdepression?

Ulrich Hegerl: Zunächst ist das eine depressive Erkrankung im höheren Alter. Die meisten Menschen, die im höheren Alter eine Depression kriegen, hatten bereits in früheren Lebensabschnitten depressive Krankheitsphasen. Denn Voraussetzung, um zu erkranken, ist die Veranlagung der Depression. Und dann rutschen die Menschen meistens mehrfach in diesen ganz speziellen Zustand. Es gibt aber auch Menschen, die das erste Mal eine Depression im hohen Alter kriegen. Da muss man ganz genau nachschauen, ob es tatsächlich eine richtige Depression ist oder ob da etwas anderes dahintersteckt, Blutungsstörungen im Gehirn zum Beispiel.

Ulrich Hegerl ist Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe.
Ulrich Hegerl ist Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe. Seit über 30 Jahren engagiert er sich für die bessere Erforschung und Aufklärung über Depression und Suizidprävention.

Depression, gerade im Alter, ist immer noch ein Tabuthema. Wie beobachten Sie das in Ihrer täglichen Arbeit und in Ihrem täglichen Engagement? Wie wird das behandelt, gerade auch im Alter?

Hegerl: Ich denke, da hat sich viel verbessert in den letzten Jahrzehnten. Es wurde sehr viel aufgeklärt, dass Depression nicht persönliches Versagen ist, sondern eine Erkrankung. Menschen, die diese Veranlagung haben, rutschen immer wieder herein, auch wenn es ihnen von außen betrachtet sehr gut geht.

Depression wird bei alten Menschen oft missverstanden

Bei alten Menschen wird die Depression oft als Reaktion auf schwierige Lebensumstände missverstanden. Wenn man sie aber behandelt, dann schaut das Leben plötzlich wieder ganz anders aus, obwohl die Lebensumstände immer noch die gleichen sind.

Was bieten Sie als Depressionshilfe für Menschen an, die das Gefühl haben, sie erkennen sehr viel von sich selbst in Wolfgang Grupp?

Hegerl: Wir machen sehr viel Aufklärung, zum Beispiel darüber, wo man Hilfe für sich oder seine Angehörigen bekommt. Da muss man wissen, dass es drei Hauptanlaufstellen gibt. Das eine sind Psychiater, die Fachärzte für psychische Erkrankungen. Die andere Gruppe sind psychologische Psychotherapeuten, also Psychologen mit einer Spezialausbildung. Die können auch eine Diagnose machen und Psychotherapie anbieten. Mit die wichtigste Anlaufstelle sind Hausärzte. In Deutschland werden im ambulanten Bereich die meisten Patienten mit Depressionen beim Hausarzt behandelt.

Psychotherapie ist oft mit einer Hürde für Betroffene verbunden. Was kann helfen, die Sorgen und Ängste bei Betroffenen abzubauen?

Hegerl: Da hilft eigentlich nur immer wieder geduldige Aufklärung. Depression ist etwas anderes als eine Reaktion auf schwierige Lebensumstände, es ist eine eigenständige Erkrankung. Eine gut behandelbare Erkrankung: Man kann den Allermeisten helfen mit Antidepressiva und oder Psychotherapie.

Es wird ein gewisses Unverständnis nicht ganz beseitigen, weil man glaubt, Depression ist das Gleiche, was man selber kennt. Wenn einem das Leben bitter mitspielt, ist es aber was anderes. Es ist eine richtige Erkrankung und fühlt sich auch ganz anders an, wie die Betroffenen immer wieder berichten.

Was können Sie zu dem Brief von Herrn Grupp sagen?

Hegerl: Ich wünsche ihm natürlich vor allem rasche Besserung und dass er aus diesem Depressionszustand herauskommt. Was er in dem Brief erwähnt, sind integrale Bestandteile der Erkrankung an Depression. Das geht wieder weg, wenn diese behandelt wird. Dann wird alles wieder ganz anders ausschauen, davon bin ich überzeugt.

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Erstmals publiziert am
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Das Gespräch führte
Fabian Siegel
Onlinefassung
Lorenz Zeck
SWR-Redakteur Lorenz Zeck