Olga und Wladimir Skripnik leben seit 30 Jahren in Karlsruhe. Er ist Ukrainer, sie Russland-Deutsche mit Wurzeln in Baden-Württemberg und der Ukraine. Mit Partnern in der Ukraine haben Olga und Wladimir Anfang der 2000er-Jahre eine Firma in der grenznahen Region Ruda aufgebaut, unweit der Stadt Lwiw. Dort lassen sie Euro-Paletten fertigen, die nach Deutschland und in andere europäische Länder exportiert werden.
Als vor vier Jahren am 24. Februar 2022 Russland seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine begann, wurde alles auf den Kopf gestellt. Olga und Wladimir war sofort klar: Wir wollen helfen. Aus ihrer privaten Aktion hat sich seit Kriegsbeginn ein Logistik-Unternehmen entwickelt.
Die "Rosinen-Initiative" bringt Woche für Woche im Schnitt sechs bis acht Lastwagen mit Hilfsgütern in Verteilungslager in der Ukraine. Eines dieser Verteilungslager ist in Winnyzja, einer Partnerstadt von Karlsruhe. In den vergangenen vier Jahren wurden die Skripniks von Fabrikanten zu Experten in Sachen Katastrophenhilfe.
"Rosinen-Initiative": Aus Konkurrenten wurden Partner
Auch andere Unternehmen hätten sich im Lauf der Zeit angeschlossen, aus Konkurrenten seien Partner geworden, so Olga Skripnik. Anders sei - neben den Hilfslieferungen - auch das wirtschaftliche Überleben nicht möglich. Transportiert und gebraucht wird so ziemlich alles: Nahrungsmittel, Möbel, Medikamente, Hygieneartikel.
Entweder wir drehen durch oder wir helfen.
Man sei auf Spendengelder angewiesen, um die Hilfstransporte finanzieren zu können, sagt Olga Skripnik. Die Hilfsbereitschaft sei aber gesunken. Für eine sachgerechte Verwendung der Spenden bürge man persönlich und garantiere eine transparente Dokumentation der Projekte.
Der Krieg in der Ukraine sei zur Normalität geworden, erzählt Olga. Viele gingen bei Bombenalarm nicht mehr in die Schutzräume. Sie kenne Frauen, die sich jeden Tag hübsch machten. Es könnte ja der letzte Tag sein.
Verzweiflung trifft es nicht. Es ist trostlos.
Kinder gingen zur Schule, folgten dem Unterricht im Schutzbunker oft ohne Strom und Wärme. Und wenn im Krankenhaus der Strom während einer Operation ausfalle und der Generator nicht gleich anspringe, operierten die Ärzte zum Teil weiter. Irgendjemand mache dann mit dem Handy Licht, sagt sie.
Vier Jahre Krieg in der Ukraine: ein paar Stunden Strom und eingefrorene Toiletten
Die Lage in der Ukraine sei dramatisch, sagt Olga. Dieser Winter sei der härteste seit Kriegsbeginn. Die Versorgung mit Wasser, Wärme und Strom sei aufgrund der massiven Angriffe auf die Infrastruktur stark beeinträchtigt. Wenn überhaupt, gebe es ein paar Stunden Strom am Tag. Menschen säßen in eiskalten Wohnungen. Toiletten seien eingefroren.
Die Menschen in der Ukraine sind chronisch müde, nicht gebrochen.
Die Menschen passten sich jedem Lebensraum an und den Zuständen, die sie dort vorfänden. Was bleibe ihnen auch anderes übrig. Ob sie nach vier Jahren Krieg verzweifelt sei, wollen wir wissen. Verzweiflung treffe es nicht, sagt Olga. Es sei trostlos.
In den Medien wird nach Olgas Meinung zu oft über militärische Hilfe gesprochen und über Waffen, zu wenig über humanitäre Hilfe und die enorme Not. Was sich Olga von Deutschland und Europa wünscht? Nicht diskutieren, sagt sie. Machen.