Der Ex-Chef der Firma Trigema in Burladingen (Zollernalbkreis) hat nach eigenen Angaben versucht Suizid zu begehen. Dem SWR liegt ein Brief vor, in dem Wolfgang Grupp senior mitteilt, er leide an Altersdepressionen und habe deshalb nicht mehr leben wollen. Inzwischen bedauere er, was geschehen ist. Zuerst hatten die "Bild"-Zeitung und die Deutsche Presse-Agentur berichtet.
Schon seit vergangener Woche rätselt die Öffentlichkeit, was mit Wolfgang Grupp los ist. Bekannt war nur, dass er seit einem Vorfall vergangener Woche verletzt in einem Krankenhaus liegt. Am frühen Montagmorgen gab es in Burladingen am Wohnhaus der Familie einen Rettungseinsatz mit Hubschrauber. Polizei und Trigema hielten sich bedeckt. Zu erfahren war nur, Grupp ginge es dem Alter entsprechend gut.
Sorge um Grupp von vielen Seiten
Danach gab es langes Schweigen über den Gesundheitszustand des bundesweit bekannten 83-jährigen Unternehmers. Man werde zu gegebener Zeit wieder informieren, hieß es von Trigema und Grupps Familie. Viele, die den Unternehmer schätzen, vor allem auch die Mitarbeiter des Burladinger Textilunternehmens, sorgten sich um Grupp. Auf Social Media gab es Genesungswünsche, aber auch Nachfragen.
Brief an die Beschäftigten von Trigema
Der Brief zeigt, wie sehr Wolfgang Grupp an der Firma und seiner Arbeit hing. Er mache sich Gedanken darüber, ob er noch gebraucht werde. Ausdrücklich bedankt er sich bei seiner Frau und seinen zwei Kindern. Er bedauere, was geschehen ist.
Ich bin im 84. Lebensjahr und leide an sogenannten Altersdepressionen. (...) Ich habe deswegen auch versucht, mein Leben zu beenden.
Ihm gehe es den Umständen entsprechend gut, sein Dank gelte allen Ärzten, Rettungs- und Pflegekräften, schreibt Grupp in dem Brief. "Es kann etwas länger dauern, bis ich wieder ganz gesund bin." An andere Menschen, die unter Depressionen leiden, appellierte Grupp: "Suchen Sie sich professionelle Hilfe und begeben Sie sich in Behandlung."
In seinem Brief schreibt Grupp weiter: "Ich habe versucht mein ganzes Leben in den Dienst von Trigema und den Kampf für die Interessen der Wirtschaft und des Mittelstands in Deutschland zu stellen. Ich weiß, dass ich oft unbequem war, aber ich bin dankbar für das was ich erreichen und erleben durfte."
Reaktionen in Burladingen
Menschen in der Innenstadt von Burladingen wünschen Wolfgang Grupp gute und schnelle Genesung. Eine Burladingerin sagte dem SWR: "Er ist ein Mann der nach außen viel Stärke repräsentiert. Dass es jetzt ganz anders aussieht, ist unvorstellbar und unglaublich. Und es zeigt, dass das Bild, dass man von Menschen hat, gar nicht immer das wahre ist, sondern dass es innen drin ganz anders aussehen kann." Ein weiterer Burladinger sagte, dass manche in der Stadt bereits über einen Suizidversuch spekuliert hätten, für ihn sei es nun aber doch überraschend gewesen.
Große Anteilnahme im Internet
Nachdem Wolfgang Grupp seinen Suizidversuch öffentlich bekannt gemacht hat, gibt es eine Welle der Anteilnahme im Internet. Innerhalb kurzer Zeit wünschen dem ehemaligen Trigema-Chef hunderte Menschen eine gute Genesung und viel Kraft. "Respekt für diese Offenheit und diesen Mut", schreibt beispielsweise eine Nutzerin.
Auch die Tübinger Ärztin Lisa Federle teilte ihre Anteilnahme in den sozialen Medien: "Viel mehr Menschen als wir denken leiden unter Altersdepressionen. Ich finde es von ihm großartig, dass er das Thema offen anspricht und dazu aufruft, sich in Therapie zu begeben. Manchmal braucht es Vorbilder um einem diesen Schritt zur Therapie leichter zu machen. Oft ist es nicht einfach alt zu werden, egal unter welchen Umständen."